PB: Verwendung und Einschränkung in anderen Ländern

syringe 5411506 1280 mandara p pixabayDer Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat einige Informationen zum Sachstand der Verwendung von Pubertätsblockern (PB) in anderen Ländern zusammengetragen.

Wir möchten noch ergänzen, dass es auch in Dänemark die Entwicklung gibt, vorsichtiger zu sein und die Pubertätblocker-Behandlung einzuschränken. Des Weiteren sollte deutlich bleiben, dass Pubertätsblocker in allen Ländern "off-label" eingesetzt werden, da es unseres Wissens nirgends auf der Welt eine Zulassung der Arzneimittelbehörden für die Blockierung der natürlichen Pubertät gibt. Der Off-label-use wird in der Ausarbeitung explizit nur für die USA und Österreich erwähnt, sodass LeserInnen denken könnten, in anderen Ländern und auch in Deutschland gäbe es eine Zulassung für die Blockierung der natürlichen Pubertät. Auch die Anwendung gegengeschlechtlicher Hormone ist - weil in den verwendeten Dosen unphysiologisch - nirgends zur medizinischen Transition Minderjähriger durch die Arzneimittelbehörden zugelassen.

Gesetzlich verboten wurden Pubertätsblocker in einigen Bundesstaaten der USA. In Europa gibt es keine gesetzlichen Verbote. Aber es gibt mittlerweile in etlichen europäischen Ländern Einschränkungen über Leitlinien, Anordnungen, Grundsatzerklärungen und Warnungen. Den ExpertInnen sind auf Basis einiger systematischen Reviews im Sinne „primum non nocere" erhebliche Zweifel an der Evidenz gekommen. Zudem gibt es medizinethische Gründe, wie die Einwilligungsfähigkeit von Jugendlichen in einer Lebenskrise, zunehmende Detransition und tatsächlich transitionsgeschädigte Jugendliche.

Gesetzliche Verbote von Pubertätsblockern im Ausland, Wiss. Dienst des Dt. Bundestages, 18.10.2023

Die meisten europäischen Länder, die die Behandlung von genderdysphorischen / genderinkonsistenten Jugendlichen reformieren, haben eine Praxisumkehr eingeleitet und bieten Jugendlichen und ihren Familien jetzt Psychotherapie und psychosoziale Unterstützung zur Bewältigung ihrer Notlage an.

In Deutschland sind aufgrund der systematischen Reviews zur medizinischen Transition aus GB, Schweden und Finnland noch keine Bedenken oder gar Konsequenzen erkennbar, die Behandlung mit Pubertätsblockern ist noch immer gängige Praxis.

Gibt es auch in Deutschland ein Rollback?

David Bell (Tavistock-Consultant) zur Transition von Jugendlichen

Systematische Überprüfungen der Evidenzlage

Es wurden in den letzten Jahren mehrere systematische Überprüfungen der Evidenzlage zur medizinisch unterstützten Geschlechtsangleichung von Minderjährigen durch PB und CSH erstellt. Bei gleiche internationaler Studienlage[1] kamen sie zu denselben Ergebnissen, die sie als ‚very low‘‚ ‚not safe‘ oder nicht schlüssig bewerteten: z. B. COHERE 2020[2], Ludvigsson et al, 2023[3]; NICE, 2020a,b[4], Swedish National Board of Health and Welfare 2022[5].

Die schwedische Gesundheits-Behörde[5] kam 2022 aufgrund ihrer systematischen Überprüfung zu dem Schluss:

"(...) die Risiken einer pubertätsunterdrückenden Behandlung mit GnRH-Analoga und geschlechtsbestätigenden Hormonen überwiegen derzeit nicht den potenziellen Nutzen, so dass diese Behandlungen nur in Ausnahmefällen angeboten werden sollten. Dieses Urteil beruht im Wesentlichen auf 3 Faktoren: dem anhaltenden Mangel an zuverlässigen wissenschaftlichen Beweisen für die Wirksamkeit und Sicherheit beider Behandlungen, den neuen Erkenntnissen, dass Detransition bei jungen Erwachsenen auftritt, und der Unsicherheit, die sich aus der noch ungeklärten Zunahme der Zahl derjenigen ergibt, die eine Behandlung in Anspruch nehmen, wobei diese Zunahme bei Jugendlichen, die bei der Geburt als Frauen registriert wurden, besonders hoch ist.'

Zu den systematischen Reviews erklärte Prof. Dr. Gordon Guyatt, der die Qualitätskriterien für die Evidenzbasierte Medizin (EBM) maßgeblich mitentwickelt hat:

„Wenn alle systematischen Übersichten zu demselben Ergebnis kommen, erhöht das eindeutig unser Vertrauen in diese Schlussfolgerungen".

Gerade die fortschrittlichen und durchaus LGBT*-freundlichen europäische Länder wie Finnland[6], Schweden[7], England[8],[9] Frankreich[10], inzwischen auch Norwegen[11],[12] und Dänemark[13] bezeichnen die pädiatrische Trans-Behandlung mittlerweile als experimentell, ineffektiv und schädlich, kehren von den WPATH SoC ab und agieren vorsichtiger, indem sie Behandlungsstrategien ändern, die zur Praxisumkehr führt.[14],[15] Teilweise gibt es Empfehlungen, die medizinischen Maßnahmen mangels Evidenz als „Behandlungen in der Erprobung“ oder nur noch im Rahmen von Forschungsprogrammen vorsehen oder sie für ROGD-Minderjährige ganz aussetzen. Länder, die PB und CSH nur noch selten einsetzen, empfehlen als Primärtherapie jetzt Psychotherapie und psychosoziale Unterstützung, d. h. Alternativen, von denen in Deutschland behauptet wird, dass sie bei Genderdysphorie wirkungslos seien.

       

[1] „Same evidence, divergent recommendations”, s. Gender dysphoria in young people is rising—and so is professional disagreement, J. Block, BMJ, 23.02.2023

[2] Recommendation: Medical treatment methods for dysphoria related to gender variance in minors, COHERE (Council for the Choices in Health Care), 11.06.2020.

[3] A systematic review of hormone treatment for children with gender dysphoria and recommendations for research, Ludvigsson u. a., 2023

[4] Evidence review: Gonadotrophin releasing hormone analogues for children and adolescents with gender dysphoria, NICE 2020a und Evidence review: Genderaffirming hormones for children and adolescents with gender dysphoria, NICE 2020b

[5] Care of children and adolescents with gender, dysphoria. Summary. Swedish National Board of Health and Welfare, SNBW, Socialstyrelsen 2023

[6] Finnland: Med. Behandlungsmethoden für Dysphorie im Zusammenhang mit Variationen der Genderidentität bei Minderjährigen, 2020

[7] Schweden: Summary of Key Recommendations from the Swedish National Board of Health and Welfare (Socialstyrelsen/NBHW), SE GM, February 2022

[8] England National Institute for Health & Care Excellence: NICE-Evidence Review Pubertätsblocker (2020), NICE-Evidence Review Gender-affirming hormones (2020), Cass-Review Interim Report, 2022

[9] England schränkt Verordnung von Pubertätsblockern ein, Dt. Ärzteblatt, 30.06.2023

[10] Académie Nationale de medicine: La médecine face à la transidentité de genre chez les enfants et les adolescents, 25.02.2022

[11] Norwegen: Pasientsikkerhet for barn og unge med kjønnsinkongruens (Patientensicherheit für KiJu mit Genderinkongruenz

[12] Norway’s guidance on paediatric gender treatment is unsafe, says review, J. Block, 23.03.2023

[13] Denmark Joins the List of Countries Who Have Sharply Restricted Youth Gender Transitions, SE GM, 17.08.2023

[14] Genderdysphorie: England schränkt die Verordnung von Pubertätsblockern ein, Dt. Ärzteblatt, 30.06.2023

[15] Current Concerns About Gender-Affirming Therapy in Adolescent, Levine u. a., 14.04.2023

 


Noch einige Hinweise zum o. g. Aufsatz

Von Insidern wurde angemerkt, dass im Dokument „Gesetzliche Verbote von Pubertätsblockern im Ausland" irrtümlich angeführt wird, dass Pubertätsblocker mit kardiovaskulären Risiken in Verbindung gebracht werden, wobei eine Studie von Nota et al. zitiert wird:

„Gegen die Verabreichung von Pubertätsblockern spreche hingegen, dass bisher noch keine hinreichend evidenzbasierte Forschung auf diesem Gebiet bestehe, aber bereits einzelne Studien darauf hindeuteten, dass etwa das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Thrombose erheblich steige.17

In der zitierten Arbeit von Nota u. a. geht es um das Risiko von gegengeschlechtlichen Hormonen, nicht von Pubertätsblockern. Die derzeit diskutierten medizinischen Risiken von Pubertätsblockern betreffen vor allem die Knochen. Außerdem wird in letzter Zeit dem Gehirn und vielen weiteren Unbekannten mehr Aufmerksamkeit gewidmet.

Occurrence of Acute Cardiovascular Events in Transgender Individuals Receiving Hormone Therapy, Nota u. a., 12.03.2019

Shot in the dark - Unexpected doubt about gender medicine in Germany emerges from an official source, B. Lane, 21.12.2023


Hier mehr Infos zum U-Turn bei der GD-Behandlung von Teens & Twens ...

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Schweden: Systematisches Review aus Schweden zu PB und CSH

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GD-Behandlung: Debatte in den USA und international

England: 1 Jahr nach der Ankündigung der Schließung des GIDS

GB: Gericht folgt Mutter, die vorsichtig vorgehen will

Australien - Sicherheitsbedenken beim genderbestätigenden Ansatz

 


USA 2023 - Beschränkung der Gender-affirmativen Versorgung

Besonders im letzten Jahr hat sich die Zahl der Bundesstaaten mit Gesetzen oder Richtlinien, die den Zugang zur Gender-affirmativen Versorgung einschränken, stark erhöht: von 4 im Juni 2022 (AL, AR, TX, AZ) auf 23 Staaten bis Januar 2024 (AL, AR, AZ, FL, GA, IA, IA, IA, IA, .OK, SD, TN, TX, UT, WV)

The Proliferation of State Actions Limiting Youth Access to Gender Affirming Care, L. Dawson, J. Kates, 31.01.2024

States That Have Restricted Gender-Affirming Care for Trans Youth, usnews, 24.01.2024