Professionelle Intervention · Experten oder Experimentierer?
Jugendliche mit Genderdysphorie sind häufig schwer belastet, fühlen sich minderwertig oder unpassend, sie zeigen körperliche und/oder psychische Symptomatiken, teilweise funktionale Einschränkungen. Die Idee, sich professionelle Hilfe zu holen, entwickelt sich für Eltern nicht selten enttäuschend, teilweise zum Albtraum. Als Erstes werden sie angewiesen, das Kind nicht mehr mit der Realität zu konfrontieren, sondern dessen ‚Wunschidentität‘ unhinterfragt zu akzeptieren. Eltern werden kaum über die Behandlungsverfahren aufgeklärt, wenig angehört oder einbezogen und fühlen sich mit der komplexen Situation alleine gelassen. Eine gründliche Differentialdiagnose der Jugendlichen und ihres familiären Bezugsrahmens findet häufig nur unzureichend statt. Ursachen der Genderdysphorie bleiben im Dunkeln, für eine Therapie der psychischen Problematik insgesamt ist nicht ausreichend Zeit.
Statt Resilienz zu fördern, den Jugendlichen in der Pubertät Orientierung und Gelegenheit zu geben, ihre Körperwahrnehmung zu relativieren, Genderstereotype zu analysieren und zu hinterfragen, alternative Lebensformen kennenzulernen, sich sexuell auszuprobieren (auch im Hinblick auf die sexuelle Orientierung) und in der Welt der Erwachsenen zurechtzufinden, werden sie von den Behandelnden von Anfang an in ihrer ‚Wunschidentität‘ bestätigt und damit schnell auf die ‚Trans-Schiene‘ gelenkt.
Einmal auf der ‚Schiene', wird oft eine transsexuelle Entwicklung angestoßen. Die soziale Transition (Outing, Namensänderung, Aussehen, Verhalten) in Schule und Freizeit folgt häufig unmittelbar als Nächstes und soll Ernsthaftigkeit oder Endgültigkeit signalisieren. Mit jedem Aufruf des Wunschnamens und jeder Anwendung des Wunsche-Pronomens wird die Überzeugung der Jugendlichen, anders zu sein, bestärkt. Hier beginnt möglicherweise die Fixierung der Jugendlichen auf ihre Genderdysphorie. Die soziale Transition ist somit keine neutrale Option. Theoretisch ist die soziale Transition reversibel, allerdings ist dies oft mit großem Aufwand (z. B. selbst veranlasstem Schulwechsel) verbunden, den eingeschlagenen Pfad wieder zu verlassen.
Unsere adoleszenten Kinder sind jung und leicht zu beeinflussen, sie glauben sorglos an die Omnipotenz der Medizin, suchen die schnelle Lösung für ihre Probleme. Sie akzeptieren einfache bzw. veraltete (schwarz-weiße) Genderstereotype in den Medien und übernehmen sie. Auch die ‚Pinkifizierung‘ und die ‚Barbiesierung‘ unseres Alltags zeigen möglicherweise Wirkung.
Eltern erleben, wie ihr Kind von den Behandelnden in seiner Selbst-Diagnose von Anfang an bestärkt und wie zunächst die soziale Transition in Schule und Freizeit angestoßen wird, sich immer stärker manifestiert und wie schnell dann oft die Medikalisierung eingeleitet wird. Medikalisierung bedeutet, insbesondere
- Pubertätsblocker im sog. Off-Label-Use(!),
- gegengeschlechtliche Hormone ebenfalls im Off-Label-Use, die zumeist zur Infertilität, Sterilität, Atrophien der weiblichen Geschlechtsorgane, Beeinträchtigung der Sexualfunktion führen
- körpermodifizierende Operationen (am physisch gesunden Körper, irreversibel).
Ist es wirklich zweckmäßig und sinnvoll, den Körper aus ideologischer Sicht ‚passend‘ zu machen oder ist in der Endokrinologie und Chirurgie einfach viel Geld damit zu verdienen?
Auf die Frage „Wird also unangepasstes Rollenverhalten quasi wegoperiert?“ antwortet Dr. Korte:
„Überspitzt könnte man das so sagen, ja. Und was das bedeutet, hat die Gesellschaft meines Erachtens überhaupt noch nicht erfasst.“
Aktuell gibt es weder wirklich brauchbare Definitionen, die erklären, was Gender-Identität ist bzw. wie sie erlebt wird, noch Einigkeit darüber unter den Fachleuten:
„There is a lack of consensus demonstrated as to the exact nature of the condition. Questions remain for psychiatrists regarding whether gender dysphoria is a normal variation of gender expression, a social construct, a medical disease or a mental illness. If merely a natural variation, it becomes difficult to identify the purpose of or justification for medical intervention.“ Giffin u. a. 2020