Gender-Sprache · nicht immer ganz einfach
Im Zusammenhang mit Gender tauchen permanent neue Begriffe auf und es werden viele Abkürzungen benutzt. Daher haben wir eine Art Glossar zusammengestellt.
Die meisten Begriffserklärungen wurden in Anlehnung an das Genspect-Glossary übernommen. Einige Begriffe wurden alternativ oder zusätzlich von anderen AutorInnen bzw. WissenschaftlerInnen beschrieben und eingeordnet. Diese sind entsprechend gekennzeichnet.
► Gender-Sprache (Einordnung von Dr. Alexander Korte)
Vormals klar umrissene Begriffe wie Geschlecht
AFAB
„Assigned female at birth” – „weiblich – bei der Geburt zugewiesen" basiert i. d. R. auf der beobachteten Anatomie. Es ist zu präferieren, diesen Begriff nicht zu verwenden, wenn stattdessen einfach „weiblich" gesagt werden kann. Für über 99,98 % der Menschen macht „bei der Geburt zugewiesen” keinen Sinn, da sie nicht intersexuell sind. Eine weniger aktivistische Bezeichnung wäre evtl. „bei der Geburt festgestelltes Geschlecht“. The Problem With Saying ‘Sex Assigned at Birth’, A. Byrne, C. K. Hooven, 03.04.2024
Affirmativer Ansatz
Ein therapeutischer und medizinischer Ansatz, der dafür plädiert, dass Erwachsene und Kinder, egal welchen Alters, dazu ermutigt werden sollen, in ihre selbst angegebene Genderidentität zu transitionieren.
AMAB
„Assigned male at birth“
Autogynophilie
Eine diagnostizierbare Paraphilie, die im DSM-5 aufgeführt ist. Autogynophile (AGP) bezieht sich auf die sexuelle Fixierung eines Mannes auf den Gedanken, er sei weiblich. AGP ist eine der theoretischen Ursachen für genderbezogene Notlagen und den Wunsch nach einer medizinischen Transition bei Männern. Ein Mann, der Autogynophilie hat, wird als „autogynophil“ bezeichnet. Es handelt sich um „Männer, die in manchen Fällen sexuelle und emotionale Befriedigung daraus ziehen, als Frauen bestätigt zu werden.“ (Julie Szego)
Cis, cisgender
Dieser Begriff wird benutzt um Menschen zu bezeichnen, die „nicht transgender" sind oder Menschen, von denen angenommen wird, dass sie eine Genderidentität haben, die mit ihrem biologischen Geschlecht übereinstimmt. Es sollte nicht davon ausgegangen werden, dass Menschen „cis(gender)“ sind, nur weil sie nicht trans sind, denn viele Menschen können mit dem Begriff Genderidentität nichts anfangen, ohne dass sie ein Defizit hätten.
CSH – Cross-Sex-Hormones
Hormone des Gegengeschlechts: Oestrogene bei biologischen Männern, Testosteron bei biologischen Frauen – Anwendung mit der Absicht, ;sekundäre Geschlechtsmerkmale zu verändern, damit eine transidentifizierte Person kosmetisch dem anderen Geschlecht ähnelt. Es gibt keine Belege dafür, dass CSH das psychische Wohlbefinden oder die psychosoziale Funktion von transidentifizierten Menschen verbessern. CSH beeinträchtigen die Sexualfunktion und zerstören die Fruchtbarkeit. Ihre Verwendung ist mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Beckenbodendysfunktion und einigen Krebsarten verbunden.
Desistance / Abkehr
Desistance bezeichnet die natürliche Auflösung einer genderbezogenen Notlage ohne medizinische oder soziale Intervention und bezieht sich zumeist auf den Prozess der Rückgängigmachung einer Sozialen Transition (z. B. durch die Rückkehr zu einem früheren Namen). Desistance bedeutet in der Regel die Aufgabe, eine medizinische Transition anzustreben.
In diesem Zusammenhang stehen entwicklungspsychologische Erkenntnisse, dass viele Faktoren (biologische, psychologische und soziale) dazu führen können, dass eine Person gender-/genderbezogene Notlagen erlebt, aber auch im Laufe der Zeit überwindet.
Detransition
Der Prozess, bei dem eine Person wieder in ihrem biologischen Geschlecht leben will, indem sie versucht, eine frühere soziale, rechtliche und ggf. medizinische Transition rückgängig zu machen.
Detransition – medizinisch: Prozess der Beendigung oder Umkehrung medizinischer Interventionen (wie Brustbinding, CSH, Geschlechtsangleichungen), die im Rahmen einer medizinischen Transition durchgeführt wurden.
Detransition – sozial: Der Prozess der Rückführung der sozialen Identität und Darstellung (wie Name, Pronomen, Aussehen, Beanspruchung von Einrichtungen, Aktivitäten und Sportarten des Gegengeschlechts) einer Person auf ihr biologisches Geschlecht, nachdem sie sozial transitioniert war.
Detransition – rechtlich: Rückkehr zum früheren Namen, Pronomen und Personenstand.
Detransition – ideologisch: Der Prozess der Ablehnung der zugrunde liegenden Überzeugungen oder des ideologischen Rahmens, die ursprünglich die Entscheidung einer Person für eine medizinische, rechtliche oder soziale Transition unterstützt haben.
Die Bezeichnung „Detransition" wird von vielen Detransitionierten als unangemessen empfunden; einige bezeichnen sich selbst als Ex-Trans*, desillusioniert transident oder ambivalent trans*. Einzelne Personen beenden beispielsweise nur die Anwendung von CSH (z. B. aus gesundheitlichen Gründen) oder ändern nur ihren Namen und Personenstand. Nicht alle Detransitionierte bereuen ihre Transition.
DSDs
DSDs (Differences of Sexual Development - Intersexualität) ist ein Oberbegriff Unterschiede in der sexuellen Entwicklung), um die >40 verschiedenen Zustände zu beschreiben, bei denen die sexuelle Entwicklung nicht streng dem typischen männlichen oder weiblichen Verlauf folgt. DSD-Zustände sind selten und betreffen nur 0,018 % der Menschen. Entgegen der verbreiteten Meinung sind DSDs geschlechtsbezogene körperliche Zustände, Menschen mit DSDs sind kein „drittes Geschlecht”. Zusätzliche Tests können erforderlich sein, um das Geschlecht (männlich oder weiblich) eindeutig festzustellen. Ebenfalls gebräuchlich sind die Begriffe VSD (Variation der sexuellen Entwicklung) und CCSD (Congenital Condition of Sexual Development).
Die Erfahrungen von Menschen mit DSD werden oft von Trans-Aktivisten vereinnahmt, um ideologische Behauptungen über die Transgender-Identität zu untermauern, wie beispielsweise die Überzeugung, dass das biologische Geschlecht ein Spektrum ist. Trans identifizierte Menschen sin jedoch nur äußerst selten von DSD betroffen.
Entwicklungsorientierter Ansatz
Ein therapeutischer und medizinischer Ansatz, der davon ausgeht, dass viele Faktoren (biologische, psychologische und soziale) dazu führen können, dass eine Person Probleme mit ihrem Geschlecht hat.
Evidenz
Der in der Medizin verwendete Evidenz-Begriff bezieht sich auf die Bedeutung des englischen Begriffs ‚evidence‘: Beweis bzw. Beleg, nachgewiesene Wirksamkeit. s. auch wikipedia
GAT – Gender Affirmative Therapy | Gender-affirmative Versorgung
Affirmative Ansätze zur Behandlung genderbezogener Notlagen gehen von der Überzeugung aus, dass Fachleute die selbst angegebenen Genderidentitäten ihrer Behandlungssuchenden sofort „bestätigen” und sie ohne weiteres beim Zugang zu irreversiblen Verfahren zu körpermodifizierenden Veränderungen unterstützen sollten, damit sie ihre sog. „Verkörperungsziele“ erreichen. Der Versuch, zu verstehen, warum ein Patient genderbezogene Notlagen hat, oder Vorbehalte gegenüber einer medizinischen Transition zu äußern, wird im Rahmen des Modells der sogenannten „gender-affirmativen Versorgung” als inakzeptables „Gatekeeping" (Zugangskontrolle) angesehen. Gender-affirmative Fachleute sind überzeugt, dass genderbezogene Leiden nur durch kosmetische Veränderungen des Körpers verringert werden können, damit dieser oberflächlich der selbst angegebenen Genderidentität des Patienten näherkommt.
Gender-affirmative Versorgung wird im Deutschen manchmal als „Bestätigung“ oder „bestätigender Ansatz“ bezeichnet.
Als GAT wird die Transition mit folgenden Elementen bezeichnet (Laidlaw, S. 143, 2022):
- Soziale Transition
- Pubertätsblocker
- Gegengeschlechtliche Hormone
- Chirurgische Körper-Modifikationen
Gender
Kulturell geprägte, gesellschaftliche Erwartungen an Verhalten, Fähigkeiten und Aussehen, die auf dem Geschlecht und dem sozialen oder kulturellen Status einer Person als männlich, weiblich oder etwas anderem basieren.
Im Englischen wird gender manchmal auch als höfliche Umschreibung für den englischen Begriff für das biologische Geschlecht „sex" verwendet, manchmal auch als Abkürzung für „Genderidentität".
► Gender (Definitionen von Kathleen Stock)
Kathleen Stock benutzt in ihrem Buch „Material Girls" 4 Gender-Definitionen, um die verschiedenen Forderungen von Feministinnen und Trans-Aktivistinnen zu beschreiben oder zu entschlüsseln: „vier verschiedene Bedeutungen des englischen Wortes „Gender“, die zweifellos etymologisch verwandt sind und sich in Bezug auf die Personen, auf die sie sich beziehen, überschneiden, aber für unterschiedliche Dinge stehen.“
- GENDER1: Ein höflich klingendes Wort für die Unterscheidung zwischen Männern und Frauen, das als traditionelles Alternativwort für das biologische Geschlecht bzw. die Unterscheidung zwischen biologisch männlichen und weiblichen Personen verstanden wird. Man geht davon aus, dass dieses Wort den Vorteil hat, dass es keine peinlichen Konnotationen von Sexualität im kopulativen Sinne hat. Wenn z. B. bei der Beantragung eines Reisepasses nach dem „Gender“ gefragt wird, ist es in diesem Sinne gemeint.
- GENDER2: Ein Wort für gesellschaftliche Stereotypen, Erwartungen und Normen von ‚Männlichkeit‘ und ‚Weiblichkeit', die ursprünglich auf biologische Männer bzw. Frauen ausgerichtet waren. Diese können sich von Kultur zu Kultur unterscheiden und tun es auch, obwohl es viele Überschneidungen gibt.
- GENDER3: Ein Wort für die Unterscheidung zwischen Männern und Frauen, die per Definition als Unterscheidung zwischen zwei Gruppen von Menschen verstanden wird: diejenigen, denen die soziale Rolle der Männlichkeit zugeschrieben wird, und diejenigen, denen die soziale Rolle der Weiblichkeit zugeschrieben wird. Wie bereits erwähnt, wurde sie im späten 20. Jahrhundert von einigen Feministinnen enthusiastisch als vermeintlicher Schutzschild gegen den Vorwurf des „biologischen Determinismus“ befürwortet: die Vorstellung, dass die weibliche Anatomie das häusliche Schicksal ist.
- GENDER4: Eine verkürzte Version des Begriffs „Genderidentität“. Eine gängige Vorstellung von Genderidentität ist, dass es sich um die „private Erfahrung der Geschlechterrolle“ handelt – grob gesagt, ob man sich psychologisch als Junge oder Mann, Mädchen oder Frau oder keines von beiden sieht, und zwar in einer Weise, die nichts direkt mit dem Geschlecht zu tun hat.
Sebastian Schnelle erläutert die 4 Gender-Definitionen etwas ausführlicher in seinem Vorpolitisch-Podcast
Genderdysphorie (GD) / Geschlechtsdysphorie
Dysphorie – griech. Unbehagen, Gegenteil von Euphorie.
Genderdysphorie wird auch als „krankheitswertige Form der Genderinkongruenz“ bezeichnet.
Genderdysphorie – die Diskrepanz zwischen dem gefühlten Gender und den primären oder sekundären Geschlechtsmerkmalen kann ein Stressfaktor sein und Leidensdruck erzeugen. Genderdysphorie ist eine diagnostische Kategorie im DSM-5
Die Diagnose nach DSM-5 und DSM-5-TR ist grundsätzlich inkohärent und nicht falsifizierbar. Die Diagnose definiert Geschlecht und Gender unterschiedlich, verwendet die Begriffe jedoch synonym. Die Diagnosekriterien pathologisieren unnötigerweise natürlich vorkommende gender-non-konforme Zustände und suggerieren, dass die Nichtkonformität mit Genderstereotypen ein Symptom für eine behandlungsbedürftige Erkrankung sein könnte.
In der breiteren umgangssprachlichen Diskussion könnte der Begriff „genderbezogene Notlage" sinnvoll sein.
Genderdysphorie – Subtypen
Im Allgemeinen werden die Subtypen von Gender Dysphorie nach dem Zeitpunkt des Auftretens differenziert: früh in der Kindheit, zu Beginn oder während der Pubertät, im Erwachsenenalter. Die einzelnen Subtypen unterscheiden sich außerdem deutlich durch weitere Merkmale. (Quelle u. a.: genderdysphoriaalliance.com
Debbie Hayton, transidentifizierter Mann, merkte zu den verschiedenen Subtypen an:
„I don’t think there’s anything to connect, for example, middle aged men who are desperate to become women with teenage girls who are desperate to escape from becoming women, I think those are two different conditions, totally different. But because we apply the same term, gender dysphoria, it’s conflated the two. And I think that’s unfortunate.” (D. Hayton, Quillette, 07.05.2024
Ein inneres Gefühl für das eigene Geschlecht, das mit dem biologischen Geschlecht übereinstimmen kann, aber nicht muss. Stellen Sie sicher, dass Sie nicht davon ausgehen können, dass jeder Mensch eine Gender-Identität hat oder etwas mit diesem Begriff anfangen kann, da viele Menschen diese Vorstellung für sich selbst nicht teilen. Menschen, die keine Geschlechtsirritation empfinden, sagen über sich in der Regel, dass sie eine Frau bzw. ein Mann sind, und nicht, dass sie sich „als Frau oder Mann fühlen”.
Genderidentität bezieht sich auf kulturell geprägte, gesellschaftliche Erwartungen an Verhalten, Fähigkeiten und Aussehen, die auf maskulinen oder femininen Stereotypen beruhen.
Vieles, was heute unter Genderidentität gefasst wird, kann auch mit Begriffen wie Persönlichkeit (Temperament und Charakter) beschrieben werden und hat keinen unmittelbaren Bezug zum Geschlecht.
The Origin of “Gender Identity”, Alex Byrne, 05.06.2023
Genderidentität wird auch als Selbstidentifizierung des Geschlechts bezeichnet, Genderidentität ist das Geschlecht, für das man sich hält.
Genderidentität spiegelt „subjektive Gefühle wider, die von der Wissenschaft nicht definiert, gemessen oder überprüft werden können.“ (James M. Cantor)
Der Begriff „Genderidentität" ist mittlerweile sehr umstritten. Während er historisch gesehen verwendet wurde, um das Bewusstsein einer Person zu bezeichnen, entweder zum männlichen oder zum weiblichen Geschlecht zu gehören, hat er heute verschiedene andere Konnotationen.
Einige Menschen glauben, dass die Genderidentität angeboren und universell ist, ein inneres Gefühl, entweder männlich, weiblich oder etwas anderes zu sein (wie nicht-binär, gender-fluid), das jeder Mensch erlebt und das im Widerspruch zum äußeren Erscheinungsbild des geschlechtlichen Körpers einer Person stehen kann. Nach dieser Weltanschauung ist die Genderidentität selbstidentifiziert, was bedeutet, dass sie nicht aus dem äußeren Erscheinungsbild einer Person abgeleitet oder objektiv überprüft werden kann, sondern allein durch die Selbstdeklaration der Person. In einigen Darstellungen wird die Genderidentität als eine feste Eigenschaft dargestellt, die sich nicht verändert, während sie in anderen als flexibel oder „fluid” angesehen wird, die sich in verschiedenen Kontexten und im Laufe der Zeit verändert.
Die Genderidentität kann nicht durch objektive wissenschaftliche Methoden überprüft werden, und die Befürworter dieser Ansicht tun sich noch immer schwer, eine objektive Definition des Begriffs zu finden. Ein repräsentatives Beispiel dafür liefert Jack Turban, Gründungsdirektor des Gender Psychiatry Program an der University of California San Francisco, in seinem Buch Free to Be, in dem er sagt, dass Genderidentität als „das transzendente Geschlechtsgefühl einer Person” definiert wird. In ähnlicher Weise definiert die World Professional Association for Transgender Health Standards of Care 8 Genderidentität als „das tief empfundene, innere, intrinsische Gefühl einer Person für ihr eigenes Geschlecht”.
Kritiker haben darauf hingewiesen, dass diese Definitionen zirkulär sind und nicht definieren, was mit dem Begriff „Gender“ gemeint ist, der selbst umstritten ist (siehe: Gender). Einige Menschen glauben, dass „Gender“ sich lediglich auf geschlechterbezogene Stereotypen bezieht, und stellen die Notwendigkeit eines Begriffs infrage, der die Einhaltung oder Nicht-Einhaltung dieser Stereotypen als angeborene „Identität“ zu positionieren scheint, insbesondere wenn diese Identität als Grundlage für radikale medizinische Eingriffe angesehen werden kann.
Der Glaube an die Genderidentitätstheorie wird manchmal mit einem religiösen Glauben verglichen, bei dem die Anhänger die Existenz einer immateriellen geschlechtlichen Seele anerkennen, die in der Realität keine physische Entsprechung hat. Obwohl der Begriff „Genderidentität“ sehr subjektiv ist und nicht genau definiert wurde, wird er oft fälschlicherweise als objektive Kategorie angesehen. Viele Menschen lehnen jedoch die Vorstellung ab, dass sie eine Genderidentität haben, die über die einfache Anerkennung ihres geschlechtlichen Körpers hinausgeht.
Gender Identity Disorder (Geschlechtsidentitätsstörung)
Ein Begriff, der im DSM-3 und DSM-4 vorkam und sich auf die Erfahrung bezieht, sich als etwas anderes als das eigene biologische Geschlecht zu identifizieren. Dieser Begriff ist heute nicht mehr gebräuchlich und sollte nur noch für Diagnosen verwendet werden, die vor der Umstellung auf „Genderdysphorie“ (DSM-5) gestellt wurden.
Genderinkongruenz heißt eine Diagnose im WHO-Diagnosekatalog ICD-11, die eine wahrgenommene ausgeprägte und anhaltende Nichtübereinstimmung („Inkongruenz“) zwischen dem erlebten Gender einer Person (soziale bzw. gesellschaftlich-kulturell geprägte Geschlechtsrollen-Erwartungen) und dem biologisch-anatomischen Geschlecht beschreibt.
In der breiteren umgangssprachlichen Diskussion kann statt Genderinkongruenz der Begriff „genderbezogene Notlage“ hilfreich sein.
Beim Update von ICD-10 zu ICD-11 erfolgte die Umbenennung von „Transsexualismus (F64.0)“ in Genderinkongruenz bei Erwachsenen (HA60) und bei Kindern von „Geschlechtsidentitätsstörung im Kindesalter (F64.2)“ in Genderinkongruenz (HA61).
Weitere Diagnosen aus ICD-10 entfallen im ICD-11 ganz:
- Transvestitismus unter Beibehaltung beider Geschlechterrollen (F64.1),
- Sonstige Störung der Geschlechtsidentität (F64.8),
- Fetischistischer Transvestitismus (F65.1),
- Sexuelle Reifungskrise (F66.0),
- Ich-dystone Sexualorientierung (F66.1) und
- Sonstige psychosexuelle Entwicklungsstörung (F66.8).
Die Diagnose Genderinkongruenz wurde außerdem vom Abschnitt „Psychische und Verhaltensstörungen” in den Abschnitt „Störungen im Zusammenhang mit der sexuellen Gesundheit” verschoben. Diese Änderung erfolgte als Reaktion auf die Entpathologisierungskampagne, die 2010 von der World Professional Association for Transgender Health ins Leben gerufen und in der argumentiert wurde, dass es beleidigend sei, genderbezogene Notlagen als psychische Erkrankung einzustufen.
Es wurde zudem argumentiert, dass die Änderung notwendig sei, um „Transgender-Personen den Zugang zu gender-affirmativer Gesundheitsversorgung zu gewährleisten”.
Gender-kritisch
Eine Sichtweise, die davon ausgeht, dass Gender(identität) eine soziale Konstruktion ist und – im Gegensatz zur Biologie, die eine objektive Realität darstellt – weder eine angeborene, wesentliche noch deterministische Eigenschaft ist.
Gender-Nonkonformität
Der Begriff wird verwendet, um Menschen zu beschreiben, deren Erscheinungsbild, Interessen oder Verhaltensweisen nicht den mit ihrem Geschlecht verbundenen Stereotypen entsprechen.
Diagnostische Kriterien für genderbezogene Störungen wie Genderdysphorie, Genderidentitätsstörung oder Genderinkongruenz positionieren Gender-Nonkonformität häufig als „Symptom” einer angeborenen Transgender-Identität, die möglicherweise eine medizinische Intervention erfordert. Dass Gender-Nonkonformität angeboren ist, wird nicht durch wissenschaftliche Forschung gestützt. Entwicklungspsychologen argumentieren, dass Gender-Nonkonformität gerade im Kindesalter ein Teil der normalen Entwicklung ist und kein Anzeichen für eine zugrunde liegende Pathologie.
Gender-Nonkonformität ist manchmal, aber nicht immer, mit gleichgeschlechtlicher Anziehung im Erwachsenenalter verbunden. In ähnlicher Weise wurde festgestellt, dass Menschen mit Autismus überproportional häufig gender-non-konforme Vorlieben und Verhaltensweisen zeigen. Sowohl Menschen, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen, als auch Menschen mit einer Autismusdiagnose sind in der Gruppe der Menschen, die eine Transgender-Identität medizinisch behandeln lassen wollen, überproportional vertreten. Dies lässt vermuten, dass das Modell der gender-affirmativen Versorgung die natürlich vorkommende gender-non-konforme Gender-Nonkonformität unnötig medikalisiert.
Genderunsicherheit
Als „genderunsicher" werden Menschen bezeichnet, die ihre Identität in Bezug auf das Geschlecht infrage stellen oder diese auf andere Weise erforschen.
Junge Menschen, die mit einer Transgender-Identität experimentieren, sollten eher als genderunsicher bezeichnet werden, statt als „Trans-Kinder” oder „Transgender”, da diese beiden Begriffe eine feste, angeborene Identität implizieren, die für junge Menschen, deren Identitätsbildung noch im Fluss ist oder die sich ggf. noch ändert, unangemessen sind.
Geschlecht
Das System, mit dem Menschen auf der Grundlage ihrer Fortpflanzungsfunktionen und körperlichen Merkmale wie Chromosomen und Hormone als männlich oder weiblich eingestuft werden.
► Geschlecht (Definition von Prof. Uwe Steinhoff)
Der Duden definiert dem allgemeinen Sprachgebrauch folgend Frauen als erwachsene Personen weiblichen Geschlechts. Des Weiteren ist demselben Duden zufolge das weibliche Geschlecht das „gebärende Geschlecht“ und das männliche das „zeugende, befruchtende Geschlecht“. Die Biologie fasst dies noch genauer und definiert Geschlecht als Entwicklungsrichtung eines Organismus hin auf die Produktion einer bestimmten Art von anisogametischen (ungleichartigen) Keimzellen. Die Rede von der „Richtung“ trägt dabei dem Umstand Rechnung, dass aus verschiedenen Gründen (Prepubertät, Menopause, Entwicklungs- oder Funktionsstörungen) nicht jedes Individuum eines Geschlechts auch tatsächlich die entsprechenden Keimzellen produzieren wird – die bloße Ausrichtung auf deren Produktion genügt. Es gibt genau zwei Keimzellenarten: große, nährstoffreiche (Eizellen) und kleine, bewegliche (Spermien). Mithin gibt es 2 Geschlechter, weiblich und männlich. Frauen sind folglich erwachsene Menschen, deren Körper Entwicklungsschritte zur Produktion von Eizellen aufweisen. Bei Männern sind es Spermien.
Gehirnstrukturen, Verhaltensweisen, sexuelle Orientierung, Aussehen, Hormone und selbst Chromosomensätze (die Gleichung „Wesen mit XX-Chromosomen = weibliches Wesen“ ist falsch) liegen hingegen der biologischen Unterscheidung von weiblichen und männlichen Organismen ausdrücklich nicht zugrunde. Daher sprechen die eingebildeten oder tatsächlichen Varianzen oder Spektrumhaftigkeiten jener nicht gegen den binären Charakter dieser. Verschiedene Chromosomensätze und hormonale Einflüsse etwa sind lediglich ein Mechanismus, welcher in Organismen die Entwicklung in Richtung der Produktion von kleinen oder großen Keimzellen verursacht, aber es ist diese gerichtete Entwicklung selbst, welche das Geschlecht definiert, nicht der sie verursachende Mechanismus (der zwischen verschiedenen Arten erheblich differieren kann und innerartlich nicht in jedem individuellen Fall denselben Effekt zeitigt). Dies bedeutet auch, dass Individuen mit biologischen Störungen der sexuellen Entwicklung (sogenannte Intersexualität) in keiner Weise den geschlechtlichen Dualismus infrage stellen. Sie lassen sich meist eindeutig dem einen oder dem anderen Geschlecht zuordnen und immer eindeutig keinem dritten, da es keinen dritten Keimzellentyp gibt.
Geschlechtsangleichung
Dieser Begriff sich auf alle hormonellen oder chirurgischen Eingriffe, die im Rahmen der medizinischen Transition vorgenommen werden. Im Englischen wird oft SRS – Sex reassignment surgery verwendet.
Es handelt sich um radikale Körpermodifikationsverfahren, die im Rahmen einer medizinischen Transition durchgeführt werden. Sie umfassen Genitaloperationen wie Vaginoplastik und Phalloplastik sowie andere Verfahren zur Veränderung des Aussehens sekundärer Geschlechtsmerkmale, wie z. B. Mastektomie und Gesichtsfeminisierungsoperationen.
Obwohl diese Verfahren in der Regel darauf abzielen, transitionierende Menschen kosmetisch dem anderen Geschlecht anzunähern (z. B. durch Brustimplantate bei einem transidentifizierten Mann oder eine Mastektomie bei einer transidentifizierten Frau), bieten Kliniker zunehmend auch Eingriffe an, die darauf abzielen, neue Genderidentitäten zu bestätigen, die weder männlich noch weiblich sind. Dazu gehören sog. Nullifikationsoperationen für Menschen, die sich als nicht-binär identifizieren und ihre äußeren Genitalien vollständig entfernen lassen möchten, sowie phallusbewahrende Vaginoplastiken, bei denen transidentifizierten Männern eine künstliche Vagina geschaffen wird, während ihr Penis erhalten bleibt.
Geschlechtsangleichende Körpermodifikationsoperationen aller Art beeinträchtigen die gesunde Sexualfunktion und zerstören die Fruchtbarkeit. Diese Eingriffe weisen sehr hohe Komplikationsraten auf und es wurde nie nachgewiesen, dass sie das psychische Wohlbefinden oder die psychosoziale Funktionsfähigkeit von Trans-Personen langfristig verbessern. Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Trans-Personen, die sich einer medizinischen Transition unterzogen haben, häufiger unter negativen Folgen wie Angstzuständen, Depressionen, Drogenmissbrauch und Suizid leiden.
Manche Menschen lehnen Begriffe wie „Geschlechtsumwandlung/-angleichung" ab, weil sie implizieren, dass es möglich wäre, das biologische Geschlecht einer Person zu ändern.
Gender-affirming” – „Gender-bestätigend"
Eine Art der Beschreibung von Verfahren zur Geschlechtsangleichung. Dieser Begriff impliziert, dass medizinische Eingriffe das einzige Mittel sind, mit dem Menschen, die unter Geschlechtsinkongruenz oder Genderdysphorie leiden, diese Gefühle behandeln können.
Gender-questioning / Gender-in-Frage-stellend
Beschreibt jemanden, der Fragen über seine eigene Genderidentität stellt oder sie auf andere Weise erforscht. Es empfiehlt sich, diesen Begriff anstelle von „Trans" oder „Transgender“ für Personen unter 25 Jahren zu verwenden, deren Identität sich noch in der Entwicklungsphase befindet.
Grooming
Das Wort Grooming bedeutet ursprünglich das Striegeln eines Pferdes, um es vorzubereiten, geritten zu werden.
Wikipedia: „Als Grooming wird die gezielte Kontaktaufnahme Erwachsener mit Minderjährigen in Missbrauchsabsicht bezeichnet, indem stufenweise ihr Vertrauen erschlichen wird. Den potenziellen Opfern wird zunächst geschmeichelt oder es werden ihnen Geschenke gemacht, um ihr Vertrauen zu erlangen."
Heterosexualität
Eine sexuelle Orientierung, die ein Muster romantischer und sexueller Anziehung zu Menschen des anderen Geschlechts beschreibt, z. B. Männer, die sich zu Frauen hingezogen fühlen, oder Frauen, die sich zu Männern hingezogen fühlen.
Einige Menschen argumentieren, dass sexuelle Orientierung eher anhand der selbst identifizierten Genderidentität als anhand des biologischen Geschlechts definiert werden sollte. Das würde bedeuten, dass 2 biologische Männer in einer homosexuellen Beziehung als heterosexuell definiert werden könnten, wenn sich einer von ihnen selbst als weiblich identifiziert.
Viele Menschen lehnen diese Neudefinition der sexuellen Orientierung jedoch ab und behaupten, dass die Frage, zu wem eine Person romantische und sexuelle Anziehung empfindet, überwiegend durch das biologische Geschlecht und nicht durch die Genderidentität bestimmt wird. Daher muss manchmal geklärt werden, was unter „heterosexuell" verstanden wird.
Homosexualität
Mit diesem Begriff wird die sexuelle Orientierung von Männern beschrieben, die sich romantisch und sexuell zu anderen Männern hingezogen fühlen.
Neuerdings argumentieren einige Menschen, dass die sexuelle Orientierung eher anhand der selbstidentifizierten Genderidentität als anhand des biologischen Geschlechts zu definieren sei. Diese Ansicht wird von den meisten homosexuellen und lesbischen Menschen abgelehnt.
Körperdysphorie
Körperdysphorie bezieht sich auf eine starke Unzufriedenheit oder ein Unbehagen mit dem eigenen Körper. Obwohl es sich nicht um eine formale klinische Diagnose handelt, taucht der Begriff häufig in Diskussionen über Genderdysphorie, Körperbildprobleme und Essstörungen auf.
Iatrogenese
„Als iatrogen (altgriechisch ἰατρός iatros, deutsch ‚Arzt‘ und γένεσις genesis, deutsch ‚Entstehung‘, also ‚vom Arzt erzeugt‘) werden Krankheitsbilder bezeichnet, die durch ärztliche Maßnahmen verursacht oder verschlimmert wurden, unabhängig davon, ob sie nach Stand der ärztlichen Kunst vermeidbar oder unvermeidbar waren.“ (Wikipedia)
So wird etwa die Verwendung von Pubertätsblockern zur „Behandlung" von Genderdysphorie als iatrogen bezeichnet, da sie in der Praxis eine Garantie ist, für das Fortbestehen des Ausgangszustands und zudem in der Regel zu extremen und risikoreicheren Arten von Eingriffen führt.
Intersexualität
Ein Oberbegriff für die mehr als 40 verschiedenen Erkrankungen, bei denen die sexuelle Entwicklung nicht starr dem typischen männlichen oder weiblichen Weg folgt. Da dieser Begriff in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen ist, kann es gelegentlich notwendig sein, ihn zu verwenden. Da viele Menschen den Begriff „Intersexualität“ als zweideutig oder umstritten empfinden, empfiehlt es sich, den Begriff „DSD“ in Klammern dahinterzusetzen, s. auch DSDs.
► Intersex/DSD (Definition von Dr. Alexander Korte)
Unter „Varianten (Störungen!) der Geschlechtsentwicklung“ (Synonym: Disorder of Sex Development (DSD), früher: „Intersex-Syndrom“) werden angeborene Variationen der genetischen, hormonalen, gonadalen und genitalen Anlagen eines Menschen verstanden, infolge derer das Geschlecht der betroffenen Person vermeintlich (!) nicht mehr eindeutig den biologischen Kategorien „männlich“ oder „weiblich“ zugeordnet werden kann. Ob intersexuelle Frauen schwanger werden können, hängt sehr von dem konkreten Intersex-Syndrom ab. Es gibt Intersex-Konstellationen, da ist es völlig ausgeschlossen, und andere – wie z. B. AGS – können durchaus schwanger werden. Bisweilen assistiert durch reproduktionsmedizinische Maßnahmen, aber sie können gesunde Kinder zur Welt bringen.
Kognitive Dissonanz
Dieser Begriff bezeichnet in der Psychologie einen kognitiven Zustand, der durch zwei oder mehrere sich widersprechende, konkurrierende Denkinhalte gekennzeichnet ist.
In seinem Modell der kognitiven Dissonanz beschreibt Leon Festinger, dass Menschen nach einer inneren „Konsistenz" streben. Wenn eine Inkonsistenz (=kognitive Dissonanz) auftritt, kommt es zu Unsicherheit und Stress. Betroffene versuchen, Situationen, die diese Inkonsistenz auslösen, zu vermeiden.
Wenn jemand gesundheitsgefährdendes Verhalten aufrechterhält, obwohl ihm klar ist, dass es schädlich ist, spricht man von kognitiver Dissonanz. Beispiel: Raucher wissen, dass Zigarettenkonsum gesundheitsschädlich ist. Sie begegnen diesem Widerspruch z. B. mit der scheinbaren Erklärung, dass Rauchen sie entspannt, und versuchen damit, das ungesunde Verhalten zu rechtfertigen. (Quelle: Doccheck)
Lesbisch
Ein Begriff, der verwendet wird, um die sexuelle Orientierung von Frauen zu beschreiben, die sich romantisch und sexuell zu anderen Frauen hingezogen fühlen.
Einige Menschen argumentieren, dass sexuelle Orientierung eher anhand der selbst identifizierten Genderidentität als anhand des biologischen Geschlechts definiert werden sollte. Das würde bedeuten, dass ein biologischer Mann in einer Beziehung mit einer biologischen Frau dennoch als lesbisch definiert werden könnte, wenn er sich selbst als Frau identifiziert.
Viele Menschen lehnen diese Neudefinition der sexuellen Orientierung jedoch ab und behaupten, dass die Frage, zu wem wir romantische und sexuelle Anziehung empfinden, überwiegend durch das biologische Geschlecht und nicht durch die Genderidentität bestimmt wird. Daher muss manchmal geklärt werden, was unter „heterosexuell" verstanden wird.
LGB
Ein Akronym, das für gleichgeschlechtlich orientierte Menschen (d. h. Lesben, schwule und bisexuelle Frauen und Männer) steht.
LGB&T (oder LGB&TQ, LGB&TI, etc.)
Ein Akronym für die Inklusion gleichgeschlechtlich orientierter Menschen (d. h. Lesben, schwule und bisexuelle Frauen und Männer), verschiedene Transgender-Identitäten – und in einigen Varianten auch anderer Gruppen, wie Menschen mit DSD oder „queeren“ Menschen.
Solche Buchstabenkombinationen sind problematisch, weil damit sexuelle Orientierung mit selbst identifiziertem Geschlecht und Unterschieden in der Geschlechtsentwicklung (DSDs) unzweckmäßig vermischt werden. Die entsprechenden Gruppen sehen sich nicht immer als Teil dieser Gemeinschaft und ziehen es zum Teil vor, sich davon abzugrenzen. Der Begriff „queer" ist aufgrund seiner unzureichenden Definition besonders fraglich.
Männlichkeit / männlich
Mit diesem Begriff werden die stereotypen Rollen, Verhaltensweisen und/oder Darstellungen bezeichnet, die mit dem männlichen Geschlecht assoziiert werden.
Die Meinungen darüber, ob Stereotypen der Männlichkeit, wie beispielsweise die Überzeugung, dass Männer selbstbewusster und wettbewerbsorientierter sind als Frauen, vollständig sozial konstruiert sind oder eine angeborene Eigenschaft der unterschiedlichen Fortpflanzungsstrategien des männlichen und weiblichen Geschlechts darstellen, gehen auseinander. Es ist wahrscheinlich, dass es sich um eine Kombination aus beidem handelt.
Bezeichnung für eine Reihe von medizinischen Eingriffen, die transidentifizierte Menschen durchführen lassen können, um dem Phänotyp des anderen Geschlecht näher zu kommen. Dazu gehören Pubertätsblocker, Cross-Sex-Hormone und geschlechtsangleichende chirurgische Maßnahmen,
Misgendering
Die Verwendung eines Pronomens, das nicht dem Geschlecht entspricht, mit dem sich die Person identifiziert. Zum Beispiel die Verwendung von „er” für einen transidentifizierten Mann („Transfrau"), die sich selbst als Frau identifiziert.
Nicht-binär oder non-binär
Eine Genderidentität, bei der das Selbstverständnis einer Person weder männlich noch weiblich ist.
Passing
Eine transidentifizierte Person gilt als „passend”, wenn ihre äußerliche Ähnlichkeit mit dem anderen Geschlecht so groß ist, dass sie nicht leicht als Person ihres biologischen Geschlechts erkannt wird.
Plötzlich einsetzende Genderdysphorie (ROGD)
Beschreibt ein relativ neues Phänomen, bei dem Jugendliche (zum größten Teil Mädchen) eine stark erhöhte Rate an Genderdysphorie erleben, die durch den Einfluss von Gleichaltrigen vermittelt wird und mit einem hohen Maß an begleitenden psychischen Erkrankungen einhergeht.
► ROGD (Erklärung von parentsofrogdkids)
Dr. Littman hat eine neue Population von Personen mit Genderdysphorie (GD) identifiziert, die sich deutlich von der unterscheidet, die in früheren Untersuchungen über GD beschrieben wurde, die überwiegend männlich war. Diese neue Population besteht überwiegend aus weiblichen Teenagern und jungen Erwachsenen:
- die in der Kindheit nie Anzeichen von Genderdysphorie zeigten,
- deren Genderdysphorie plötzlich auftrat und unmittelbar von Forderungen nach sozialer und medizinischer Transition gefolgt wurde,
- die eine Vorgeschichte von emotionalen Problemen, Autismus-Spektrum-Störung, ADHS, Schwierigkeiten mit der Sozialisation und/oder körperlichen oder emotionalen Traumata vor dem Beginn ihrer Genderdysphorie haben,
- die übermäßig viel Zeit im Internet verbringen, und
- die oft Freunde haben, entweder persönlich oder online, die sich plötzlich etwa zur gleichen Zeit für eine Umstellung entschieden haben.
Eine schnell einsetzende Genderdysphorie kann einer Anorexie ähneln.
Dr. Littman geht davon aus, dass ROGD einige Ähnlichkeiten mit Anorexie aufweisen könnte, und die Merkmale, die weibliche Heranwachsende anfälliger für Anorexie machen, dieselben Merkmale sein könnten, die auch bei ROGD eine Rolle spielen.
Ihre Feststellung, dass die Transgender-Identifikation häufig bei Clusterausbrüchen in Freundesgruppen auftrat – mit einer bis zu 70-fachen Prävalenzrate –, legt die Möglichkeit nahe, dass soziale und Peer-Ansteckungen bei der Entwicklung von ROGD in ähnlicher Weise wie bei Magersüchtigen am Werk sein könnten und andere Populationen mit Essstörungen.
► ROGD (aus dem Interview mit L. Littman)
"Diese Forschung untersucht anhand von Elternberichten ein Phänomen, bei dem sich Teenager und junge Erwachsene, die in ihrer Kindheit keine Anzeichen von Geschlechterfragen zeigten, plötzlich als Transgender zu identifizieren schienen. Diese neue Identifizierung schien entweder im Kontext der Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Freunden [in der] mehrere – oder sogar alle – Mitglieder etwa zur gleichen Zeit transgender-identifiziert wurden, oder durch das Eintauchen in soziale Medien oder beides zu erfolgen.
Die Ergebnisse der Forschung stützen die Hypothesen, dass das, was ich beschrieben habe, eine neue Art von Genderdysphorie (die als Plötzlich einsetzbare Genderdysphorie [ROGD] bezeichnet wird) darstellen könnte; dass für einige Teenager und junge Erwachsene ihre Genderdysphorie einen unangepassten Bewältigungsmechanismus darstellen könnte; und dass Peer- und soziale Einflüsse zur Entwicklung von Genderdysphorie beitragen könnten. Es muss mehr Forschung betrieben werden, um diese Hypothesen zu bestätigen oder zu widerlegen."
Während die ROGD-Hypothese oft zur Argumentation verwendet wird, dass die steigende Zahl der Transgender-Identifikationen zumindest teilweise auf soziale Ansteckung zurückzuführen ist, lehnen Transaktivisten diese Ansicht entschieden ab.
Pubertätsblocker
Pubertätsblocker sind Medikamente, die als Gonadotropin-Releasing-Hormon(GnRH)-Analoga bekannt sind und die die natürliche Produktion von Sexualhormonen unterdrücken. GnRH-Analoga sind starke Medikamente, die in der Vergangenheit zur Behandlung einiger Krebsarten und zur chemischen Kastration von Sexualstraftätern eingesetzt wurden. Sie werden auch zur Behandlung der vorzeitigen Pubertät eingesetzt, einer Erkrankung, bei der vorpubertäre Kinder vorzeitige pubertäre Veränderungen durchlaufen, die dauerhafte negative Folgen für ihre Gesundheit haben können.
Seit den 1990er Jahren werden GnRH-Analoga auch eingesetzt, um die natürlich zeitlich abgestimmte, gesunde Pubertät von jungen Menschen mit genderbezogenen Notlagen zu stoppen.
Die Begründung für die Blockierung der Pubertät von jungen Menschen mit Gender-Notlage ist zunehmend unklar geworden. Es gibt keine Belege dafür, dass eine Pubertätsblockade die psychische Gesundheit verbessert oder die Symptome genderbezogener Notlagen lindert. Einige argumentieren, dass Pubertätsblocker die Entwicklung sekundärer Geschlechtsmerkmale verhindern und dadurch jungen Menschen (insbesondere ♂) helfen, sich im Erwachsenenalter besser als das andere Geschlecht zu präsentieren (►Passing). Kritiker von Pubertätsblockern glauben nicht, dass chemische Kastrationsmittel ethisch vertretbar bei Kindern eingesetzt werden können, nur um subjektive kosmetische Ergebnisse zu erzielen.
Ein weiterer vorgeschlagener Grund ist, dass Pubertätsblocker Kindern „Zeit zum Nachdenken” geben. Allerdings scheint die Pubertätsblockade den Verlauf genderbezogener Notlagen radikal zu verändern und eine natürliche Remission zu verhindern. Während die Mehrheit der gender-gestressten Jugendlichen ohne medizinische Intervention bis zum Erwachsensein mit ihrem biologischen Geschlecht zurechtkommt, nehmen fast 100 % der Kinder, die Pubertätsblocker einnehmen, später sterilisierende CSH ein.
In Anerkennung der gut dokumentierten physischen, kognitiven und psychischen Schäden, die durch Pubertätsblocker verursacht werden, verbieten viele Länder mittlerweile deren Verwendung zur Behandlung genderbezogener Notlagen während der natürlichen Pubertät.
Queer
„Queer" ist ein schillernder Begriff, der für vieles stehen kann. Menschen, die sich als queer identifizieren, scheinen den Begriff manchmal eher zu verwenden, um eine politische Zugehörigkeit oder Neigung zu signalisieren, als um eine bestimmte sexuelle Orientierung oder Transgender-Identität zu bezeichnen.
Manche gleichgeschlechtlich orientierte Menschen empfinden „queer" als beleidigend.
Die Queer-Theorie konzentriert sich darauf, normative Annahmen zu unterbrechen oder umzukehren, einschließlich der Vorstellung, dass männlich und weiblich binäre biologische Kategorien sind. Die Queer-Theorie räumt im Allgemeinen dem Gender (siehe: Gender) Vorrang ein, das sie als eine Form der performativen Selbstdarstellung charakterisiert. Etwas zu „queeren” bedeutet, die Annahmen, auf denen es basiert, infrage zu stellen oder umzukehren. Die von der Queer-Theorie vertretenen gegen-normativen Ansichten und Lebensweisen können ziemlich extrem sein. Einige Queer-Theoretiker haben beispielsweise versucht, die Annahme, dass Kinder sexuellen Handlungen nicht zustimmen können, zu „queeren”.
Sexuelle Orientierung
Die sexuelle Orientierung beschreibt ein dauerhaftes Muster romantischer oder sexueller Anziehung zu Personen des anderen Geschlechts, des gleichen Geschlechts, zu beiden oder zu keinem der beiden Geschlechter, z. B. heterosexuell, homosexuell, lesbisch, schwul, bisexuell, asexuell.
Soziale Transition
Der Prozess der Änderung des Namens, der Aufforderung an andere, andere Pronomen für die Anrede zu verwenden, oder der Änderung von Aspekten des Aussehens (z. B. Kleidung, Frisur, Körperhaltung), aber auch veränderte Eigenheiten, Interessen, Tonfall etc., um sich als das andere Geschlecht oder als eine neue selbst identifizierte Genderidentität wie nicht-binär (siehe: Nicht-binär) zu präsentieren und als solche anerkannt zu werden.
Zur sozialen Transition werden irrtümlicherweise oft auch Eingriffe gerechnet, wie z. B. Brustabbinden und Penisverstecken. Brustbinding und Tucking sollten eher zur medizinischen Transition zählen, da sie zu körperlichen und teilweise irreversiblen Schäden führen können.
Insbesondere wenn sie in der frühen Kindheit durchgeführt wird, ist die soziale Transition stark mit anhaltenden genderbezogenen Notlagen und einer höheren Wahrscheinlichkeit einer medizinischen Transition verbunden. Die soziale Transition ist eine wirkungsvolle psychologische Intervention, die den Verlauf von genderbezogenen Notlagen verändern kann.
Tannerstadien
Die Tannerstadien dienen der Einteilung der physischen Entwicklung des Menschen während der Pubertät in verschiedene Stufen, gemessen an externen primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen. Das sind insbesondere die weibliche Brust, die Geschlechtsorgane und die Entwicklung des Schamhaarwuchses. Mehr unter dewiki
Trans
Ein Sammelbegriff für Transgender und transsexuelle Menschen. Da dieser Begriff nicht eindeutig ist, raten wir davon ab, ihn für junge Menschen (unter 25 Jahren) zu verwenden, deren Identität sich noch in der Entwicklung befindet.
Transfrau
Begriff, der verwendet wird, um eine Person mit bei der Geburt als männlich festgestelltem Geschlecht zu beschreiben, die sich selbst als etwas anderes als ihr Geburtsgeschlecht identifiziert bzw. sich wünscht, eine Frau zu sein. Manche transidentifizierten Männer unterziehen sich medizinischen Eingriffen, um weiblich zu erscheinen,
„Bearing XY chromosomes, a ‘trans woman’ is male down to each individual cell. However carved up, he cannot give birth or nurse; he doesn’t menstruate or go through menopause. His ‘transition’ is ornamental. Her transition is grammatical.“ L. Shriver, Spectator, 06.08.2022
Statt „Transfrau“ kann der treffendere Begriff „transidentifizierter Mann" verwendet werden, da er Klarheit über das Geschlecht der transidentifizierten Person schafft.
Trans-Kind / Trans-Kinder
Die Verwendung dieses Begriffs ist sehr problematisch, da er die Identität eines jungen Menschen konkretisiert bzw. festschreibt, während sich diese Identität noch in einem Entwicklungsstadium befindet. Es empfiehlt sich, stattdessen Formulierungen zu verwenden, wie „ein Kind, das sein Geschlecht/Gender infrage stellt“, „ein genderunsicheres Kind“ oder „ein Kind, das sich einer medizinischen Transition unterzogen hat“, je nachdem, was der Fall ist.
Transgender
„Transgender" ist ein Oberbegriff für Menschen, die sich selbst als etwas anderes als ihr biologisches Geschlecht identifizieren, z. B. Männer, die sich als Frauen identifizieren und umgekehrt sowie Menschen beider Geschlechter, die sich mit einer neuen Genderidentität identifizieren, wie beispielsweise nicht-binär oder genderfluid. Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, was der Begriff „Transgender" bedeutet, auch unter den Trans-Identifizierten selbst.
Diejenigen, die an das Konzept der Genderidentität glauben (siehe: Genderidentität), betrachten „Transgender“ möglicherweise als einen Begriff für Menschen, deren selbstwahrgenommene innere Genderidentität sich von ihrem biologischen Geschlecht unterscheidet. Da die Genderidentität selbst deklariert wird, bedeutet dies effektiv, dass der Begriff „Transgender" jeden beschreibt, der sich selbst als solcher identifiziert. Menschen, die nicht an „Genderidentität“ glauben, könnten einwenden, dass diese Definition zu subjektiv ist, um aussagekräftig oder nützlich zu sein.
Der Begriff „Transgender" umfasst Menschen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Überzeugungen, darunter z. B. diejenigen, die lediglich eine Selbsterklärung abgegeben haben, diejenigen, die sozial transitioniert haben, und diejenigen, die eine medizinische Transition abgeschlossen haben.
Es empfiehlt sich, die Verwendung des Begriffs „Transgender” zu vermeiden, da er zu vage geworden ist. Stattdessen gibt es spezifischere Begriffe wie „transidentifizierte Frau”, „transidentifizierter Mann“, „medizinisch transitioniert” oder „sozial transitioniert”. Der Begriff „Transgender“ sollte gar nicht für Kinder, Teens und Twens verwendet werden, da sie sich in einer noch nicht abgeschlossenen Phase der Identitätsentwicklung befinden.
► Transgender/Transidentität (Einordnung von Dr. Alexander Korte)
Das sind keine wissenschaftlich-medizinischen Begriffe, sondern Termini, die einem szenespezifischen Alltagsdiskurs entnommen sind. All diese Bezeichnungen sind Umschreibungen einer legitimen Selbstkategorisierung. Als medizinisch-diagnostische Kategorien zur Benennung eines krankhaften Zustands eignen sie sich durch die fehlende eindeutige Verknüpfbarkeit mit den diagnostischen Klassifikationssystemen jedoch nicht.
Transgender-Ideologie
Eine Weltanschauung, die davon ausgeht, dass die selbst identifizierte Genderidentität wichtiger ist als das biologische Geschlecht und in politischen Fragen, z. B. bei geschlechtergetrennten Räumen, Vorrang haben sollte. Befürworter der Gender-Identitäts-Ideologie setzen sich in der Regel für einen uneingeschränkten Zugang zu medizinischen Transition-Verfahren ein und bezeichnen Vorsicht in diesem Bereich oft als „Gatekeeping“ bzw. „Transphobie“.
Die Weltanschauung enthält vor allem folgende Prämissen:
- Menschen können im „falschen“ Körper geboren worden sein bzw. im „Geschlecht sein“.
- Das Geschlecht kann gewechselt werden.
Transition
Der Prozess der Veränderung des Aussehens, des Namens/der Pronomen, der Verhaltensweisen und/oder der sekundären Geschlechtsmerkmale einer Person, um eher wie das Geschlecht zu erscheinen, mit dem sie sich identifiziert. Die Transition kann sozialer, rechtlicher und/oder medizinischer Art sein. Die einzelnen Schritte einer Transition sind oft nicht unabhängig voneinander, jeder Schritt stellt Weichen für weitere oder bedingt sogar den nächsten.
Transmann
Der Begriff „Transmann“ wird verwendet, um eine Person mit bei der Geburt als weiblich festgestelltem Geschlecht zu beschreiben, die sich selbst als etwas anderes als ihr Geburtsgeschlecht identifiziert bzw. sich wünscht, ein Mann zu sein. Manche transidentifizierten Frauen unterziehen sich medizinischen Eingriffen, um männlich zu erscheinen,
Statt „Transmann“ kann der treffendere Begriff „transidentifizierte Frau" verwendet werden, da er Klarheit über das Geschlecht der transidentifizierten Person schafft.
Transsexuell
Ein Begriff, der eine Person beschreibt, die sich einer medizinischen Transition unterzogen hat (Hormone und/oder Operationen), um dem anderen Geschlecht ähnlicher zu erscheinen, außerdem sozial und rechtlich transitioniert ist.
Historisch gesehen ist es ein klinischer Begriff. In den vergangenen Jahren wurde der Begriff zugunsten des nicht-klinischen Sammel-Begriffs „Transgender” verdrängt, „transsexuell” wird manchmal als beleidigend empfunden.
► Transsexualität/Geschlechtsdysphorie (Definition von Dr. Alexander Korte)
Menschen mit Transsexualität oder Geschlechtsdysphorie hingegen leiden unter dem Gefühl der Nicht-Zugehörigkeit zu ihrem körperlich eindeutigem Geschlecht sowie den gesellschaftlichen Rollenerwartungen; es geht also um ein (rein) subjektives Inkongruenz-Erleben zwischen genderbezogenem Empfinden (Gender Identity) und gegebenem biologischem Geschlecht (engl. sex). Geht dies mit einem klinisch signifikanten Leidensdruck und einer Beeinträchtigung im Alltag/ Lebensvollzug einher, ist die korrekte Bezeichnung Geschlechtsdysphorie. Ärzte/Psychologen verwenden heute fachlich korrekt den Begriff (Körper-)Geschlechts-Inkongruenz, und das beschreibt die erlebte Diskrepanz zwischen dem genderbezogenen Identitätsgefühl einer Person einerseits und deren körperlich-biologischer Geschlechtszugehörigkeit andererseits. Transsexualität bezeichnet eine überdauernde Geschlechtsdysphorie extremer Ausprägung, bei der die Betroffenen dauerhaft nicht in der Lage sind, sich mit ihrem Geschlechtskörper auszusöhnen; ausschließlich in diesem Fall besteht auch die Indikation zur Durchführung hormoneller und gegebenenfalls auch operativer Behandlungen.
in Anlehnung an Korte, Siegel, Beier - DGSMTW
► ICD-10-GM Version 2024, Kapitel V F64 + F66
Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
Aus Kapitel V Psychische und Verhaltensstörungen (F00-F99)
F64 – Störungen der Geschlechtsidentität
Der Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechts zu leben und anerkannt zu werden. Dieser geht meist mit Unbehagen oder dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen anatomischen Geschlecht einher. Es besteht der Wunsch nach chirurgischer und hormoneller Behandlung, um den eigenen Körper dem bevorzugten Geschlecht so weit wie möglich anzugleichen.
F64.1 Transvestitismus unter Beibehaltung beider Geschlechtsrollen
Tragen gegengeschlechtlicher Kleidung, um die zeitweilige Erfahrung der Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht zu erleben. Der Wunsch nach dauerhafter Genitalorganumwandlung oder chirurgischer Korrektur besteht nicht; der Kleiderwechsel ist nicht von sexueller Erregung begleitet.
Störung der Geschlechtsidentität in der Adoleszenz oder im Erwachsenenalter, nicht transsexueller Typus
Exkl.: Fetischistischer Transvestitismus (F65.1)
F64.2 Störung der Geschlechtsidentität des Kindesalters
Diese Störung zeigt sich während der frühen Kindheit, immer lange vor der Pubertät. Sie ist durch ein anhaltendes und starkes Unbehagen über das zugefallene Geschlecht gekennzeichnet, zusammen mit dem Wunsch oder der ständigen Beteuerung, zum anderen Geschlecht zu gehören. Es besteht eine andauernde Beschäftigung mit der Kleidung oder den Aktivitäten des anderen Geschlechts und eine Ablehnung des eigenen Geschlechts. Die Diagnose erfordert eine tiefgreifende Störung der normalen Geschlechtsidentität; eine bloße Knabenhaftigkeit bei Mädchen und ein mädchenhaftes Verhalten bei Jungen sind nicht ausreichend. Geschlechtsidentitätsstörungen bei Personen, welche die Pubertät erreicht haben oder gerade erreichen, sind nicht hier, sondern unter F66.- zu klassifizieren.
Exkl.: Ichdystone Sexualorientierung (F66.01), Sexuelle Reifungskrise (F66.0)
F64.8 Sonstige Störungen der Geschlechtsidentität
F64.9 Störung der Geschlechtsidentität, nicht näher bezeichnet
Störung der Geschlechtsrolle o.n.A.
F65 – Störungen der Sexualpräferenz
inkl.: Paraphilie
Fetischismus
Gebrauch toter Objekte als Stimuli für die sexuelle Erregung und Befriedigung. Viele Fetische stellen eine Erweiterung des menschlichen Körpers dar, z. B. Kleidungsstücke oder Schuhwerk. Andere gebräuchliche Beispiele sind Gegenstände aus Gummi, Plastik oder Leder. Die Fetischobjekte haben individuell wechselnde Bedeutung. In einigen Fällen dienen sie lediglich der Verstärkung der auf üblichem Wege erreichten sexuellen Erregung (z. B. wenn der Partner ein bestimmtes Kleidungsstück tragen soll).
F65.1 Fetischistischer Transvestitismus
Zur Erreichung sexueller Erregung wird Kleidung des anderen Geschlechts getragen; damit wird der Anschein erweckt, dass es sich um eine Person des anderen Geschlechts handelt. Fetischistischer Transvestitismus unterscheidet sich vom transsexuellen Transvestitismus durch die deutliche Kopplung an sexuelle Erregung und das starke Verlangen, die Kleidung nach dem eingetretenen Orgasmus und dem Nachlassen der sexuellen Erregung abzulegen. Er kann als eine frühere Phase in der Entwicklung eines Transsexualismus auftreten.
Transvestitischer Fetischismus
Die wiederkehrende oder anhaltende Neigung, die eigenen Genitalien vor meist gegengeschlechtlichen Fremden in der Öffentlichkeit zu entblößen, ohne zu einem näheren Kontakt aufzufordern oder diesen zu wünschen. Meist wird das Zeigen von sexueller Erregung begleitet und im Allgemeinen kommt es zu nachfolgender Masturbation.
Wiederkehrender oder anhaltender Drang, anderen Menschen bei sexuellen Aktivitäten oder intimen Tätigkeiten, z. B. Entkleiden zuzusehen, ohne Wissen der beobachteten Person. Zumeist führt dies beim Beobachtenden zu sexueller Erregung und Masturbation.
Sexuelle Präferenz für Kinder, Jungen oder Mädchen oder Kinder beiderlei Geschlechts, die sich meist in der Vorpubertät oder in einem frühen Stadium der Pubertät befinden.
Es werden sexuelle Aktivitäten mit Zufügung von Schmerzen, Erniedrigung oder Fesseln bevorzugt. Wenn die betroffene Person diese Art der Stimulation erleidet, handelt es sich um Masochismus; wenn sie sie jemand anderem zufügt, um Sadismus. Oft empfindet die betroffene Person sowohl bei masochistischen als auch sadistischen Aktivitäten sexuelle Erregung.
Masochismus
Sadismus
F65.6 Multiple Störungen der Sexualpräferenz
In manchen Fällen bestehen bei einer Person mehrere abnorme sexuelle Präferenzen, ohne dass eine im Vordergrund steht. Die häufigste Kombination ist Fetischismus, Transvestitismus und Sadomasochismus.
F65.8 Sonstige Störungen der Sexualpräferenz
Hier sind eine Vielzahl anderer sexueller Präferenzen und Aktivitäten zu klassifizieren, wie obszöne Telefonanrufe, Pressen des eigenen Körpers an andere Menschen zur sexuellen Stimulation in Menschenansammlungen, sexuelle Handlungen an Tieren, Strangulieren und Nutzung der Anoxie zur Steigerung der sexuellen Erregung.
Frotteurismus
Nekrophilie
F65.9 Störung der Sexualpräferenz, nicht näher bezeichnet
Sexuelle Deviation o.n.A.
F66 – Psychische und Verhaltensstörungen in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung
Hinweis: Die Richtung der sexuellen Orientierung selbst ist nicht als Störung anzusehen.
Die betroffene Person leidet unter einer Unsicherheit hinsichtlich ihrer Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung, mit Ängsten oder Depressionen. Meist kommt dies bei Heranwachsenden vor, die sich hinsichtlich ihrer homo-, hetero- oder bisexuellen Orientierung nicht sicher sind, oder bei Menschen, die nach einer Zeit scheinbar stabiler sexueller Orientierung, oftmals in einer lange dauernden Beziehung, die Erfahrung machen, dass sich ihre sexuelle Orientierung ändert.
F66.1 Ichdystone Sexualorientierung
Die Geschlechtsidentität oder sexuelle Ausrichtung (heterosexuell, homosexuell, bisexuell oder präpubertär) ist eindeutig, aber die betroffene Person hat den Wunsch, dass diese wegen begleitender psychischer oder Verhaltensstörungen anders wäre, und unterzieht sich möglicherweise einer Behandlung, um diese zu ändern.
F66.2 Sexuelle Beziehungsstörung
Die Geschlechtsidentität oder sexuelle Orientierung (heterosexuell, homosexuell oder bisexuell) bereitet bei der Aufnahme oder Aufrechterhaltung einer Beziehung mit einem Sexualpartner Probleme.
F66.8 Sonstige psychische und Verhaltensstörungen in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung
F66.9 Psychische und Verhaltensstörung in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung, nicht näher bezeichnet
► ICD-11
Seit dem Update von ICD-10 zu ICD-11 gibt es nur noch den Diagnose-Begriff „Gender-Inkongruenz", folgende Umbenennungen wurden vorgenommen:
„Transsexualismus (F64.0)” aus ICD-10 → Gender-Inkongruenz bei Erwachsenen (HA60) in ICD-11
HA60 Geschlechtsinkongruenz in der Jugend oder im Erwachsenenalter
„Die Geschlechtsinkongruenz im Jugend- und Erwachsenenalter ist gekennzeichnet durch eine ausgeprägte und anhaltende Inkongruenz zwischen dem empfundenen Geschlecht einer Person und dem zugewiesenen Geschlecht, die oft zu dem Wunsch nach einer 'Transition' führt, um als eine Person des erlebten Geschlechts zu leben und akzeptiert zu werden, und zwar durch eine Hormonbehandlung, einen chirurgischen Eingriff oder andere Gesundheitsdienstleistungen, um den Körper der Person so weit wie möglich und gewünscht an das erlebte Geschlecht anzupassen. Die Diagnose kann nicht vor dem Einsetzen der Pubertät gestellt werden. Geschlechtsvariante Verhaltensweisen und Vorlieben allein sind keine Grundlage für die Zuweisung der Diagnose."
„Geschlechtsidentitätsstörung im Kindesalter (F64.2)” → Gender-Inkongruenz (HA61) in ICD-11.
HA61 Geschlechtsinkongruenz im Kindesalter
„Geschlechtsinkongruenz im Kindesalter ist gekennzeichnet durch eine ausgeprägte Inkongruenz zwischen dem empfundenen/ausgedrückten Geschlecht eines Individuums und dem zugewiesenen Geschlecht bei präpubertären Kindern. Sie umfasst den starken Wunsch, ein anderes als das zugewiesene Geschlecht zu sein; eine starke Abneigung des Kindes gegenüber seiner sexuellen Anatomie oder den erwarteten sekundären Geschlechtsmerkmalen und/oder ein starkes Verlangen nach den primären und/oder erwarteten sekundären Geschlechtsmerkmalen, die dem erlebten Geschlecht entsprechen; und Phantasiespiele, Spielzeug, Spiele oder Aktivitäten und Spielkameraden, die typisch für das erlebte Geschlecht und nicht für das zugewiesene Geschlecht sind. Die Inkongruenz muss etwa 2 Jahre lang bestanden haben. Geschlechtsvariante Verhaltensweisen und Vorlieben allein sind keine Grundlage für die Zuweisung der Diagnose."
Diese Diagnosen aus ICD-10 entfallen im ICD-11 ganz:
- Transvestitismus unter Beibehaltung beider Geschlechterrollen (F64.1),
- Sonstige Störung der Geschlechtsidentität (F64.8),
- Fetischistischer Transvestitismus (F65.1),
- Sexuelle Reifungskrise (F66.0),
- Ich-dystone Sexualorientierung (F66.1) und
- Sonstige psychosexuelle Entwicklungsstörung (F66.8).
Transvestismus
„Transvestismus“ ist ein Begriff mit historischen Wurzeln im DSM und ICD, der sich auf sexuelle Erregung durch Cross-Dressing bezieht. Er ist konzeptionell mit Autogynophilie verwandt und wird in bestimmten Kontexten als „transvestitische Störung” (s. F.64) bezeichnet.
Weiblichkeit / weiblich
Mit diesem Begriff werden die stereotypen Rollen, Verhaltensweisen und/oder Darstellungen bezeichnet, die mit dem „weiblich"-Sein (Frausein) verbunden sind.
Ob Stereotypen der Weiblichkeit, wie beispielsweise die Überzeugung, dass Frauen fürsorglicher und sensibler sind als Männer, vollständig sozial konstruiert sind oder eine angeborene Eigenschaft der unterschiedlichen Fortpflanzungsstrategien sind, die mit dem männlichen oder weiblichen Geschlecht verbunden sind, ist wissenschaftlich alles andere als eindeutig geklärt. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Kombination aus beidem.
Einige Fragen und Antworten
(Alle nachfolgenden Einordnungen von Dr. Alexander Korte)
Wird das Geschlecht bei der Geburt zugeordnet?
Der Mensch kann weder Art noch Alter noch Geschlecht zuordnen, da dies nicht in seiner Hand liegt, er hat ein biologisches Alter, ein biologisches Geschlecht und gehört der Spezies Mensch an. Die Ärzte stellen also das Geschlecht fest. Meist wissen Eltern bereits durch ein Ultraschall-Bild, ob sie eine Tochter oder einen Sohn bekommen. Ein klarer Anhaltspunkt für die Ärzte: Mädchen haben keinen Penis.
Können Menschen ihr Geschlecht wechseln?
Nein, sie können lediglich eine äußere Angleichung ihrer – objektiv gegebenen – primären und sekundären Geschlechtsmerkmale an das – subjektive – genderbezogene Zugehörigkeitsgefühl vornehmen lassen.
Wird die Orgasmusfähigkeit durch eine Transition beeinflusst?
Die Orgasmusfähigkeit ist diesbezüglich nicht systematisch untersucht worden, es gibt also keine Daten. Aber es gibt mehr als ernst zu nehmende Hinweise, dass das bei vielen - wenn sie pubertätsblockierend behandelt sind - eben nicht gegeben ist. Es ist ein schambehaftetes Tabu-Thema, das gern verschwiegen wird. Männliche Transpersonen mit Neovagina haben bessere Chancen als weibliche Transpersonen mit einem Neo-Penis.
Haben transsexuelle Jugendliche ein erhöhtes Suizidrisiko? Was sagt das aus?
Es gibt Studien, die ein erhöhtes Suizidrisiko meinen belegen zu können. Nicht alle dieser Studien sind indes unabhängig durchgeführt - oftmals werden sie von Transaktivisten umgesetzt. Diese missbrauchen das Suizidrisiko als Totschlagargument, um Forderungen durchzusetzen.
Die Suizid-Lüge ist als emotionale Erpressung ungeeignet
Dabei ist das erhöhte Selbstmordrisiko im Grunde wenig überraschend. Wenn ich mich so unwohl in meinem Körper fühle, habe ich natürlich ein höheres Risiko. Auch essgestörte Frauen haben ein erhöhtes Suizidrisiko. Ebenso ist die Suizidrate von Transsexuellen nach geschlechtsangleichender Behandlung erhöht.
Quellen:
Ideologie statt Biologie im ÖRR, v. R. Hümpel, A. Korte, U. Steinhoff u. a. 2022
Interview Lisa Littman, Quillette, 2019
Material Girls, Kathleen Stock 2021
Weiteres
If George Orwell Wrote a Style Guide - It would be the AP’s “Transgender Coverage Topical Guide", Gerald Posner, 18.06.2023





