Akzeptanz statt Medikalisierung
Finnland kehrt seit 2021 ab von den WPATH-SOC-Leitlinien und vom Dutch Protocol, bei denen das kosmetische ‚Passing‘ innerhalb eines engen heteronormativen Rahmens im Vordergrund steht, Jugendliche aber gleichzeitig sterilisiert und zu lebenslangen PatientInnen macht, bevor sie ernsthaft über Partnerschaft und eigene Kinder nachdenken. Prof. Riittakerttu Kaltiala, renommierte finnische Jugendpsychiaterin und Forscherin, rät in Finnlands größter Zeitung, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Ruhe zu lassen.
Die Identitätsbildung in der Adoleszenz sei ein lange nicht abgeschlossener Prozess. Erwachsene sollten nicht versuchen, die Identitätsexperimente, die zum Erwachsenwerden gehören, zu verstärken oder einzudämmen. Das Ende dieses Prozesses und das Ergebnis sei weder Ärzten noch Eltern, noch nicht einmal den jungen Menschen selbst bekannt. In der Adoleszenz sei die Identität fragmentiert und situativ, daher sollten Jugendliche, die mit ihrer Genderidentität experimentieren, weder bejaht noch verneint werden.
„Nuori kokeilee erilaisia identiteettejä ja on suggestioaltis. Yhdessä tilanteessa hän kokee olevansa yhtä ja toisessa toista. Se on nuoruusiässä normaalia.”
Wenn Jugendliche die Symbole des anderen Geschlechts tragen wollen, gibt es keinen Grund, sie daran zu hindern, aber es gibt auch keinen Grund, es zu forcieren.
„Den Entwicklungsaufgaben der Jugend ist nicht gedient, wenn der Selbstausdruck junger Menschen von außen unterstützt und gelenkt wird."
Das Umfeld sollte sich nicht auf Identitätsexperimente einlassen, die einen späteren Richtungswechsel zur Qual machen könnten.
4 von 5 Kinder wachsen aus ihrer Genderverwirrung heraus
Kaltiala, die sehr viele Forschungsarbeiten zur Genderidentität von Minderjährigen veröffentlicht hat, weiß, dass sich 80 % der Jugendlichen, die sich anders als ihr biologisches Geschlecht identifizieren, nach der Pubertät wieder anders fühlen. Eine transsexuelle Entwicklung sei nur dann dauerhaft, wenn die Identifikation bereits in der Kindheit begonnen und sich während der Pubertät verstärkt habe. Sie sagt, dass das Wichtigste ist, das Kind so zu akzeptieren, wie es ist. Das bedeute,
„zu sagen, dass du ein Junge bist, der sich wie ein Mädchen fühlt. Es ist in Ordnung und du darfst so sein, wie du bist und wir werden sehen, was passiert, wenn du älter bist.
Im Gegensatz dazu wird ein Kind nicht als Ganzes akzeptiert, wenn seine Erfahrungen oder sein physischer Körper verleugnet werden. Wenn man Ihnen sagt, dass sie so sein sollen, wie ein Junge sein sollte, dann verweigern sie die Miterfahrung. Wenn man ihnen sagt, dass sie eigentlich ein Mädchen sind, verleugnen sie Ihren Körper. In jedem Fall bekommt das Kind die Botschaft, dass etwas mit ihm nicht stimmt.”
Deshalb ist es ratsam, die Situation zu beobachten, das Kind zu beruhigen und die Ängste der Familie und mögliche damit verbundene Probleme zu behandeln. Die meisten wachsen während der Pubertät aus ihrer Genderverwirrung heraus, wenn sie nicht mit Pubertätsblockern behandelt werden.
Medieneinfluss und Peers
Sowohl die Medienöffentlichkeit, soziale Medien als auch Peers spielten bei dem Trans*-Phänomen eine Rolle, meint Kaltiala. Viele junge Menschen übernähmen die aus den Medien vermittelte Vorstellung, dass ihre Probleme durch Genderkonflikte verursacht würden und sich lösten, wenn andere sie als das ‚richtige Geschlecht/Gender‘ zu sehen. Das sei aber nicht der Fall.
„Ausgeglichenheit entsteht nicht dadurch, dass man andere dazu bringt, das zu tun und zu sehen, was man will."
Psychiatrische Probleme
Laut Kaltiala haben die meisten (d. h. 68 %) ihrer PatientInnen erhebliche und anhaltende psychische / psychiatrische und entwicklungsbedingte Störungen, die mit ihrer Genderdysphorie einhergehen und behandlungsbedürftig sind. Zudem seien die Jugendlichen anfällig für Suggestionen. Zu der Vorstellung, dass die Bejahung des Geschlechts automatisch das psychische Leiden lindere, sagte Kaltiala während einer Experten-Anhörung in Florida:
[To the Dutch Protocol:] „This is really my sincere understanding: 70 patients as a model for treatment for tens of thousands of patients — i find the evidence is lousy.”
„You may be wondering why I seem to have a different evidence [base] from the American speakers. ... almost all the other claims of their effectiveness [such as reducing dysphoria or boosting mental health] are based on questionable studies.”
„I consider it is of utmost importance that severe psychiatric disorders first be treated into remission [before any thought of medicalised gender change. ... Very seldom would we see patients where you could think that the mental health co-morbidities would only be secondary [to gender dysphoria].”
Florida Medical Board Decision: Dr. Riittakerttu Kaltiala – Presentation and Q&A, YT, Nov 2022
Suizidrisiko
Kaltialas Einschätzung:
„Es ist nicht gerechtfertigt, den Eltern von jungen Menschen, die von Transgenderismus betroffen sind, zu sagen, dass der junge Mensch ohne eine korrigierende Behandlung suizidgefährdet ist und dass dieses Risiko durch geschlechtsangleichende Therapien verhindert werden kann". „Das ist eine gezielte Fehlinformation, die zu verbreiten unverantwortlich ist.”
„Psychisch gesunde junge Menschen, die ihr Geschlecht auf eine Weise erleben, die von ihrem biologischen Körper abweicht, sind nicht automatisch suizidgefährdet."
Namen- und Pronomen-Änderung
Kaltiala widersprach der Meinung, dass sich junge genderdysphorische Menschen besser fühlen würden, wenn die Welt um sie herum ihre bevorzugten Pronomen respektieren und ihre gewählte Geschlechtsidentität bejahen würde.
„Das Gleichgewicht des Geistes entsteht nicht dadurch, dass man andere dazu bringt, das zu tun und zu sehen, was man will."
Rechtliche Transition
In Finnland geht es derzeit auch um den rechtlichen Geschlechtsbegriff. Kaltiala meint dazu, dass auch die Änderung des gesetzlichen Geschlechtseintrags im Jugendalter keine einfache Formalität sei, die eine Tatsache beschließt, sondern eine starke psychologische und soziale Intervention, die die Entwicklung des Heranwachsenden steuert.
„Es ist eine Botschaft, dass dies der richtige Weg für Dich ist.”
In ihrer Stellungnahme an den Sozial- und Gesundheitsausschuss erklärte die Finnische Gesellschaft für Pädiatrie, dass die Gender-Selbstbestimmung nicht auf Minderjährige ausgedehnt werden sollte. Die Ärztekammer möchte ebenfalls, dass an der bisherigen Altersgrenze festgehalten wird. Kaltiala wiederholte vor dem entsprechenden Ausschuss im Parlament, dass die Altersgrenze nicht gesenkt werden sollte. Sie schlug dem Ausschuss vor, körperliche Behandlungen aufgrund der Genderidentität erst im Erwachsenenalter zu beginnen. Die finnischen Studien hätten gezeigt, dass Hormonbehandlungen bei Minderjährigen das psychische Wohlbefinden nicht verbesserten, sondern verschlechterten.
Kaltiala ist zudem überzeugt, dass auch Erwachsene bezüglich Geschlechtsangleichungen übereilte Entscheidungen treffen können. Kinder und Jugendliche hätten jedoch ein besonderes Recht auf Betreuung und Schutz.
Wer treibt die Selbstzerstörung von Minderjährigen voran und warum?
Kaltiala denkt kurz nach und sagt dann:
„Ich denke gerne, dass Erwachsene, denen selbst geholfen wurde, ihr Geschlecht zu korrigieren, hinausgehen und Kinder und Jugendliche retten wollen. Aber es fehlt ihnen das Verständnis dafür, dass ein Kind kein kleiner Erwachsener ist."
Die Öffnung von Trans-Kliniken für junge Menschen sei nicht von der Jugendpsychiatrie initiiert worden, sondern von Politikern, Organisationen und Ärzten, die mit Erwachsenen arbeiten.
Nuoruusiän sukupuoliahdistusta hoitava professori sanoo ei alaikäisten juridisen sukupuolen korjaukselle, Helsingin Sanomat, 27.01.2023
(Dt. Übersetzung der Zitate mithilfe von Deepl)
Podcast mit Riittakerttu Kaltiala: Die Identität von Jugendlichen
In einem längeren Podcast berichtete R. Kaltiala, was sie dachte, als sie zum ersten Mal vom Konzept der Plötzlich einsetzenden Genderdysphorie (ROGD, Lisa Littman) gehört hat:
„Oh, you know, I thought this is exactly what we are seeing in our clinic because after the first years when I was first talking about this adolescence who had lots of psychiatric symptoms and severe psychiatric problems and we were so troubled so what's wrong because we are seeing something else than what the world is talking about.”
Adolescent Identity: Riittakerttu Kaltiala, YT, 11.02.2022
Themen des Podcasts
- Riitta erzählt, wie sie zur Psychiatrie gekommen ist und in diesem Bereich arbeiten möchte.
- Wann ist Riitta das erste Mal auf Genderidentität gestoßen? Sie erzählt die Vorgeschichte.
- Riitta erzählt, wie 2009 in Finnland beschlossen wurde, dass auch Kinder und Jugendliche eine geschlechtsspezifische medizinische Behandlung benötigen. Was war die Motivation dahinter?
- In der Adoleszenz suchen und experimentieren junge Menschen mit ihrer Identität. Es ist jedoch normal, dass sie sich innerhalb von 2–3 Jahren verändern oder weiterentwickeln. Das ist Teil des Prozesses der Stabilisierung ihrer Identität.
- In der Jugendpsychiatrie kann man in den frühen Phasen der pubertären Entwicklung kaum erwarten, dass die Person bereits mit einem Aspekt der Identität fertig ist.
- Am Anfang hatte der Großteil der Gesellschaft keine Ahnung von der Genderidentität und so wurde auch im medizinischen Bereich nicht viel darüber diskutiert, da nur eine kleine Gruppe begonnen hatte, sich damit zu befassen.
- Riitta erzählt von den unerwarteten Phänomenen, die sie in der Pubertät erlebte, als sie zum ersten Mal von der Genderidentität erfuhr.
- Soziale Medien und Diskussionen unter Gleichaltrigen gehen den Fällen von Gender-Not in den USA und Großbritannien normalerweise voraus. Riitta erzählt, welche Daten sie in diesem Fall für Finnland gesammelt haben.
- Die Menschen, die zu ihren Diensten kamen, hatten schwere psychiatrische Probleme und eine Vorgeschichte und litten unter psychischen Störungen. Das war eines der Themen, die Riitta dazu inspirierten, ihre Forschung voranzutreiben.
- In den ersten Jahren fühlten sich Fachkräfte wie Lehrer/innen, Kinderfürsorger/innen, Psychiater/innen usw., die in der Nähe der jungen Menschen waren, als diese begannen, ihre Genderdysphorie auszudrücken, unsicher und wussten nicht, wie sie ihnen helfen sollten.
- Da der Kontakt zu Gleichaltrigen für gesunde Jugendliche essenziell ist, haben sie beobachtet, dass viele Jugendliche, die ein nicht konformes Gender-Verhalten an den Tag legten, sich isolierten, da sie diskriminiert und gemobbt wurden.
- Wie sah die Nachbereitung dieser Dienste im Jahr 2011 aus? Wo sind diese Jugendlichen jetzt und wie geht es ihnen?
- Obwohl die hormonellen Behandlungen für die Jugendlichen befriedigend waren, haben sie andere psychiatrische Symptome kaum gelindert. Ein einfacher Wechsel des Geschlechts löst nicht alle diese Probleme.
- Obwohl viele Fachleute in der Vergangenheit hilflos versagt haben, hat sich das in Finnland völlig geändert. Die Menschen, die mit Jugendlichen arbeiten, sind heute besser ausgestattet und kompetenter.
- Was hält Riitta von dem Konzept der 'Plötzlich einsetzenden Genderdysphorie'?
- Riitta geht davon aus, dass der Einfluss von Gleichaltrigen gültig ist, denn es ist ganz natürlich, dass Jugendliche für ihre Gleichaltrigengruppen empfänglich sind. Ähnlich wie Kinder ihre Ideale in der Musik und anderen Interessen bestätigen, kann das auch bei der Genderidentität passieren.
- Es ist gut, dass junge Menschen sich so ausdrücken können, wie sie sich fühlen, aber medizinische Eingriffe für einen gesunden Körper müssen stärker berücksichtigt werden.
- Riitta spricht darüber, wie hochgradig autistischen Kindern möglicherweise die Flexibilität fehlt, mit Mehrdeutigkeiten umzugehen, da sie dazu neigen, besessen zu sein und sich auf Dinge zu fixieren. Spielt es eine große Rolle bei ihrer Genderdysphorie?
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Riittakerttu Kaltiala sei eine der letzten Personen auf der Welt, die man als ‚reaktionär‘, ‚transphob‘ oder uninformiert zum Thema Trans-Gesundheitsversorgung bezeichnen kann, schreibt Leo Sapir.
„When it comes to pediatric gender medicine and related social policy, things are far from perfect in Finland. Compared to the United States, however, it is an oasis of sanity and accountability.”
Auch Rousseau wird von R. Kaltiala zitiert, er prägte den Begriff „amour propre”:
„amour propre: self-love conditional upon how one is viewed by others. If not just your dignity as a human but your very existence depends upon others agreeing with your self-characterization, you are destined for chronic existential dread. This is not a recipe for authenticity, let alone happiness.”
Another Look at Youth Gender Medicine, L. Sapir, 21.02.2023
„There was a problem. The children turning up at Finland’s new paediatric gender services didn’t match the profile their doctors were expecting. ... These patients were simply not those for whom the original Dutch model was intended.”
Finland Takes Another Look at Youth Gender Medicine, 23.02.2023







