Den Weg zurück gehen?
Unter dem Bildtitel Kölnerin will Transition zum Mann rückgängig machen brachte der WDR Anfang August 2026 einen Beitrag, in dem Billie (William) Jules über die Transition (mit 20) spricht und über den aktuellen Wunsch zu detransitionieren*). Erst mit 35 Jahren – durch die Schwangerschaft und Geburt bei ihrer Partnerin – entstand dieser Wunsch, ausgelöst durch eine tiefe Trauer.
"Ich habe mich entschlossen, den Weg wieder zurückzugehen. Wieder als Frau zu leben. Mir wurde klar, dass ich nie selbst ein Kind haben kann. Dass die OPs vielleicht damals nicht der richtige Weg waren."
Transgender in Köln – Von der Frau zum Mann und wieder zurück, WDR, 06.08.2026
Was heißt „rückgängig machen" einer Transition?
Billie Jules hat das ganze Erwachsenenleben versucht, „als Mann" anerkannt zu werden. Nun muss das DAILY „als Frau“ teilweise neu gelernt bzw. kultiviert werden, von der Benutzung der Frauentoilette, Frisur, Kleidung, ggf. Makeup bis zur Anerkennung ihres Geschlechts als weiblich durch neue aber vor allem auch der bisherigen Bekannten oder ArbeitskollegInnen. Die wahrscheinlich tief bleibende Stimme, Bartwuchs und Körperbehaarung sorgen weiterhin für Irritationen. Auch Narben und Medikalisierung werden lebenslang bleiben.
Billie Jules ist relativ umfassend transitioniert und ließ etliche medizinische Maßnahmen durchführen, weil sie glaubte, ein männlich aussehender Körper würde ihr helfen.
Am einfachsten könnte es sein, den bisherigen Vornamen und Personenstand wieder eintragen zu lassen. Obwohl dies mittlerweile ein unkomplizierter Verwaltungsakt beim Standesamt ist, müssen dann noch viele andere Dokumente und Registrierungen geändert werden. Die Umstellung bezüglich Pronomen und Anrede bei ArbeitskollegInnen, Bekannten und Freunden ist der aufwändigere und sicherlich manchmal anstrengendere Teil.
Dass die angestrebte Brustrekonstruktion (mit Implantaten oder gar Transplantation von Eigengewebe) sehr viel schwieriger und vor allem teuer (wahrscheinlich Selbstzahlung) sein wird, als die Mastektomie, hat Billie Jules bereits ansatzweise erfahren, s. Blog billiejules.de. Billie Jules ist sich noch nicht im Klaren, ob ihr einen Push-up-BH oder Silikon-BH ausreichen würde.
Beiträge zu Mastektomie und Brust-Rekonstruktion auf unserer Website:
Mastektomien und Brust-Rekonstruktionen sind keine Top-Chirurgie
Die lange Testosteronanwendung hatte auch Effekte wie Bartwuchs und starke Körperbehaarung, deren dauerhafte Reduzierung eine aufwendige Angelegenheit ist. Die Epilationsbehandlungen werden voraussichtlich nicht durch Krankenkassen erstattet. Vielleicht wachsen unter Östrogen wenigstens die Kopfhaare wieder etwas nach.
Welche Hormone und in welcher Dosierung?
Mit der Testobehandlung kam Billie Jules nie gut zurecht:
„Heute leide ich seit 12 Jahren an Wechseljahresbeschwerden, seit ich 22 Jahre alt bin. Dazu gesellte sich innerhalb kürzester Zeit eine Schleimhautatrophie im Intimbereich, die durch eine mangelhafte Östrogenversorgung entstand. Man vermutet, dass die Wechseljahre auch meine Augenschleimhäute stark ausgetrocknet und meine aktuelle Augenerkrankung begünstigt haben. ... 12 Jahre später sah mein Gesicht nicht mehr aus wie früher, sondern aufgequollen von der Testosteron-Therapie, die stets etwas höher dosiert sein musste, damit ich weniger Probleme hatte. Mein Bart wuchs – das war wirklich schön –, dafür fielen mir die Haare aus."
Testosteron einfach absetzen ist nach der weitgehenden Transition nicht die richtige Vorgehensweise, da Billie Jules Körper selbst keine Sexualhormone mehr produzieren kann, die u. a. für die Stabilität der Knochen notwendig sind.
„Ich weiß, dass es erleichternd war, nicht mehr meine Periode zu haben und ich hatte damals wirklich gehofft, Freiheit zu spüren. Aber heute bereue ich die Operation. Ich bin an Hormone gebunden, muss weiterhin versuchen die Nebenwirkungen der Wechseljahre anzugehen und in meiner Detransition fällt auf, dass die Ärzte keinen Plan haben, wie sie mich am besten hormonell nach so langer Zeit behandeln.“
Motive für die Detransition
Die Abwendung von trans* (Detransition, Desillusionierung, Ex-Trans) passiert oft erst nach einer sehr langen Periode, in der versucht wird, das Wunschgeschlecht repräsentieren. Bei Corey Cohn waren es ca. 25 Jahre, bei Christian (Nadine) Brönimann ca. 35 Jahre.
Desillusion und Ambivalenz nach Transition
Billie Jules berichtet u. a. folgende Erfahrung:
„Die Angst, erkannt zu werden, war so groß, dass daraus ein Geheimnis wurde. Etwas, das ich nicht sagen durfte, als wäre es ein Staatsgeheimnis. Obwohl ich sehr kommunikativ bin, begann ich, keine ernsthaften Gespräche mehr zu führen, und erzählte Halbwahrheiten über mich. Mit jeder neuen halben Wahrheit wurde ich ein Stück unsichtbarer."
Um zu maskulinisieren hat Billie Jules viele Jahre Testosteron gespritzt. Im Rahmen ihrer Detransition wechselte sie 2026 auf Östrogen. In einem Instaclip skizziert sie im August 2026, was in den vergangenen 15 Jahren mit ihrem Körper passiert ist und nennt einige Gründe für die Entscheidung zur Detransition:
- 2008: 55 kg, 17 Jahre alt, noch keine Transition (Billie im Kleid)
- 2013: Hysterektomie und Ovarektomie, ich hatte plötzlich Wechseljahre ... und sie blieben.
- 2017: 50 kg, bereits etliche Jahre Testo, noch immer Wechseljahresprobleme
- 2022: 65 kg, Ernährung lief besser, 12 Jahre Testo, Sport tat gut.
Nur wenn mein Testo hoch war (direkt nach der 3-Monats-Spritze), waren die Wechseljahre erträglich, aber es rutschte schnell ab. - 2026 hatte ich plötzlich 80 kg, trotz Sport und Ernährungsberatung
- 2022-2026: Mein Testo war viel zu hoch ... mein Gewicht stieg immer weiter an.
- Seit Feb. 2026 bin ich wieder auf Östrogenen. Die Hormonumstellung ist hart, Kreislaufprobleme, aber auch weniger Gewicht beim Training. Und ich habe endlich wieder abgenommen und wiege 74 kg. Meine Gefühle sind intensiver und ich fühle mich ausgeglichener.
- Ich bin Billie, eine Frau, die wieder den Weg in ihr Geburtsgeschlecht gehen will.
Detransition – Die psychologische Seite
Für Menschen, die mit der Transition aufhören, ist es sehr wichtig, eine tragfähige Zukunftsperspektive aufzubauen. Negative Erfahrungen mit der Transition, evtl. Bereuen müssen bewältigt werden. Meist wird für den Weg nach vorn auch psychotherapeutischer Support benötigt, um zu genesen, Selbstbewusstsein zu stärken und unter „geänderten Vorzeichen" mit dem geschädigten Körper und dem sozialen Umfeld zurechtzukommen sowie das Selbstbewusstsein zu stärken.
Stella O'Malley:
„Supporting detransitioners matters because their needs are real, ongoing, and often unmet. Many face physical complications, psychological distress, loss of trust in healthcare, and profound social isolation.“
Mehr …
Auf der Website von Billie Jules Wolf heißt es
„Mittlerweile wünsche ich mir, dass ich meine Erfahrungen und Erinnerungen mit Betroffenen teilen kann, um ihnen Unterstützungen zu liefern oder Aufklärung an den Stellen, wo sie mir selbst gefehlt haben. Ich war jung und ahnungslos als ich den Weg gegangen bin, obwohl es so viele Menschen vor mir gab, die ebenfalls diesen Weg gegangen sind."
Bericht über die Produktion des WDR-Beitrags von Billie Jules Wolf auf Linkedin
Salamander können bestimmte Körperteile nachwachsen lassen. Menschen nicht.
Immer mehr Detransitionierte klagen
Einmal mit Testosteron angefangen, gibt es keinen 100%igen Weg zurück
NL: Transition war nicht die Lösung für meine Probleme
Diagnosekriterien für Detransition ab Oktober 2026
Billie Jules berichtet von Atrophie der Schleimhäute im Vaginalbereich und der Augenschleimhaut. Sie schreibt „Die Hormon- und Frauenärzte wussten das damals nicht."
Nach unseren Recherchen ist der Effekt der vaginalen Atrophie durch Testosteron bei Frauen in der Endokrinologie schon lange bekannt, offensichtlich aber nicht bei allen EndokrinologInnen. Bereits 2009 nennen Hembree u. a. die vaginale Atrophie in ihrer Tabelle mit der Überschrift „Maskulinisierende Effekte bei FTM-Transsexuellen". Diese Tabelle wird bereits in den 2011 veröffentlichten WPATH SoC-7 referenziert.
Endocrine Treatment of Transsexual Persons: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline, Hembree u. a., 2009
Viel erstaunlicher ist allerdings, dass 2021 Dr. Gesine Meyer, Endokrinologin Uni Frankfurt, eine ähnliche Tabelle von Hembree u. a. (2017) (s. u.) in ihrem Beitrag Geschlechtsangleichende Hormontherapie bei Transidentität: Voraussetzungen und Therapiemanagement (2021) referenziert, dabei aber mehrere Effekte ohne Begründung einfach weglässt (bei MzF zitiert sie nur 7 von 12, bei FzM nur 5 von 9 Effekten). Unter anderem fehlt die „vaginale Atrophie“.
Wie kann es sein, dass dieser Effekt bei Gesine Meyer weder genannt noch das Weglassen in der Tabelle begründet wird? Vermutlich werden sich weder die Betroffenen noch die KollegInnen, die diese Fachlektüre nutzen, die Originalquellen ansehen.
Tabellen zu Effekten der Hormontherapien – Hembree u. a.
Bekannte somatische Effekte und zeitlicher Verlauf einer feminisierenden Hormontherapie mit Östrogen
Bekannte somatische Effekte und zeitlicher Verlauf einer maskulinisierenden Hormontherapie mit Testosteron
Endocrine treatment of gender-dysphoric/gender-incongruent persons: an Endocrine Society clinical practice guideline, W. C. Hembree, Cohen-Kettenis, u. a., 2017
*) Detransition hat viele Facetten, die Detransition jedes Einzelnen ist ein individueller Weg. Die Bezeichnung „detransitioniert“ wird von vielen Detransitionierten als unangemessen empfunden. Einige bezeichnen sich selbst als Ex-Trans*, desillusioniert oder ambivalent trans*.











