Detransition - Zahlen

sharon mccutcheon wx3JOq0Xbh4 unsplashInsgesamt gibt es nur wenige Studien zum Thema Detransition, Desistance, Regretting. Langzeitstudien fehlen ganz. Die Ausstiegs-Raten in den neueren Studien liegen deutlich höher als die in älteren Studien, ohne dass dafür nachvollziehbare Erklärungen geliefert werden.

Selbst bei den neueren Studien sind die Zahlen nicht direkt vergleichbar, da die Studien-Designs relativ unterschiedlich sind.

Studie 1 - 2021 

In einer britischen Hausarztpraxis wurden folgende Zahlen festgestellt: Bei 12,2 % der Personen, die eine Hormonbehandlung begonnen hatten, wurde Detransition oder Bedauern dokumentiert. Insgesamt brachen 20 % die Behandlungen aus unterschiedlichen Gründen ab. Im Durchschnitt waren die genderdysphorischen Personen 20 Jahre alt, sie hatten im Durchschnitt 5 Jahre lang CSH eingenommen, bevor sie die Behandlung abbrachen.

Die Forscher stellten viel höhere Raten von Behandlungsabbrüchen und Detransitionierung im Vergleich zu älteren Studien fest:

"Thus, the detransition rate found in this population is novel and questions may be raised about the phenomenon of overdiagnosis, overtreatment, or iatrogenic harm as found in other medical fields."

Care of Transgender Patients: A General Practice Quality, Boyd, I. L., u. a., 2021

Studie 2 - 2021

Die Detransitionsrate in einer britischen Gender-Klinik für Erwachsene wurde in einer Studie von Hall u. a. mit wahrscheinlich über 10 % ermittelt.

Von den erwachsenen Patienten/-innen (ø 25 Jahre alt, davon waren die biol. ♂ im ø 36 Jahre alt, die biol. ♀ im ø 20 Jahre alt), die transitioniert hatten, detransitionierten 6,9 % innerhalb von nur 16 Monaten nach Behandlungsbeginn, 3,4 % weitere wiesen ein Versorgungsverhalten auf, das auf eine Detransition hindeutete. Zusammen ergibt es eine wahrscheinliche Detransitionsrate von über 10 %. Weitere 21,7 % der Patienten verließen die Klinik, ohne ihren Behandlungsplan abzuschließen. Auch wenn einige dieser Personen später erneut den Gender-Dienst in Anspruch nahmen, kam die Studie zu dem Schluss, dass „das Detransitionieren häufiger vorkommt als bisher berichtet."

Access to care and frequency of detransition among a cohort discharged by a UK national adult gender identity clinic: retrospective case-note review, Hall, R., 2021

Studie 3 - 2022

Eine Sekundäranalyse der medizinischen und pharmazeutischen Aufzeichnungen des US-Militärgesundheitssystems aus den Jahren 2009 bis 2018 (Roberts u. a.) zeigt, dass 30 % der TransGender-Personen (bei Minderjährigen sind es 25 %) die Einnahme von Hormonen innerhalb von 4 Jahren abbrechen. Der Abbruch bedeutend nicht unbedingt Bedauern, könnte aber nahe dran sein. Bei den Frauen war die Wahrscheinlichkeit, die Hormonbehandlung abzubrechen, höher als bei den Männern (64 % gegenüber 81 %). 
In den Erhebungen von Vandenbussche und Littman ist die durchschnittliche Zeit bis zur Detransition bei Männern länger, so dass die Nachbeobachtungszeit von 4 Jahren bei der Studien von Roberts u.a. wahrscheinlich zu kurz ist, um die Rate bei Männern richtig zu erfassen.

"Indeed, given that regret may take up to 8-11 years to materialize (Dhejne, Öberg, Arver, & Landén, 2014; Wiepjes et al., 2018), many more detransitioners are likely to emerge in the coming years." Levine u. a., 17.03.2022

Continuation of Gender-affirming Hormones Among Transgender Adolescents and Adults, Roberts, C. M. u. a., 2022

Studie 4 - 2021 

An einer weiteren Studie durften ausschließlich Personen teilnehmen, die sich aktuell als trans* identifizierten. Davon hatten 13 % Detransitionserfahrung, sie waren für unterschiedliche Zeiträume temporär detransitioniert.

Factors Leading to “Detransition” Among Transgender and Gender Diverse People in the United States, J. Turban u. a., 2021


Detrans-Befragungen

Es gibt einige interessante Eckwerte aus 2 Befragungsstudien über junge detransitionierte Erwachsene (weltweit). (F - geborene Frauen, M - geborene Männer)

1. Studie von E. Vandenbussche, veröffentlicht 2021, der Erhebungszeitraum war Ende 2019, 52 % der Befragten waren aus den USA, 32 % aus Europa, 92 % waren Frauen. Das Durchschnittsalter der Befragten war 25 Jahre. Ergebnisse u. a.:.

  • Beginn der sozialen Transition bei knapp 17,96 Jahren (17,42 bei F, 23,63 bei M)
  • Beginn der medizinischen Transition bei 20,70 Jahren (20,09 bei F, 26,19 bei M)
  • Beginn der Detransition bei 22,88 Jahren (22,2 bei F, 30,00 bei M)
  • Die Dauer der sozialen und medizinischen Transition betrug 4,71 Jahre (4,55 bei F, 6,37 bei M).

2. Studie von L. Littman, veröffentlicht 2021, die Erhebung war von 15.12.2016-30.04.2017, 66% der Teilnehmenden waren aus den USA, 69% waren Frauen, das Durchschnittsalter bei der Befragung war 29,2 Jahre, bei den Frauen 25,8 Jahre. Ergebnisse u. a.:

  • Beginn der medizinischen Transition: 21,9 Jahre (20,0 bei F, 26,0 bei M)
  • Beginn der Detransition mit 26,4 Jahren (23,6 bei F, 32,7 bei M)
  • Die Dauer der Transitionsphase betrug 3,9 Jahre (3,2 bei F, 5,4 bei M).

Wie viele Kinder bleiben trans?

Als noch keine Pubertätsblocker und Hormone an Kinder und Jugendliche verabreicht wurde, sahen die Zahl derjenigen, die trans* identifiziert blieben, noch ganz anders aus. Es gibt insgesamt 12 solcher Studien, die alle zu demselben Ergebnis kamen: Die Mehrheit der Kinder hört auf, sich transgender zu fühlen, wenn sie älter werden.

How many transgender kids grow up to stay trans? James. M. Cantor 30.12.2017

What’s Missing From the Conversation About Transgender Kids, J. Singal, 25.07.1016

Neuere Studien wurden unter anderen Voraussetzungen gemacht:

We already know the truth about detransitioning, Debra Soh, 10.05.2022

Kommentierung der 16 Studien, in denen die „genderbestätigende medizinische Versorgung” thematisiert wurde, L. Sapir, 07.10.2022

UPDATE: 4 Tage nach L. Sapier's Faktencheck des Artikels J. Turban, wurde auf Psych Today eine Korrektur von Turbans Artikel „The Evidence for Trans Youth Gender-Affirming Medical Care" (11.10.2022) veröffentlicht.

Faktencheck der Korrektur-Version des Turban-Artikels, L. Sapir, 25.10.2022


Dr. Az Hakeem

Facharzt für Psychiatrie und medizinische Psychotherapie, Gruppenanalytiker aus London sagte 2021:

"The public are often told that relative regret is extremely low. But this of course is a complete fiction. There are no follow-up studies, no one knows what the regret rate actually is and this low rate results from the lack of any information being collected. The patients I saw did not officially exist in any gender identity clinics’ books."

Interview mit Ak Hakeem, Transgendertrend, 2021

Hakeem entwickelte eine besondere Gruppentherapie für genderdysphorische Erwachsene. Er mischte die Gruppen, indem er sowohl Menschen aufnahm, die eine Transition durchlaufen hatten und diese oder Teile davon bedauerten, als auch Menschen, die vor der medizinischen Transition standen und i.d.R. 'gendereuphorisch' waren. Diese Gruppen boten eine faszinierende Möglichkeit, genderdysphorischen Menschen mehr Einblick in die langfristigen Erfahrungen der Transition zu geben.

"It wasn't a conversion. So my role wasn't to persuade people to not have a sex change. And it wasn't to help people through a sex change, I was being completely neutral. These are adults, they can do what they want. They don't mind what they do, or what I wanted them to do was think about it. And it was an exploratory space. And the regretters said, 'if only we had this sort of exploratory space before we went on to do to have the sex changes, because no, what no one was asking us, what do you mean?'"

Hakeem machte mit seiner (gemischten) Gruppenpsychotherapie die erstaunliche Erfahrung:

I typically found that after anything from 6-12 months in the group the initial Gender Dysphoria had been completely resolved. The Gender Dysphoria was a solution that their mind had come up with to make sense of the confusion, which they happened to find in a gender framework. Once they had come to the conclusion that gender was the framework they had stuck with it.

Gender A Wider Lens - Podcast: Psychotherapie vor und nach der Transition mit Az Hakeem, 25.02.2022

Schließlich noch das Zahlenverhältnis von FTM : MTF bei Erwachsenen (vermutlich ab 30 J.) aus Az Hakeems Buch TRANS - Exploring Gender-Identity and Gender-Dysphoria:

Just as some men believe that their lives would be better if they were female, so some women believe that they should have been born as male. Previous research has suggested that transgender is 3 times less common in biological women.”

Psychotherapy for gender identity disorders, Az Hakeem, 02.01.2018