Neue Kritik: Niederländischer Schlamassel statt Goldstandard

netherlands 1489719 1280elias pixabay600cVor mehr als 25 Jahren begannen niederländische Kliniker mit dem Experiment Pubertätsblocker bei gender­dyspho­rischen Jugendlichen einzusetzen. In den Niederlanden etablierte sich die körpermedizinisch orientierte Behandlung, das sog. Dutch Protocol wurde im Laufe weniger Jahre weltweit als Gold-Standard für die Behandlung von jugendlicher Genderdysphorie (GD) referenziert und verbreitet.

Schon seit einiger Zeit ist klar, dass das Dutch Protocol gar nicht passt, wenn es um ROGD-Jugendliche geht. Nun kommt weitere, diesmal vernichtende Kritik an der Methodik und der Qualität der Studien hinzu, die das Dutch Protocol bestätigen sollten.

Bekannt war bereits seit 2020, dass die einzige Wiederholungs-Studie in England (Carmichael, 2021) die positiven Ergebnisse der Niederländer nicht erzielen konnte. Die Kritiker weisen darauf hin, dass darüber hinaus neuere Forschungen, die die Vorteile der medizinischen Transition bei Jugendlichen untersuchen, qualitativ noch schlechter sind als die niederländischen.

„The key problem in pediatric gender medicine is not the lack of research rigor in the past - it is the field’s present-day denial of the profound problems in the existing research, and an unwillingness to engage in high quality research requisite in evidence-based medicine” Abbruzzese u. a., 2023

Die Idee, Genderdysphorie durch invasive und teilweise irreversible medizinische sog. ‚genderbestätigende‘ Versorgung zu ‚heilen‘, ist nun endgültig ins Wanken geraten. Angesichts der deutlichen Nachteile für junge Menschen, die sich noch in der Entwicklung befinden, infertil bzw. steril sowie lebenslang von der Medizin abhängig zu werden plus der vielen weiteren Risiken, die noch immer nicht hinreichend erforscht sind, dürfte die ethische Rechtfertigung der medizinischen Transitionsmedizin mehr als hoch problematisch sein.

The Myth of “Reliable Research” in Pediatric Gender Medicine: A critical evaluation of the Dutch Studies - and research that has followed, E. Abbruzzese u. a., 02.01.2023

The Dutch Protocol for Juvenile Transsexuals: Origins and Evidence, M. Biggs, 19.09.2022

Auch die renommierte finnische Psychiaterin Prof. Riittakerttu Kaitiala bestätigte bei einer Anhörung 2022 in Florida, dass die Evidenzlage ‚very low‘ ist:

“So the evidence is lousy in general, and [in particular for] mental health and adolescent development,‘ Professor Kaitiala said, adding that this fell below the standards expected today of evidence-based medicine."

Going Dutch - The small study that launched a big experiment in gender change, B. Lane, 31.10.2022

Die Büchse der Pandora - schafft Verfügbarkeit Bedarf?

Abbruzzese u. a. mutmaßen, dass die Verfügbarkeit des niederländischen Protokolls eine wachsende Nachfrage nach Geschlechtsangleichungen bei Jugendlichen ausgelöst hat, ohne dass es objektive Kriterien für die medizinische Notwendigkeit oder Qualitätsforschung gibt:

"The question, 'Just because we can, should we?‘ is not unique to pediatric gender medicine. What makes this arena exceptional is the radical, irreversible nature of ‚gender-affirming‘ medical and surgical interventions desired by the exponentially growing numbers of youth in the Western world. The recent changes announced by WPATH SOC8 - specifically the removal of minimum age limits for medical and surgical treatments, and the elimination of the 'distress‘ requirement by switching from DSM-5-TR to ICD-11 diagnostic criteria (Coleman et al., 2022; Robles García & Ayuso-Mateos, 2019; World Health Organization, 2019) - takes the field further in a truly extraordinary direction whereby any desired body modification desired by a child or a young person becomes automatically 'medically necessary'."


USA - AAP, ES und WPATH

Weder die großen amerikanische Medizinorganisationen AAP und ES noch die WPATH haben systematische Überprüfungen der Forschung durchgeführt. Die WPATH behauptet in ihren neuesten Standards of Care sogar, dass eine solche Überprüfung nicht möglich sei.

„WPATH’s recommendations rely on a single study from the Netherlands, which scholars have shown contains fatal flaws in methodology and is anyway inapplicable to the vast majority of teenagers seeking hormones and surgeries today.”

‘Trust the Experts’ Is Not Enough, L. Sapir, 17.10.2022


Der Elefant im Raum

Zu viele wichtige Punkte sind offen, die die Anwendbarkeit des Dutch Protocols bei ROGD-Jugendlichen infrage stellen. M. Biggs hat in seinem Vortrag (Biggs, 2022) einige formuliert:

  1. Werden Transsexuelle im Rahmen des Dutch Protocols diagnostiziert oder produziert?
    Haben wir es mit jugendlichen Transsexuellen zu tun oder machen Jugendliche durch die Behandlung (die alternative Wege verstellt) eine transsexuelle Entwicklung und warum?
    Warum gehen nahezu alle Jugendlichen, die mit Pubertätsblockern behandelt werden, zu Cross-Sex-Hormonen und teilweise auch zu Operationen über, während es bei Jugendlichen, die nicht mit PB behandelt werden, nur die Minderheit ist?
  2. Woher wissen wir, ob aus einigen dieser „Transsexuellen" nicht vielleicht schwule, lesbische oder bisexuelle Erwachsene würden oder schrullige heterosexuelle Erwachsene?
  3. Warum werden keine randomisierte Kontrollstudien und keine Tierversuche gemacht?
  4. Wie bringt man Aussehen, Sexualität und Fruchtbarkeit in Einklang?

2011 veröffentlichte Cohen-Kettenis eine erste Fallbeschreibung einer früh nach dem Dutch Protocol transitionierten Person (Fall B), 15 Jahre nachdem Abschluss aller Interventionen. B (biologisch ♀) war 2011 35 Jahre alt. Der Bericht macht deutlich, dass die ForscherInnen sehr fixiert waren auf das äußere Erscheinungsbild und die messbaren Blutparameter. B äußerte aber auch deutliche Unzufriedenheiten:

» Auszug aus Einzelfall-Follow-up oder by Cohen-Kettenis, 2011


Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Dutch Protocol

Bereits 2021 versuchte einer der niederländischen Forscher, Dr. Thomas D. Steensma, die Reißleine zu ziehen:

Hört auf, unsere Forschung blindlings zu übernehmen

Auch melden sich sogar in den Niederlanden jetzt einzelne Detransitionierte, die z. B. am berühmten VUmc in Amsterdam und in Groningen (der Wiege des Dutch Protocols) versorgt wurden:

Es ist, als ob man aus einer Sekte aussteigt


Sponsoring

Bereits der niederländische Beitrag aus dem Jahr 2006, in der das Dutch Protocol erstmals beschrieben ist, wurde von der Firma Ferring Pharmaceuticals gesponsert.

"One more thing about the Dutch protocol is that Ferring pharmaceuticals was remarkably generous with financial support and that of course is the company that manufactures tryptophan." Biggs, YT, 2022

Maker of puberty blockers funded original study that led to 'gender-affirming care' for minors: Dutch investigative report, 05.01.2023

Unterstützung durch Ferring: Beispiel

Auch in Deutschland findet Sponsoring durch Ferring Arzneimittel GmbH statt, z. B. für eine Pubertätsblocker und Hormone verschreibende Endokrinologin, Aktuelles Beispiel.