Niederlande - Hört auf, unsere Forschung blindlings zu übernehmen

dutch flag 889734 pixabay Dieselben niederländischen ForscherInnen, die als Pioniere der medizinischen Transitions-Behandlung für Genderdysphorie gelten, fordern seit  2021 mehr Forschung über die aktuelle Zielgruppe von GD-Teens & Twens sowie die langfristigen Auswirkungen.

Statt selbst zu forschen, referenzieren Praktiker in der westlichen Welt de facto seit vielen Jahren auf das mehr als 15 Jahre alte sog. Dutch Protokoll. Allerdings haben sich im Laufe der Zeit wesentliche Rahmenbedingungen geändert, sodass die Referenzierung den niederländischen Pionieren mittlerweile Angst macht.

Stop 'blindly adopting our research', Grace Williams, 16.03.2021

More research is urgently needed into transgender care for young people, 27.02.2021

Sweden Ends Dutch Protokoll, 05.05.2021

Thomas Steensma, Klinker und Forscher am Amsterdam University Medical Center:

Hört auf, "unsere Forschung blindlings zu übernehmen". "Wir wissen nicht, ob die Studien, die wir in der Vergangenheit durchgeführt haben, noch auf diese Zeit anwendbar sind. Es melden sich viel mehr Kinder an, und auch ein anderer Typ", sagt Steensma. "Plötzlich melden sich viel mehr Mädchen an, die sich wie ein Junge fühlen. Während das Verhältnis 2013 noch dasselbe war, melden sich jetzt dreimal so viele Kinder an, die als Mädchen geboren wurden, wie Kinder, die als Jungen geboren wurden."

Steensma beklagt den Mangel an Forschung, ist aber auch frustriert, dass einige Praktiker die niederländische Forschung anwenden, ohne ihre Patienten angemessen zu beurteilen:

Wir führen in den Niederlanden Strukturforschung durch. Aber der Rest der Welt übernimmt unsere Forschung blindlings. Jeder Arzt oder Psychologe, der sich mit der Gesundheitsversorgung von Transgendern befasst, sollte sich verpflichtet fühlen, vor und nach dem Eingriff eine angemessene Bewertung vorzunehmen.

Während in den USA oft behauptet wird, dass es gut belegten medizinischen Konsens für medizinische Eingriffen bei genderdysphorischen Minderjährigen gibt, z. B. durch Transgenderfrau Rachel Levine (stellv. Gesundheitsministerin unter Biden) erklärt Steensma:

Bislang gibt es nur wenig Forschung über die Behandlung mit Pubertätsblockern und Hormonen bei jungen Menschen. Deshalb wird sie auch als experimentell angesehen.”

Auch Anne-Lou L.C. de Vries, bekannte niederländische Kinder- und Jugendpsychiaterin der Uni-Klinik Amsterdam, sagt, dass die Vorgehensweise beim ursprünglichen Dutch Protokoll viel vorsichtiger und nuancierter ist. Es geht um folgende mittlerweile übliche Abweichungen vom ursprünglichen Dutch Protokoll:

  • Heute hat die Mehrheit der behandelten Jugendlichen keine Genderdysphorie seit der frühen Kindheit.
  • Während es früher meist biologische Jungen waren, sind es jetzt überwiegend biologische Mädchen
  • Für das Dutch Protokoll wurden nur PatientInnen ohne bestehende psychische Komorbiditäten zugelassen, während dieser Aspekt vielerorts kaum eine Rolle spielt.
  • Die Niederländischen Behandler führen eine gründliche Begutachtung/Beurteilung durch, die anderenorts nicht immer gegeben ist.*)
  • Die Altersgrenzen für die medizinische Behandlung von Genderdysphorie werden kaum noch beachtet.*)

Weitere Informationen zum Dutch Protokoll

*) Beispiele

1. Hormone und Pubertätsblocker ohne Indikation

Eine neue Richtlinie des Gender Pathways Service (GPS) des Kinderkrankenhauses in London, Ontario (Kanada), weist Ärzte an, dass aufgrund der langen Wartezeiten Minderjährigen Pubertätsblocker verschrieben werden können, bevor sie überhaupt von einem Arzt gesehen werden.

'Trans' children given puberty blockers prior to medical consultation, Kanada, 23.05.2022

Erwachsenen in Deutschland verschreiben Endokrinologen, aber auch Gynäkologen und sogar Hausärzte durchaus gegengeschlechtliche Hormone ohne Indikationsschreiben.

"Seit einigen Jahren geben sich die Endokrinologen selbst das Plazet, d. h., praktisch jeder, der den Wunsch äußert, wird von ihnen hormonell behandelt." R. Försterling im Buch „Transsexualität”, 2022.

Aus einem Beitrag zum Thema Detransition im Deutschlandfunk (15.04.2021): "Schließlich erfährt sie {Sarah] über Bekannte von einem Arzt, der Testosteron auch ohne medizinische Indikation verschreibt."

Dann bin ich auch recht schnell zu diesem Arzt gegangen. Es war ein Gynäkologe, und dort habe ich Testosteron verschrieben gekriegt." Sarah war zu diesem Zeitpunkt 21. Auch für ihre selbstbezahlte Mastektomie benötigte sie keine Indikation. Dem Krankenhaus reichte die Personenstands- und Namensänderung.

2. Hormone in der sehr frühen Pubertät jenseits aller Empfehlungen

In der Welt vom 14.01.2022 sagte Karoline Haufe vom Verein Trans-Kinder-Netz, dass es heutzutage keine Seltenheit mehr sei, dass Kinder auch mit 13 oder 14 Jahren eine Hormonbehandlung erhalten. Sie meint tatsächlich gegengeschlechtliche Hormone und nicht Pubertätsblocker!

„Damit ermöglicht man Kindern eine altersgemäße Entwicklung mit ihrer peer group.“