Medizinische Transition – traumatisches Erlebnis, mögliche Verletzung?
Ein Teil der wegen Genderinkongruenz-/dysphorie Transitionierten bedauern ihre Transition zutiefst, einige detransitionieren. Für beide Gruppen kann PTBS ein geeigneter diagnostischer Rahmen sein. Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist sowohl im ICD und im DSM enthalten. Ergänzend oder alleine kann es auch um „moralische Verletzung“ gehen.
2025 wurde das klinische Konzept der „moralischen Verletzung“ unter dem Code Z65.8 in das DSM-5-TR aufgenommen.
„Moral injury broadly refers to 'the psychological damage inflicted on an individual upon realizing a profound betrayal by individuals in positions of authority.' Morally traumatic experiences are events that disrupt a person's sense of right and wrong, or their sense of goodness regarding themselves, others, or institutions. The authors note that 'moral injury can involve a diverse array of emotions and cognitive responses, including, but not limited to, feelings of guilt, shame, disgust, lack of self-forgiveness, anger, trust issues, inability to forgive others, loss of faith, and moral questioning'."
Bei Detransitionierten könnte die erlittene moralische Verletzung verstärkt zutage treten, wenn ihre Gender-Mediziner zuvor Detransition heruntergespielt haben. Wie beispielsweise Johanna Kenney-Olson, die in ihren Vorträgen meinte, dass Detransitionierte sich doch einfach wieder Brüste „besorgen“ könnten. Zudem stoßen Detransitionierte bei ihren ursprünglichen Behandlern häufig auf eine Art „Detrans-Phobie“.
Die Autorinnen des Beitrags haben beobachtet, dass Psychotherapie alleine nicht immer ausreicht, um eine Notlage nach Transition zu verringern. Für manche Menschen besteht ein Teil der Genesung auch in „sozialem Engagement und dem Streben nach Gerechtigkeit".
Beiträge wie dieser könnten von Interesse sein für Hilfsangebote für Menschen nach medizinischer Transition, wie sie derzeit hauptsächlich in den USA und im VK eingerichtet werden.
Die Autorinnen weisen darauf hin, dass es seit Langem bekannt ist, dass die medizinische Transition psychologisch belastend sein kann. Das ist ein wichtiger Grund, warum die frühen Empfehlungen in der Gender Medizin strenge Zulassungskriterien hatten. Damals stand das Bewusstsein für das Schadensrisiko von Transitionen noch im Mittelpunkt klinischer Entscheidungsfindung. Im Zuge des mittlerweile verbreiteten Affirmation-Only-Trends gilt jedoch sog. Gatekeeping als verpönt, es geht heute um Embodiment-Goals (Wunschbehandlungen, Menschenrechte, Autonomie, etc.) und es gibt so gut wie keine Altersgrenzen mehr.
Die Autorinnen halten die Zahlen von Ex-Transition, Detransition nicht für trivial, quantifizieren sie aufgrund von Studien zwischen 10 und 30 %.
Sie begrüßen den Trend einiger Länder „evidenzbasierte Einschränkungen für geschlechtsangleichende Maßnahmen" bei Jugendlichen einzuführen, um den Schaden einzudämmen.
Das Verständnis der traumainformierten Perspektive sowie das Konzept der „moralischen Verletzung“ hilft Fachleuten, Menschen nach Transition besser zu verstehen und helfen zu können.
„While the damage of hormonal and surgical transition cannot always be undone, we join the authors in acknowledging the 'strength, bravery, resilience, and their capacity to heal and live fulfilling lives despite the challenges' exhibited by the current generation of detransitioners." SEGM, 04.10.2026
Detransition, Posttraumatic Stress Disorder, and Moral Injury, A. Clayton, K. McDeavitt, 03.10.2026
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