Darf die natürliche Pubertät in Studien blockiert werden?
Pathway-Studie – Neueste Entwicklung: Nach der Aussetzung der Studie im Februar wurde Ende Juni 2026 angekündigt, dass die Studie zu Pubertätsblockern (PB) trotz der vielfältigen Kritik nun doch durchgeführt werden soll. Das King’s College London gab bekannt, dass am Studiendesign wenige Anpassungen vorgenommen wurden. Es wurde u. a. ein Mindestalter festgelegt: für biologische Mädchen 11 Jahre und für biologische Jungs 12 Jahre.
Die Hauptkritik betrifft die drastischen Folgen von PB (wie Infertilität), wenn anschließend gegengeschlechtliche Hormone angewendet werden. Aber genau diese Anschlussbehandlung, die bisher in nahezu allen Fällen erfolgte, ist nicht Gegenstand der Pathways-Studie, auch eine nachfolgende Studie ist nicht geplant. In der Studie wird noch nicht einmal angesprochen, wie es nach den 2 Jahren Pubertätsblockierung für die Minderjährigen, die dann möglicherweise erst 13 Jahre alt sind, weitergeht. Ein anstehendes Gerichtsverfahren von Kritikern (u. a. Bayswater Support Eltern) wurde nicht abgewartet. Es geht darum, dass die Studie unethisch sei, da Minderjährige keine ordnungsgemäße Einwilligung zu einer Behandlung mit Infertilitätsrisiken, die erst in der Zukunft relevant sind, geben können.
„Those who seek to prevent this trial are right. A recent large-scale study from Finland found that medical gender reassignment in youth hadn’t improved mental health, and in some cases may have worsened it. Where UK evidence is needed, far greater efforts must be made to acquire it from those already exposed to the effects of these lifechanging drugs, rather than subject a whole new cohort of distressed young people to potential risk.“ (The Times)
Children should not be guinea pigs for life-changing drugs – A clinical study of puberty blockers for young people should not be allowed to go ahead, The Times, 01.07.2026
Puberty blocker trial will help reduce harm, says Cass report author BBC. 22.06.2026
Update on the PATHWAYS clinical trial, gov.uk, 19.06.2026
Minimum age of 11 set for UK puberty blocker trial, BBC, A. Holt, 18.06.2026
Puberty Blockers for 11-Year-Old Girls? It’s Happening. thefp, J. Bindel, 25.06.2026
Britain’s Study of Puberty Blockers Will Mostly Be a Pointless Waste, B. Ryan, 19.06.2026
Hilary Cass äußert sich mehrdeutig
Hilary Cass, die in ihrem Abschlussbericht weitere Forschung empfohlen hatte, sagte zu Hannah Barnes:
„I didn’t even necessarily anticipate whether or not such a trial would get through an ethics committee, or whether a group of academics would be able to even design a trial, given the circumstances that we’re in now. So, I didn’t prejudge whether it would happen… And if the ethics committee had said, despite everything, we don’t think this is an ethical approach, then I would have been content with that too.”
Will the new puberty blocker trial put children at risk? H. Barnes, 06.12.2025
Gender dysphoria is just a phase. Hilary Cass has proof, telegraph, S. Moore, 17.02.2026
Hilary Cass sorgt für Irritationen
Im Oberhaus sorgte Cass Ende Juni 2026 für Irritationen, als sie den folgenden Fall skizzierte:
„I ask noble lords to consider the case of a child who I will call Jo who was a biological male, socially transi-tioned at two and a half by his parents. At eleven, she – which I say advisedly because the chances of her reverting to her biological gender is vanishingly remote – she has been in stealth and will not go to second-ary school because she is so afraid of being outed in that environment. She’s now refusing to come out of her room except very rarely and she now has weak bones, not as a result of puberty blockers but through inactivity. I ask the noble lady the minister should her subsequent treatment be decided by politicians or by the clinicians who are looking after her?”
Cass entlarvt damit unbeabsichtigt die „soziale Transition" als Kindesmissbrauch und liefert weitere Argumente, die gegen die Pathways-Studie sprechen. Wie lässt sich rechtfertigen, bei Minderjährigen, die bereits Knochenschäden haben, eine Behandlung mit Pubertätblockern zu beginnen? Warum hat in dem zitierten Fall offensichtlich jeglicher Kinderschutz versagt?
Abuse of a two and a half year-old child, transgendertrend, 30.06.2026
Unser Beitrag vom Februar 2026:
Darf die natürliche Pubertät in Studien blockiert werden?
Pathway-Studie – Neueste Entwicklung: Die Studie wurde ausgesetzt, nachdem am 20.02.2026 die britische Arzneimittelbehörde Bedenken hinsichtlich des „sehr wahrscheinlichen Verlustes der Fruchtbarkeit“ und dauerhafter Knochenschäden durch die Pubertätsblockierung bei Jugendlichen geäußert hat. Bisher enthielt das Studienprotokoll keine Altersuntergrenze. Die Arzneimittelbehörde erklärte:
„Since potentially significant and, as yet, unquantified risk of long-term biological harms is present to participants and biological safety has not been definitively demonstrated in this proposed cohort, at the very least, there should be a graded … approach starting with those aged 14 as the lower limit of eligibility."
Es ist vollkommen unverständlich, dass die englischen Behörden – einschließlich der Arzneimittelbehörde MHRA – die Studie bisher medizinisch und ethisch genehmigt hatten. Das wichtige Risiko der Infertilität ist das ethisch kritischste. Die MHRA nannte am 20.02.2026 keine neuen Sachverhalte. Die vorgesehene Beratung der Studienteilnehmenden zur Fertilitätsprotektion verdeutlicht das seit Jahren bekannte Risiko der Medikalisierung. Bisher war Fertilitätsprotektion bei genderdysphorischen Minderjährigen, die PB und CSH in Anspruch genommen haben, kaum gewünscht bzw. sinnvoll
UK clinical trial into puberty blockers on hold after medicines regulator steps in, guardian, 20.02.2026
PATHWAYS clinical trial paused following new MHRA advice, DHCS, 20.02.2026
What happens next after the MHRA halts puberty blocker trial, H. Barnes, 22.02.2026
26.02.2026: Gesundheitsminister, Wes Streeting, will nun doch die sog. Datenverknüpfungs-Studie durchsetzen.
New law will allow for study to see what happened to children who received gender care, H. Barnes, 26.02.2026
Großbritannien: Studie zu pubertätshemmenden Hormonen vorerst ausgesetzt, Dt. Ärzteblatt, 23.02.2026
Der genderkritische Professor
Ende Februar wurden weitere Details bekannt. Zum einen wurde die Pathways-Studie vom Gesundheitsministerium ausgesetzt, nachdem Professor Jacob George vom MHRA interveniert hatte. Er war im Januar zum neuen medizinischen und wissenschaftlichen Leiter der Arzneimittelzulassungsbehörde (MHRA) ernannt worden. Kurz darauf wurde Prof. George, Professor für Herz-Kreislauf-Medizin an der Universität von Dundee, von seiner eigenen Behörde „vorsichtshalber“ von der Beteiligung an der klinischen Pathways-Studie ausgeschlossen. Als Grund wird eine Reihe von Beiträgen in den sozialen Medien im letzten Jahr angegeben, in denen er genderkritische Ansichten vertreten habe. Diese Ansichten dürften nicht die Erfüllung seiner öffentlichen Pflichten beeinträchtigen. Es handelte sich beispielweise um die Zustimmung zu einem Posting von JK Rowling. Zudem reagierte er auf die Testergebnisse der algerische Olympia-Boxerin Imane Khelif mit: „Die Leugnung grundlegender biologischer Tatsachen ist besorgniserregend.”
Professor who stopped Pathways puberty blocker trial recused over ‘bias’, thetimes, 28.02.2026
Datenverknüpfungs-Studie soll jetzt doch forciert werden
Gesundheitsminister Wes Streeting will nun doch die längst überfällige sog. Datenverknüpfungs-Studie durchsetzen. In dieser retrospektiven Studie, sollten die vorhandenen Routinedaten der 2009-2020 im Tavistock GIDS behandelten Minderjährigen mit den Daten derselben Personen verknüpft werden, die jetzt Patienten in der Erwachsenenklinik sind. Während des Cass-Review hatte diese Studie alle Genehmigungen, war jedoch an der mangelnden Zusammenarbeit vonseiten der Genderkliniken für Erwachsene gescheitert. Am 26.03.2026 wurde dazu jetzt eine entsprechend aktualisierte Verordnung im Parlament verabschiedet.
New law will allow for study to see what happened to children who received gender care, H. Barnes, 26.02.2026
Warum gab es bisher grünes Licht für das Studienprotokoll?
Anscheinend hatten bis letzte Woche weder die unabhängige Forschungs-Ethikkommission die Pathways-Studie gründlich geprüft, noch die Arzneimittelbehörde. Helen Joyce begründet in einem Interview, warum sie überzeugt ist, dass Studien, in denen GnRHa-Medikamente an gesunden Kindern getestet werden, immer ein No-Go sind – ethisch niemals akzeptabel. Allein die Idee, dass man „die richtigen Kinder auswählen" könne, „war schon immer dumm.“ Zudem ist das Studienprotokoll, in dem die Pubertätsblockierung isoliert und als eigenständige Behandlung betrachtet wird, abseits der Realität. Bekanntermaßen wechseln 98 % derjenigen, die Pubertätsblocker bekommen, später zu CSH.
Puberty-blocker trial put on hold – Helen Joyce joins Julia Hartley-Brewer, 23.02.2026
Die wichtigsten Punkte, die die Pathways-Studie infrage stellen
Suzanne Moore weist auf die „Knackpunkte“ der ohnehin umstrittenen Studie hin:
Die Nichtberücksichtigung, dass bei der gender-affirmativen Versorgung Pubertätsblocker fast immer zu einer lebenslangen Medikalisierung führen.
Die jetzt aktuell nachgeschobene Forderung der Arzneimittelbehörde, die Teilnahme an der Studie erst ab 14 Jahren vorzusehen, würde viele Studienziele praktisch obsolet machen, da viele Teenager, insbesondere Mädchen, dann bereits körperlich die Pubertät weitgehend durchlaufen haben.
„No new evidence caused the MHRA to pull the trial back. Rather, they got cold feet about the age of the children involved when it came to the trial protocol that meant asking them about 'fertility preservation'. Are you really going to ask small girls who have never had a period about 'egg retrieval' for freezing? Are you going to ask young boys about sperm donation before you set them on a path to future infertility? How can a child consent to this?“
Diese brennenden Fragen zur Studie wurden spätestens ab Herbst 2025 in der Öffentlichkeit diskutiert. Statt lediglich sein „Unwohlsein bezüglich der Studie“ zu bekunden, wäre es nach Ansicht von Suzanne Moore die Aufgabe von Gesundheitsminister Wes Streeting gewesen, einzugreifen und die Studie zurückzuziehen.
„That was Streeting’s job. What stopped him? Cowardice? Shame on all those who, like him, abandoned children and that ethical principle: 'Do no harm.'"
Wes Streeting has abandoned the ‘do no harm’ principle. Shame on him, telegraph, S. Moore, 24.02.2026
Die Alternative zur Pathways-Studie und grundlegende Bedenken
Aktuell fordern auch 23 Fachärzte für Psychiatrie die britische Regierung auf, diese Nachverfolgungsstudie zu präferieren, statt die Pathways-Studie fortzusetzen.
Hilary Cass hatte eine 'Data Linkage'-Nachverfolgungsstudie zu den Ergebnissen der Behandlung der 9.000 Minderjährigen angestrengt, die zwischen 2009 und 2020 in der Tavistock Genderklinik behandelt worden sind. Ca. 2.000 davon hatten Pubertätsblocker bekommen.
Diese Studie hatte bereits die ethische Genehmigung und sollte ursprünglich Teil des Cass-Reviews sein, konnte jedoch aufgrund mangelnder Kooperation seitens der NHS-Gender-Kliniken nicht durchgeführt werden. Es halten sich Gerüchte, dass die Patientenakten in der Gender-Klinik nicht den üblichen Anforderungen entsprechend geführt worden sind.
In einem sehr kompetent formulierten Offenen Brief fordern Studierende des King's College London, die von Cass beabsichtigte Datenverknüpfungs-Studie unbedingt vor weiteren neuen sonstigen Studien durchzuführen:
„This study would allow researchers to assess medium-term physical, psychological, and social outcomes using already existing data, without exposing any additional children to medical risk. Compared to the PATHWAYS trial, the data-linkage study is superior in every way: it would draw on a vastly larger sample size, allow for much longer follow-up than the two years proposed in PATHWAYS, produce results more quickly since the relevant data already exists, and avoid the risk of harming any additional children."
Zudem wird die Pathways-Studie in diesem Offenen Brief als „ideologisch motiviert" beurteilt.
„[The trial] treats claims associated with gender identity ideology, such as the notion that a child’s asserted gender identity should be affirmed through medical intervention, as established fact, rather than as hypotheses that remain subject to serious debate within medicine, psychology, and the social sciences..
„When a trial embeds a particular ideological framework as its starting point, it risks shaping research questions, outcome measures, and interpretation of results in a way that favours a predetermined conclusion. Such bias is especially concerning in a field where the evidence base is weak, the population is vulnerable, and alternative explanatory and therapeutic models exist. One significant issue that this leads to is a lack of genuine clinical equipoise.“
Der Offene Brief enthält alle bekannten Kritikpunkte, betont wird dort:
„Our final concern regarding this trial is perhaps the most serious: there is a growing concern that contemporary gender medicine may, in practice, function as a form of modern gay conversion therapy."
Open Letter to King’s College London in Condemnation of the PATHWAYS Trial, 23.02.2026
Minderjährige haben ein Recht auf Unversehrtheit
Wie passt zusammen, dass Kinder ein Recht auf Unversehrtheit haben, aber anscheinend nicht das Recht auf eine natürliche Pubertät?
Erwachsenwerden ohne Pubertät?
Stella O’Malley ruft dazu auf, die Experimente an Kindern zu unterlassen, da die Pubertät ein normaler, notwendiger Teil des Erwachsenwerdens ist. Pubertät ist keine Krankheit und nicht das eigentliche Problem, nichts, was man aufhalten, verschieben oder pausieren kann.
„Let the tomboys be. Let the feminine boys wave their fairy wands and find their own path. Let kids be weird and wild. That’s childhood.
Puberty is not an error to be corrected. It’s the bridge between who we were and who we’re becoming. Blocking it doesn’t hit pause. It derails the individual onto a pathway of lifelong medicalisation.“
No more experiments on children, Spiked, S. O’Malley, 22.06.2025
We Can't Have Both Tomboys and Trans Boys – When gender identity wins, gender non-conformity loses, E. Kurilova, 16.01.2026
Stella O’Malley ist außerdem davon überzeugt, dass keine weitere PB-Studie benötigt wird, da frühere Studien bereits gezeigt haben: Wenn man die Pubertät unterdrückt, wird nicht die Notlage gelindert, sondern die Entwicklung des Kindes „eingefroren".
„Puberty is not simply the development of secondary sex characteristics. It is the process that carries us into adulthood. Blocking it freezes development at the very stage when most children would naturally outgrow their distress. As a result, the rate at which children desist in their identification with a trans identity, which is roughly 80 per cent, falls to just two per cent.“
Why the NHS puberty-blockers trial is a catastrophic mistake, S. O’Malley, 27.11.2025
Puberty blockers: Growing calls to pause controversial trial from medics, lawyers, and public, bmj, S. O'Malley, 26.01.2026
Keira Bell kündigt Klage an
Nachdem sie als Teenager Pubertätsblocker und CSH erhalten hatte, forderte Keira Bell, die die Tavistock Gender Clinic im Jahr 2020 vor Gericht gebracht hatte, eine sofortige Einstellung der Studie. Andernfalls würden sie und James Esses ein gerichtliches Überprüfungsverfahren vor dem High Court starten.
Unser ursprünglicher Beitrag zur Pathways-Studie vom 25.11.2025:
Darf die natürliche Pubertät in Studien blockiert werden?
Seit 2024 ist in England die Pubertätsblockerbehandlung bei Jugendlichen gesetzlich untersagt, nachdem die Evidenzlage als unzureichend, inkonsistent und sehr unzureichend eingeschätzt worden war. Leider ließ Hilary Cass eine einzige legale Ausnahme zu: den Einsatz unter kontrollierten Studienbedingungen. Offen ist, ob das ein Zugeständnis an Pro-Trans-Gruppierungen wie Mermaids war, da die Genehmigung durch die Ethikkommission unwahrscheinlich schien.
Nun wurde in England eine neue, mit 10-Mio-Pfund(!) finanzierte Studie namens Pathways angekündigt, in der Experimente mit Pubertätsblockern an Teenagern legitim eingesetzt werden sollen – und das trotz folgender Versäumnisse bzw. Unterlassungen:
- seit Jahrzehnten wurden Pubertätsblocker (PB) weltweit nicht zugelassen (Off-label-Verwendung),
- es wurden keine Tierstudien durchgeführt,
- die vorhandenen Daten von ca. 9.000 im GIDS (NHS) behandelten Jugendlichen des letzten Jahrzehnts wurden bisher nicht ausgewertet und
- Einrichtung eines Gesundheitsdienstes für die Versorgung der wachsenden Gruppe Detransitionierter oder Ex-Trans.
Kritiker sind überzeugt, dass die Studie so konzipiert ist, dass sie keine neuen Erkenntnisse bringen wird, aber weitere Kinder schädigt. Sie halten sie daher für überflüssig.
Proposed NHS puberty blocker trial - An Open Letter from Genspect to Dr Hilary Cass, Genspect, 03.12.2025
Will the new puberty blocker trial put children at risk? H. Barnes, 06.12.2025
Suzanne Moore (The Telegraph) berichtet:
„Serious gender-critical reporters such as Sonia Sodha and Hannah Barnes (who exposed the Tavistock scandal) were told they weren’t allowed to attend the press briefing at the Science Media Centre, so the organisers of the trial must know this is all highly controversial.“
This puberty blocker trial is a wicked betrayal of our children, S. Moore, 24.11.2025
Die beiden Journalistinnen Sonia Sodha und Hannah Barnes („Time to Think“) erhielten keine Zulassung zur Pressekonferenz mit der Begründung, dass sie keine „spezialisierten“ Gesundheits- und Wissenschaftsjournalisten seien.
Studienprotokoll
Ab Anfang 2026 sollen sukzessive monatlich 5-6, insgesamt bis zu 226 Jugendliche unter 16 Jahren teilnehmen. Das sind Minderjährige, deren psycho-sexuelle Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, bei manchen hat sie gerade erst begonnen. Es gibt kein Mindestalter, stattdessen ist das physische Pubertätsstadium Tanner 2/3 relevant, das bei ♀ ab 10 Jahren, bei ♂ ab 11 Jahren eintreten kann. Allerdings können laut Studiendesign auch Jugendliche im Tannerstadium 4/5 Pubertätsblocker erhalten, wobei sich die Frage nach dem Sinn stellt, da Tanner 5 das Ende der Pubertät und die vollständige körperliche Reife markiert). PB können nach der Pubertät wahrscheinlich nichts mehr bewirken.
Nach dem Losverfahren erhält die Hälfte der Jugendlichen sofort Pubertätsblocker, die andere Hälfte ein Placebo und erst ein Jahr später die Pubertätsblocker. Diese Vorgehensweise wird als randomisierte Studie bezeichnet. Wie bei anderen Studien zu Pubertätsblockern erhalten alle Teilnehmenden psychosoziale Unterstützung.
Voraussetzung ist, dass bei den teilnehmenden Jugendlichen die H60-Diagnose (ICD-11) gestellt wurde, die Genderinkongruenz seit mindestens 2 Jahren besteht. Da die H60-Diagnose nach ICD-11 kein Kriterium für „Leidensdruck“ enthält, reicht es aus, dass der Wunsch nach „Geschlechtsangleichung“ besteht. „Wunsch" lässt darauf schließen, dass diese Diagnose nichts mit „medizinischer Notwendigkeit" zu tun hat, selbst wenn noch ein(!) Erziehungsberechtigter und ein multiprofessionelles Team der Behandlung zustimmen müssen.
ICD-11 – Genderincongruence
Transgendertrend schreibt über die Pathways-Studie:
„But the designers of the study have chosen to use the wholly ideological ICD-11 classification influenced by WPATH.“
„So we have a trial on children, some of whom may be as young as nine, based not on their mental health but on their ‘sexual health.’ We need to wake up.“
„Using the ICD-11 classification is a choice. It has nothing to do with medicine, it is a purely ideological diagnosis both conceptually and in its language."
„The part of the ICD-11 classification of Gender Incongruence of Childhood which is left out of the trial synopsis is the bit that makes it clear that this is about a child not fitting stereotypes: ‘make-believe or fantasy play, toys, games, or activities and playmates that are typical of the experienced gender rather than the assigned sex.’“
Es gibt einige Ausschlusskriterien wie die instabile psychische oder physische Gesundheit, Beeinträchtigungen der Fähigkeit zur Einwilligung nach Aufklärung oder schwierige familiäre oder häusliche Verhältnisse. Außerdem dürfen noch keine Pubertätsblocker (aus sonstigen Quellen) oder gegengeschlechtliche Hormone angewendet worden sein.
Zusätzlich sollen unter dem Namen „Pathways Connect” etwa 150 Teilnehmer der Pathways-Studie sowie etwa 100 junge Menschen mit Genderinkongruenz teilnehmen, die keine Pubertätsblocker erhalten und sich einer MRT-Untersuchung des Gehirns unterziehen, wobei die Ergebnisse mit ihren Ergebnissen aus kognitiven Aufgaben und Tests verglichen werden.
Es sollen die kurz- und mittelfristigen Vorteile und Risiken von PB bei Jugendlichen mit Genderkongruenz ermittelt werden.
„While this will include looking at a young person’s quality of life and mental health, as well as the 'impact on cognition and brain development and physical effects in-cluding bone mineral density'."
Obwohl gerade die Untersuchung längerfristiger Auswirkungen der Pubertätsblocker für die Schließung der Evidenzlücken sinnvoll wäre, steht dies unter einem Finanzierungsvorbehalt. Alle Teilnehmenden werden zunächst während einer 2-jährigen Pubertätsblocker-Behandlung untersucht. Sie wurden für 40 Monate verpflichtet, an allen Terminen der Studie teilzunehmen. Erste Ergebnisse werden frühestens in 4 Jahren erwartet.
Die leitende Forscherin der neuen Studie, Emily Simonoff, Professorin für Kinder- und Jugendpsychiatrie am King’s College London, stellte fest:
„One might want to argue that puberty suppression should never have been made available to young people outside of a clinical trial some 10 or 15 years ago, and the most ethical thing would have been to do a trial at that point in time,”
Two UK clinical trials to assess impact of puberty blockers in young people, Guardian, 22.11.2025
Unbeantwortete Fragen und „blinde Flecken“
Die wichtigsten offenen Punkte
Die vorgestellte Pathways-Studie und ihre bisherige Dokumentation lassen etliche wichtige Fragen offen:
- Wie können die beobachteten Effekte eindeutig der medizinischen Intervention zugeordnet werden, wenn die Teenager parallel auch noch andere Unterstützungsleistungen erhalten? Dieses Problem ist bereits von früheren PB-Studien bekannt, wurde aber nie gelöst. Hinzu kommt, dass so gut wie nichts zur nicht-medizinische Versorgung zu erfahren war.
- Wie unterscheiden die ExpertInnen, welcher Jugendliche voraussichtlich transidentifiziert bleibt und welcher die Transidentifizierung im Laufe der Zeit des Erwachsenwerdens ablegt?
- Was passiert mit Teenagern nach den 2 Jahren Pubertätsblockade, die im Rahmen der Studie vorgesehen sind? Dürfen sie bereits vor dem 16. Lebensjahr mit der gegengeschlechtlichen Hormonbehandlung beginnen, was derzeit vom NHS nicht möglich ist? Oder wird die Pubertätsblockade bis zum 16. Lebensjahr verlängert, was aber zu unüblichen bis zu 5 Jahren Pubertätsblockade und einem hohen Risiko für die Knochengesundheit und zur weiteren Verzögerung der geistigen, körperlichen und identitätsbezogenen Entwicklung führt?
- Forschungsanstrengungen zu Cross-Sex-Hormonen, die ebenfalls von Hilary Cass gefordert wurden, haben noch nicht begonnen. Lediglich eine klinische Überprüfung dieser Hormone – einschließlich einer Bewertung möglicher Schäden durch die fortgesetzte Verwendung unregulierter Hormone von privaten Anbietern – wurde abgeschlossen, sie soll aber nur zur politischen Meinungsbildung dienen und wird nicht veröffentlicht.
Dagegen ist die Pathways-Studie bereits die 2. Studie zu Pubertätsblockern des NHS. - Welche Fragen können mit einer nur zweijährigen Beobachtung von pubertätsblockierten Teenagern unter Studienbedingungen geklärt werden, die nicht bereits bekannt sind? Ist ein derartiges Studiendesign tatsächlich sinnvoll? Immerhin stehen 10 Mio. Pfund (~ 45.000 Pfund pro Teenager) zur Verfügung.
- Warum wird nicht abgewartet, welche sexuelle Orientierung ein Teenager in der Pubertät entwickelt, insbesondere bei Mädchen, die zu jeder Zeit unter Testo gut maskulinisieren?
- Wäre es nicht sinnvoller, mit der Medikalisierung zu warten, weil es für Teenager während der Pubertätsblockade kaum möglich ist, sexuelle Erfahrungen zu machen und/oder eine mögliche Homosexualität zu entdecken?
- Ultima Ratio? Wie ist es zu verantworten, dass Pubertätsblocker früh verwendet werden, ohne andere nicht invasive Behandlungsmethoden versucht zu haben und ohne die individuelle psychologische Erforschung der Genderidentität und der Gender-Notlage?
- Ohne die Frage zweifelsfrei zu klären, was Genderidentität ist, ob sie tatsächlich existent oder eher eine Fiktion ist, macht die Medikalisierung eines psychischen Problems, dessen Kern die Genderidentität ist, wenig Sinn.
Die Untersuchung längerfristiger Auswirkungen der Pubertätsblocker wäre zwar für die Schließung der Evidenzlücken sinnvoll, steht jedoch unter einem Finanzierungsvorbehalt und muss letztlich politisch entschieden werden. Alle Teilnehmenden werden zunächst für 40 Monate verpflichtet, an allen Terminen der Studie teilzunehmen.
Genderinkongruenz medikalisieren?
Mia Hughes kritisiert, dass in der neuen Studie „Kinder und Jugendliche mit Genderinkongruenz" medikalisiert werden sollen, so das 113-seitige Studienprotokoll, was kein medizinischer Zustand ist, lt. ICD-11 keine Krankheit, es muss noch nicht einmal ein Leidensdruck gegeben sein.
„Indeed, convincing the WHO to replace “gender identity disorder” (ICD-10) with “gender incongruence” (ICD-11) was their crowning achievement: the moment their depsychopathologization campaign reached its ultimate goal of redefining transgender identities as innate and healthy while clearing the path for on-demand hormonal and surgical interventions.“
The NHS Puberty Blocker Trial: Science Built on Make-Believe – The dangerous fantasy fueling the Pathways Trial, Mia Hughes, 04.12.2025
Unterstützt das Studiendesign die Hypothese, dass PB von Nutzen sind?
Möglicherweise werden Teenager, die merken, dass sie zur ersten Gruppe gehören, sofort Blocker erhalten, zufriedener sein und sich positiver äußern, als diejenigen, die feststellen, dass sie zur zweiten Gruppe gehören, die 1 Jahr auf die ersehnte Behandlung warten muss. Das Ergebnis könnte sein: Der Benefit von Pubertätsblockern ist größer, wenn sie früher zum Einsatz kommen. Außerdem können während nur 2 Jahren Beobachtungszeit noch keine signifikanten Schäden festgestellt werden, sodass Pubertätsblocker für diesen Zeitraum als unbedenklich eingestuft werden.
Ist die Prämisse fehlerhaft?
Sarah Ditum zitiert in ihrem Beitrag für The Times u. a. Dr. Melissa Midgen (frühere Mitarbeiterin Tavistock GIDS-Klinik), die überzeugt ist, dass die Studie kaum aussagekräftige Ergebnisse liefern kann:
„The whole premise is flawed. Gender dysphoria is an issue, ‘trans’ is the wrong solution."
Bekannt ist, dass eine normale Pubertät keine Krankheit ist und Kinder nicht im falschen Körper geboren werden. Sarah Ditum:
„However well intentioned this study is, it is asking the wrong questions, and that means it can only deliver the wrong answers."
Allein schon diese Annahmen verzerren die Ergebnisse von Pubertätsblocker-Studien:
„One issue is that the children who volunteer for the trial will by definition already believe that medication is the answer to the “problem” of their maturing bodies, as will their parents and medical providers. When their puberty is paused, they will experience that as a positive outcome. All it will mean, though, is that people tend to be happy when they get what they want, and that is hardly a basis for medicine.“
We’ll learn nothing from puberty blockers trial, S. Ditum, 20.11.2025
Warum der Trick, PB und CSH als unabhängige Behandlung zu sehen
Um die Genehmigung der Ethikkommission zu bekommen, wurde die Pubertätsblockade als unabhängige und jederzeit zu beendende Maßnahme gehandhabt. Es wird so getan, als sei offen, was nach den Pubertätsblockern kommt, während bekannt ist, dass nahezu alle Jugendlichen anschließend zu Cross-Sex-Hormonen (CSH) wechseln, d. h., auf dem medizinischen Pfad bleiben.
Theoretisch können Jugendliche PB absetzen, dann würde die natürliche Pubertät einsetzen. Faktisch setzen nahezu alle genderinkongruente Jugendlichen nach der Pubertätsblockierung ihre Transition mit CSH fort. PB haben ihre Unschuld als Pausetaste verloren, sie wirken wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Die Pubertätsblockade hat sich als „nicht-neutral“ erwiesen, sie fixiert Teenager auf ihre Transidentität und ist somit der Auftakt der medizinischen Transition.
Frühe Pubertätsblocker mit anschließendem Wechsel zu CSH haben immer Infertilität zur Folge, weil die Geschlechtsorgane weder vor, während noch nach der Blockade das Fertilitätsstadium erreichen können, weil die für lebensfähige Keimzellen erforderliche Reifung verhindert wurde. Dazu werden keine Studien benötigt. Gerade die Infertilität wäre ein Grund, solche Studien aus ethischer Sicht nicht durchzuführen, insbesondere weil es sich um Minderjährige handelt. (Um Keimzellen produzieren zu können, muss vor der Pubertätsblockade mind. Tannerstadium 4 erreicht worden sein. Taylor u. a., 2024)
Tatsächlich wird mit den teilnehmenden Teenagern an der Pathways-Studie und deren Eltern über fruchtbarkeitserhaltende Maßnahmen gesprochen. Die Frage bleibt, ob ein 10- oder 11-jähriges Kind verstehen kann, was Kinderlosigkeit in einer späteren Lebensphase bedeutet. Zudem sind solche Maßnahmen erst erfolgreich, wenn die Teenager reife Keimzellen produzieren können, d. h., älter sind und nicht medikalisiert wurden.
Wenn es sich um eine umfassende sog. informierte Einwilligung handeln soll, müssen die Aufklärung bereits vor Beginn der Pubertätsblockade nicht nur die Infertilität durch die frühe PB mit nachfolgenden CSH umfassen, sondern auch die weiteren Risiken. Bekannt sind fehlende Sexualfunktion, Beckenbodenfunktionsstörungen, Atrophien der Sexualorgane, Harninkontinenz, erhöhtes Brustkrebsrisiko, Gewichtszunahme, vorzeitige Wechseljahrsbeschwerden, Verschlechterung der psychischen Gesundheit, kardiovaskuläre Komplikationen, Typ-2-Diabetes und eine verkürzte Lebenserwartung. Außerdem sind Sexualhormone für die Entwicklung des Gehirns von entscheidender Bedeutung, speziell in kritischen Entwicklungsphasen wie der Pubertät.
Fakt ist, dass die Behandlung von Jugendlichen mit Cross-Sex-Hormonen nicht Teil der Pathways-Studie ist!
The trial protocol briefly mentions that 98% of children who take blockers go on to take sterilising cross sex hormones, but makes no effort to grapple with what it means for medical professionals to render physically healthy children infertile simply because they are distressed about their sexed bodies.
The PATHWAYS Puberty Blocker Trial Betrays Vulnerable Young People, C. Clark, 25.11.2025
Pubertätsblocker sind eher ein Sprungbrett zu Cross-Sex-Hormonen
In der Urteilsbegründung zum Keira-Bell-Urteil Ende 2020 war das Gericht überzeugt: Es entspricht nicht der Realität, die Phase der Verwendung von PB und die Phase der Verwendung von Cross-Sex-Hormonen als komplett unabhängig voneinander zu betrachten, nur weil die Betroffenen die Behandlung theoretisch jederzeit beenden könnten.
„In our view this does not reflect the reality. The evidence shows that the vast majority of children who take PBs move on to take cross-sex hormones, that Stages 1 and 2 are two stages of one clinical pathway and once on that pathway it is extremely rare for a child to get off it."
Auch dem Argument, dass Pubertätsblocker eine Art Pausentaste seien, die Zeit zum Nachdenken schafften, folgte das Gericht nicht:
„But the use of puberty blockers is not itself a neutral process by which time stands still for the child on PBs, whether physically or psychologically. PBs prevent the child going through puberty in the normal biological process. As a minimum it seems to us that this means that the child is not undergoing the physical and consequential psychological changes which would contribute to the understanding of a person’s identity. There is an argument that for some children at least, this may confirm the child’s chosen gender identity at the time they begin the use of puberty blockers and to that extent, confirm their GD and increase the likelihood of some children moving on to cross-sex hormones. Indeed, the statistical correlation between the use of puberty blockers and cross-sex hormones supports the case that it is appropriate to view PBs as a stepping stone to cross-sex hormones."
Urteil des High Courts London im Fall Keira Bell vs. Tavistock&Portman NHS Trust, 01.12.2020
Mehr …
Janey Galloway, Direktorin von Evidence Based Autism, schrieb einen Brief an Lady Cass, da sie überzeugt ist, dass die Pathways-Studie das Thema Autismus nicht hinreichend berücksichtigt:
Autistic Children and the puberty blockers trial, J. Galloway, 28.11.2025
New puberty blocker trial approved for children, but questions remain, Hannah Barnes, 21.11.2025
Genspect condemns reckless new trial of puberty blockers for gender distressed youth, PM Genspect, 22.11.2025
Pathways Trial started, King’s College London, 21.11.2025
What Does Informed Consent Mean in the Context of GnRH Analogues for Gender Dysphoria? Dr. I. Ross, 24.11.2025
Darf man die natürliche Pubertät blockieren oder verhindern?
❗Keir Starmer facing growing rebellion as MPs issue major trans demand, GBN, 09.12.2025
Wie The Telegraph herausgefunden hat, bekommen Jugendliche, die an der Pathways-Studie teilnehmen, für einzelne Tests Gutscheine – in Summe beträgt deren Wert bis zu 500 £. Während einige Verantwortliche die Gutscheine als eine Art übliche „Aufwandsentschädigung" für die erforderliche Zeit bei den Untersuchungen bewerten, kritisieren einige PolitikerInnen die Vergabe. Die Schattenministerin für Gleichstellung sagte:
„These children are in a vulnerable position. Adults should not be giving them vouchers in return for being experimented on."
Der Ethikkommission sei diese Vorgehensweise im Forschungsprotokoll mitgeteilt worden.
Children paid in NHS puberty blocker trial backed by Streeting, telegraph, 12.02.2026
Zehn Prozent besorgen sich CSH außerhalb des NHS
Von den genderinkongruenten/-dysphorischen Jugendlichen (alle U18), die derzeit in den 3 geöffneten Gender-Kliniken des NHS behandelt werden, besorgen und medikalisieren sich 10 % mit Cross-Sex-Hormonen über Online-Apotheken, ausländische Anbieter oder andere Quellen.
One in ten children receiving NHS gender care are self-medicating with sex hormones, H. Barnes, 16.12.2025
Hilfe! Ich glaube, ich bin eine Deontologin*)
Carrie Clark schreibt, warum sie die PATHWAYS-Pubertätsblocker-Studie kategorisch ablehnt:
Neulich habe ich ein neues Wort gelernt: „Deontologie“ oder „deontologische Ethik“. Ich bin in Ian Hackings ausgezeichnetem Buch Rewriting the Soul – Multiple Personality and the Sciences of Memory darauf gestoßen. Philosophiebegeisterte kennen den Begriff wahrscheinlich bereits, aber für mich war er eine erfreuliche Neuheit. Er hat mir geholfen, einige meiner Gedanken zur PATHWAYS-Studie zu Pubertätsblockern einzuordnen, von der wir diese Woche erfahren haben, dass die Rekrutierung der Teilnehmer im August beginnen wird.
Hacking definiert die deontologische Ethik in einem Kapitel seines Buches über Kindesmissbrauch als Gegenpol zur „utilitaristischen“ oder „konsequentialistischen Ethik“. Mit seinen eigenen Worten:
Der Konsequentialismus beurteilt, ob eine Handlung gut oder schlecht ist, anhand ihrer Folgen. Die Deontologie vertritt die Auffassung, dass es kategorische Imperative geben kann, bestimmte Handlungen auszuführen oder zu unterlassen, unabhängig von ihren Folgen.
Ich bin mir sicher, dass die meisten von uns instinktiv das Gefühl haben, Deontologen zu sein, wenn es um ein grundlegendes Unrecht wie Kindesmissbrauch geht. Wie Hacking es ausdrückt, ist Kindesmissbrauch ein „absolutes Übel“. Wir müssen keine hieb- und stichfesten Beweise für negative Folgen vorlegen, um zu behaupten, dass es immer, ohne Ausnahme, falsch ist, ein Kind zu misshandeln.
Dennoch zeigt Hacking gekonnt auf, wie sehr wir konsequentialistische Argumente schätzen und wie oft wir fast unbewusst in eine konsequentialistische Haltung verfallen, ohne es wirklich zu merken. Er hinterfragt die Forschungsergebnisse, die angeblich belegen, dass Kindheitstraumata unweigerlich zu Problemen der psychischen Gesundheit, psychosozialen Schwierigkeiten und schlechten Lebensperspektiven führen – in Abschnitten, deren Lektüre ausgesprochen unangenehm ist. Das konsequentialistische Argument zu akzeptieren und zuzulassen, dass Kindesmisshandlung möglicherweise weniger negative Folgen hat, als allgemein angenommen wird, kommt beunruhigend nahe daran, das moralische Argument gänzlich aufzugeben. Wie Hacking sicherlich beabsichtigt hatte, fragte ich mich ängstlich, worin meine Ablehnung eigentlich bestand, wenn es keine Beweise für einen Schaden gab.
Doch aus der deontologischen Perspektive, die Hacking einnimmt, sind „schlechte Ergebnisse“ irrelevant für die Entscheidung, ob Kindesmissbrauch unmissverständlich abgelehnt werden sollte. Tatsächlich argumentiert er, dass die Suche nach „schlechten Ergebnissen“, mit denen ein zweifelhaftes konsequentialistisches Argument aufgebläht werden soll, sogar eine Ablenkung von dem sein könnte, was wirklich zählt:
Viele Aktivisten gegen Kindesmissbrauch, die (meiner Meinung nach) Deontologen sein sollten, die sich auf das absolut Böse des Kindesmissbrauchs konzentrieren, sind in der Praxis Konsequentialisten, die versuchen, schlechte Folgen solcher Handlungen aufzudecken.
Ich habe 2 Jahre damit verbracht, konsequentialistische Argumente gegen die PATHWAYS-Studie zu Pubertätsblockern vorzubringen. Ich habe die „schlechten Folgen“ von Pubertätsblockern so oft und auf so viele verschiedene Arten dargelegt, dass ich sie im Schlaf aufzählen könnte:
- Osteoporose,
- kognitive Beeinträchtigungen,
- sexuelle Funktionsstörungen,
- Unfruchtbarkeit,
- Verschlechterung der psychischen Gesundheit,
- das „Festschreiben“ einer Identität, die für die meisten jungen Menschen vergänglich ist
- …
Wir müssen die genaue Häufigkeit und das Ausmaß dieser Schäden noch genau bestimmen, aber sie lassen sich in den uns bereits vorliegenden Forschungsergebnissen durchweg nachweisen.
Wie so viele andere habe ich diese Schäden in Berichten, Briefings, Podcasts, offenen Briefen und Artikeln endlos aufgezählt. Ich habe sogar an der Ausarbeitung des Genspect-Absichtserklärungsmemorandums zum Schutz der Pubertät mitgewirkt. Ich habe die unsinnigen Behauptungen der Befürworter der Studie zu Themen wie Suizid und vorzeitiger Pubertät widerlegt und stets versucht, Detransitionierte in meiner Advocacy-Arbeit in den Mittelpunkt zu stellen. Ihre verheerenden Erfahrungen mit Reue und Gewissensbissen stellen meiner Ansicht nach den schlagkräftigsten Beweis dafür dar, dass die medizinische Transition bei Minderjährigen schreckliche Folgen haben kann. Die Belege für „schlechte Ergebnisse“ der medizinischen Transition bei Kindern häufen sich von Tag zu Tag, und es scheint mir, dass wir bei jeder fairen Bewertung die konsequentialistischen Argumente für uns gewonnen haben. Dies ist ein gescheiterter medizinischer Eingriff, wie meine Genspect-Kollegin Dr. Stella O’Malley wiederholt betont hat. Dennoch ist es uns bislang nicht gelungen, die Durchführung der Studie zu Pubertätsblockern zu verhindern.
Dies liegt zum Teil daran, dass die vorhandene Evidenzbasis gerade genug Unklarheiten aufweist, um den Befürwortern der Studie zu ermöglichen, eine eigene konsequentialistische Position einzunehmen. Ihrer Ansicht nach führt nicht die Verschreibung von Pubertätsblockern zu negativen Folgen, und sie halten an dieser Überzeugung mit ebenso großer Leidenschaft fest wie wir, ihre Gegner, an unserer eigenen. Kombiniert man dies mit der Tatsache, dass die für die Studie verantwortlichen Behörden es rundweg abgelehnt haben, sich mit den inhaltlichen Argumenten ihrer Kritiker auseinanderzusetzen, wird deutlich, wie wir zu unserem derzeitigen wenig erbaulichen Zustand einer konsequentialistischen Pattsituation gelangt sind.
Laufen Kritiker der Studie zu Pubertätsblockern Gefahr, den von Hacking identifizierten Fehler zu begehen, nämlich sich zu sehr an die konsequentialistische Position zu klammern, aus Angst, dass ein Einräumen dieser Position stillschweigend genau das legitimieren könnte, was wir zu bekämpfen versuchen? Etwas, das mich sehr beschäftigt hat, ist die Frage, zu welchem Ergebnis die Studie wahrscheinlich kommen wird, sollte sie durchgeführt werden. Sie wird nicht lange genug laufen, um die schwerwiegendsten Schäden der Pubertätsblockade, einschließlich Detransition und Reue, festzustellen.
Wie Helen Joyce, Direktorin von Sex Matters, hervorgehoben hat, wurde die Studie im Grunde darauf ausgelegt, zu testen, ob Kinder, die sich etwas wirklich, wirklich wünschen, glücklich sind, wenn sie es bekommen, und traurig, wenn nicht. Wenn sich (schockierenderweise) herausstellt, dass dies der Fall ist, werden wieder einmal langwierige konsequentialistische Debatten über die Abwägung von Schäden und vermeintlichen Vorteilen geführt werden müssen. In vielerlei Hinsicht hat man das Gefühl, dass wir an die Grenzen dessen gestoßen sind, was evidenzbasierte Medizin als Entscheidungsgrundlage tatsächlich leisten kann.
Ich schlage nicht vor, dass wir das konsequentialistische Denken gänzlich aufgeben. Es ist richtig und gut, dass Gesundheitsfachkräfte und medizinische Forscher, wie meine Kollegen beim Clinical Advisory Network on Sex and Gender (CAN-SG), weiterhin die mit der pädiatrischen Gendermedizin verbundenen Schäden dokumentieren. Politiker und Journalisten, die sich gegen die Studie aussprechen, müssen gut informiert und mit den fachlichen Fragen vertraut sein, um den Befürwortern auf Augenhöhe begegnen zu können. Was mich Hacking zum Nachdenken gebracht hat, ist die Frage, ob wir die breitere gesellschaftliche Kraft und Wirkung einer rein deontologischen Opposition unterschätzt haben. Ich habe versucht, dies in einem Social-Media-Beitrag über die Data-Linkage-Studie Anfang dieser Woche zu artikulieren:
Ich bitte die Kritiker der Pubertätsblocker-Studie inständig, sich nicht länger in Nebensächlichkeiten zu verlieren und über Forschungsethik, Gillick-Kompetenz, Einwilligung nach Aufklärung, Erhaltung der Fruchtbarkeit und Ähnliches zu streiten. Die Weigerung des NHS, die Data Linkage Study (DLS) abzuschließen, bevor eine neue Studie durchgeführt wird, ist das EINZIGE Argument, das es in dieser Frage zu bringen lohnt … Die Tatsache, dass der NHS sich darauf vorbereitet, ein Live-Experiment an vulnerablen Kindern durchzuführen, noch bevor er das Schicksal derjenigen geklärt hat, an denen er bereits Experimente durchgeführt hat, ist absolut verwerflich … Kritiker der Studie müssen aufhören, auf dem Terrain ihrer Gegner zu kämpfen, indem sie sich in technischen Details verlieren. Wir müssen die DLS unerbittlich auf die Tagesordnung drängen und die beschämende Heuchelei des NHS aufdecken.
Ich wollte damit sagen, dass wir das Selbstvertrauen haben sollten, uns von dem konsequentialistischen Diskurs zu lösen, in dem wir derzeit feststecken. Die Durchführung der DLS sollte ein kategorischer Imperativ sein, wie ihn Hacking im Zentrum der deontologischen Ethik verortet. Es ist irrelevant, ob die Studie zu Pubertätsblockern technisch gesehen eine „gute“ Studie ist. Es gibt keine Entschuldigung dafür, sie fortzusetzen, bevor das DLS abgeschlossen ist. Alle Mittel auszuschöpfen, um herauszufinden, was mit der Generation von Kindern geschehen ist, die bereits einer experimentellen Behandlung mit Pubertätsblockern unterzogen wurden, ist – ganz einfach und nach gesundem Menschenverstand – einfach das Richtige.
Ich denke, wir sollten wahrscheinlich vorsichtig sein, wie viele deontologische Überzeugungen wir uns zu eigen machen. Wenn alle Ihre ethischen Verpflichtungen auf „kategorischen Imperativen“ beruhen, für die Sie keinen objektiven Beweis benötigen, dann werden Sie wahrscheinlich genauso intolerant und engstirnig enden wie die schlimmsten Transaktivisten. Dennoch müssen wir manchmal den Mut aufbringen, das konsequentialistische Argument loszulassen und darauf zu vertrauen, dass die deontologische Alternative stark genug ist, um für sich allein zu stehen.
Man braucht kein Medizinstudium, um zu wissen, dass es falsch ist, die Pubertätsblocker-Studie durchzuführen, ohne zuvor die DLS durchzuführen. Das ist einfach gesunder Menschenverstand.
Angesichts der Tatsache, dass die für die Studie verantwortlichen Behörden entschlossen sind, die konsequentialistischen Argumente zu ignorieren, denke ich, dass es an der Zeit ist, auf der Grundlage dieser sehr einfachen Tatsache massiven öffentlichen Widerstand gegen die Studie zu mobilisieren.
*) Erstveröffentlichung bei Genspect, 29.06.2026









