Whistleblowing

132085180 lightwise 123rf Immer mehr Fachleute äußern sich zur Gender-affirmative Therapie bzw. -Versorgung. Tamara Pietzke ist die jüngste Whistleblowerin. Um an die Öffentlichkeit gehen zu können, hat sie Mitte Januar 2024 ihre Therapeuten-Stelle an der Mary Bridge Children's Gender Health Clinic in Washington gekündigt, nachdem sie gezwungen wurde, einem Trend zu folgen, der sie zunehmend beunruhigte und den sie für gefährlich hält, weil sie darin ein hohes Schadenspotential für ihre jungen KlientInnen sieht.

No matter the patient’s history or other mental health conditions that could be complicating the situation, I was simply to affirm that the patient was transgender, and even approve the start of a medical transition.

I believe this rise of 'affirmative care' for young people with gender dysphoria challenges the very fundamentals of what therapy is supposed to provide.

Tamara Pietzke schildert einige ihrer Fälle, bei denen die Transidentifizierung offensichtlich andere psychische Probleme überlagerte. Trotzdem hatten alle TherapeutInnen ihrer Klinik die Anweisung, ihr professionelles Urteilsvermögen und ihre Ausbildung zugunsten einer unhinterfragten Bestätigung der Selbstdiagnose von Teenagern als Trans* aufzugeben und ihnen schnellstmöglich die gewünschten Indikationsschreiben für die medizinische Transition auszustellen.

My biggest fear about the gender-affirming practices my industry has blindly adopted is that they are causing irreversible damage to our clients. Especially as they are vulnerable people who come to us at their lowest moments in life, and who entrust us with their health and safety. And yet, instead of treating them as we would patients with any other mental health condition, we have been instructed—and even bullied—to abandon our professional judgment and training in favor of unquestioning affirmation.

Sie stellte Fragen und teilte ihre Bedenken, aber ihre Vorgesetzten akzeptierten ihre Bedenken nicht, lasen die von ihr recherchierten Informationen nicht oder bezeichneten sie als falsch. Stattdessen wurde sie aufgefordert, ihre persönlichen Überzeugungen und Vorurteile gegenüber 'Trans-Kindern' zu überprüfen, die Affirmation und Weiterleitung an die Endokrinologen sei „Best Practice" und „Suizid-Prävention". Ihre Klienten wurden manchmal schnell anderen KollegInnen zugeteilt, von denen sie auch teilweise angefeindet wurde. 

„I am a 36-year-old single mother of three young kids all under the age of six. I am terrified of speaking out, but that fear pales in comparison to my strong belief that we can no longer medicalize youth and cause them potentially irreversible harm."

I Was Told to Approve All Teen Gender Transitions. I Refused. Tamara Pietzke, 05.02.2024

Washington therapist reveals how she was told to 'throw out all her training' and give 'gender affirming care' to abused, autistic, suicidal 13-YEAR-OLD, dailymail, 05.02.2024

Therapist blows whistle on hospital pushing teen gender transitions: 'Desperate to help my patients', foxnews, 05.02.2024

Einige Tage später

Einige Tage nachdem Tamara Pietzke auf die Gefahren der gender-affirmativen Versorgung" von Minderjährigen hingewiesen hatte, verlor sie ihren neuen Job. Das ist sehr bitter, aber sie bereut es nicht, unter die Whistleblower zu gehen.

‘I Was Fired After Blowing the Whistle’, Tamara Pietzke, 15.02.2024

Riittakerttu Kaltiala

Riittakerttu Kaltiala ist eine sehr bekannte finnische Kinder-/Jugendpsychiaterin und Forscherin, die lange Erfahrung mit der Behandlung von ROGD-Teenagern hat. Ihre persönliche Geschichte ist bemerkenswert, sie publiziert und hält mittlerweile weltweit Vorträge darüber, dass Finnland und andere nordische Länder (u. a. in systematischen Reviews) festgestellt haben, dass es keine soliden Beweise für die medizinische Transition junger Menschen gibt.

Kaltiala fiel schon bald nach der Veröffentlichung und Verbreitung des „Niederländischen Protokolls" auf, dass plötzlich die Zahl der PatientInnen sprunghaft anstieg und sich die PatientInnen-Population in Richtung Mädchen in der Pubertät verändert hatte. Diese Teenager hatten in sehr viel höherem Maße als bei den Niederländern, bereits seit der Kindheit schwere psychiatrische Störungen, äußerten Genderinkongruenz bzw. Genderdysphorie aber erst später.

Soon after our hospital began offering hormonal interventions for these patients, we began to see that the miracle we had been promised was not happening. What we were seeing was just the opposite. The young people we were treating were not thriving. Instead, their lives were deteriorating.

Bereits 2015 veröffentliche Kaltiala die desillusionierten Beobachtungen, die sie in Finnland gemacht hatten und die auch von KollegInnen anderer Länder zum großen Teil bestätigt wurden. 8 Jahre nach Eröffnung der pädiatrischen Gender-Klinik, kamen einige PatientInnen zurück, die ihre Transition bereuten. Kaltiala veranlasste ein systematisches Review, die nationalen finnischen Leitlinien sowie die pädiatrischen Bewertungen wurden geändert. In Finnland wird die Transition nun bis zum Erwachsenenalter aufgeschoben, als Primärtherapie werden psychosoziale Beratungen und Psychotherapie angeboten. Einige andere nordische Länder zogen nach, viele andere Länder haben sich noch nicht bewegt.

Gender-Affirming Care Is Dangerous. I Know Because I Helped Pioneer It, 30.10.2023

Eliza Mondegreen schreibt:

„It’s hard to think of another field that has gone so obviously off the rails. To get here, clinicians and medical organisations had to discard everything they knew about medical ethics, child development and literature on desistance.”

America’s trans surgeons could learn from European whistleblowers, E. Mondegreen, 31.10.2023

Riittakerttu Kaltiala: Da ist was schiefgelaufen

Finnland: Akzeptanz statt Chirurgie

Finnland priorisiert Psychotherapie wg. nicht schlüssiger Evidenzlage

Jamie Reed

berichtete im Frühjahr 2023 über Kunstfehler im Washington University Transgender Center at St. Louis Children’s Hospital. Ihre wachsende Besorgnis galt den Auswirkungen von Behandlungen, die darauf abzielen, Minderjährige in das andere Geschlecht zu transitionieren. Reed war zunehmend davon überzeugt, dass die Patienten durch die Behandlung geschädigt werden.

I Thought I Was Saving Trans Kids. Now I’m Blowing the Whistle. J. Reed, 09.02.2023

End the horrors of the pediatric gender-industrial complex, now, nypost, 12.02.2023

How a Small Gender Clinic Landed in a Political Storm, NY Times, 23.08.2023

Ramie Reed bereut sehr, Teil des „Affirmation-Only-Trends" gewesen zu sein. Es sei schwierig zuzugeben, dass sie sich geirrt habe. Es sei nicht nur beschämend, sondern sie müsse sich auch damit auseinandersetzten, inwiefern sie an der Irreführung anderer und an der pädiatrischen Gender-Industrie insgesamt beteiligt war.

Being an adult means accepting responsibility and realizing that you never stop learning. It’s not about finding one political extreme or another and holding your ground. We all need to be better at listening. The moment you’re convinced that you have it all figured out—trust me, you don’t.

Jamie Reed: The Courage to Admit You’re Wrong, thefp, 01.01.2024

Anna Hutchinson

war eine der ersten leitenden Therapeutinnen in der zentralen Gender-Klinik für Kinder und Jugendliche (GIDS) in London, die 2016 begann, die „Gender-affirmation-Versorgung” zu hinterfragen. Als die ersten - unerwartet wenig positiven - Ergebnisse einer GIDS-Studie, die als Wiederholungsstudie zum Niederländischen Protokoll konzipiert war, vorgetragen wurden, war Anna Hutchinson entsetzt:

„In an astonishing aside, the researchers revealed that everyone in the early intervention group had at this point progressed from the blockers on to cross-sex hormones - a treatment with irreversible consequences. Every single one. It was Hutchinson’s 'Holy f***' moment. 'It exploded the idea that when we were offering the puberty blockers, we were actually offering time to think.'"

Wie im Buch von Hanna Barnes Time to Think detailliert nachlesbar ist, hat Anna Hutchingson ab 2017 viele Vorstöße innerhalb des Tavistocks und später auch außerhalb gemacht, um auf die Ungereimtheiten und Gefahren der Vorgehensweise im GIDS aufmerksam zu machen.

The 'Holy-f***'-Moment I knew something was wrong at the Tavistock, nytimes, 12.02.2022

Was lief am Tavistock für Trans-Teenager schief?

Sonia Appelby

erhielt im Herbst 2021 von einem Londoner Arbeitsgericht 20.000 £ Entschädigung in einem Prozess gegen den Tavistock and Portman NHS Foundation Trust zugesprochen. Sie hatte Bedenken zur Sicherheit der Behandlung von Jugendlichen mit Problemen der Genderidentität im GIDS geäußert und Verbesserungsvorschläge gemacht. Obwohl dies zu ihrem Job gehörte, weil sie als langjährige Mitarbeiterin für den Bereich Kinderschutz zuständig war, wurde sie deswegen einer Art Disziplinarver­fahren unterzogen.

Gender identity clinic whistleblower wins damages for ‘vilification’, thetimes, 04.09.2021

NHS gender identity clinic whistleblower wins damages, theguardian, 04.09.2021

Maiming a generation, The medicalisation of gender non-conforming young people is the biggest medical scandal of our time by Rob Jessel and Sarah Phillimore, thecritic, 08.09.2021

Sue Evans

hat ebenfalls einige Jahre im Team von Tavistock GIDS gearbeitet und wurde schließlich zur Whistleblowerin, hier ihr Bericht:

How Tavistock Came Tumbling Down, 04.08.2022

Kristy Entwistle

ehemalige Klinikerin beim GIDS, schrieb 2019 einen offenen Brief an die GIDS-Leitung, Polly Carmichael.

Gibt es auch in Deutschland Whistleblower?

Bisher gibt es nur einige wenige, die wenigsten treten öffentlich in Erscheinung:

Renate Försterling

ist Internistin und Psychotherapeutin, sie schildert in ihrem Beitrag zum Buch Transsexualität u. a. wie sich ihr Klientel in den letzten Jahren verändert hat.

„Eine weitere markante Gruppe von Menschen wurde in den letzten Jahren immer zahlreicher. Sie sind ca. 20 bi 35 Jahre alt, bezeichnen sich als 'non-binär' und 'genderfluid' und haben meist sehr klare Vorstellungen, was die Kassenfinanzierung bestimmter körperverändernder Maßnahmen betrifft. Viele waren, bevor sie mich aufsuchten, bereits beim Endokrinologen, von wo aus schon eine gegengeschlechtliche Hormonbehandlung lief. [d. h. ohne Indikationsschreiben!] ... Seit einigen Jahren geben sich die Endokrinologen selbst das Plazet, d.h., praktisch jeder, der den Wunsch äußert, wird von ihnen hormonell behandelt. KeineR der mich aufsuchenden PatientInnen, die sich als 'non-binär' verstanden, konnte mich davon überzeugen, dass sie krankheitswertig an ihrem biologischen Körper litten."

Sabeth

ist detransitioniert und bestätigte, dass sie für die gegengeschlechtlichen Hormone mit Kassenerstattung kein Indikationsschreiben benötigt hat, sondern lediglich den 'richtigen' Namen (plus Adresse) des Arztes. Für die Mastektomie genügte es, den geänderten Personalausweis vorzuzeigen.