BMFSFJ-Regenbogenportal - Tipps für Kinder:  Pubertätsblocker

flowers 6598305 1280Victoria Borodinova pixabaySeit Jahren legt das Regenbogenportal des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) Jugendlichen und vor allem Kindern, die noch nicht in der Pubertät sind, in unverantwortlicher Weise nahe, dass sie mit Pubertätsblockern ihre Pubertät einfach unterbinden können. Auf der Seite "Jung und trans-geschlechtlich" heißt es „Wir haben Tipps für euch." Im Namen des BMFSFJ (Logo, Finanzierung, Impressum) wurden und werden Kindern einfache Lösungen in „leichter Sprache” für komplexe Probleme mit dem Körper, der Sexualität oder anderen Stress in der Pubertät versprochen.

"Die Einnahme von Pubertätsblockern führt für die Kinder und Jugendlichen oft in eine unumkehrbare Einbahnstraße. Die Möglichkeit, dass die Betroffenen sich doch noch mit ihrem Geschlecht versöhnen, werden durch Pubertätsblocker sehr erschwert." (Prof. Dr. Bernd Ahrbeck)

Pubertätsblocker für Kinder dürfen nicht verharmlost werden, Cicero, 14.10.2022

Pubertätsblocker für Kinder? Nicht euer Ernst, leben&erziehen, Okt. 2022

Sie "werden, falls sie noch nicht sicher sind, ob sie sich als Mädchen oder Junge wohler fühlen, in 'Du'-Form und leichter Sprache beruhigt. Aber nicht etwa mit der Versicherung, dass sie in beiden Fällen gleich wertvoll sind, sondern mit der Empfehlung, doch mal die Einnahme 'besonderer Medikamente', nämlich von Pubertätsblockern, in Erwägung zu ziehen." Die Welt, 13.10.2022

Pubertätsblocker (PB) sind keine harmlosen Lutschbonbons, sondern stark wirksame Medikamente, die in Form von Injektionen oder Implantaten auch bei Krebs, Endometriose und zur sog. chemische Kastration von Sexualstraftätern eingesetzt werden, s. auch wikipedia. Bis zum 12.10.2022 war der Text:

Pubertäts-Blocker nehmen
Bist du noch sehr jung?
Und bist du noch nicht in der Pubertät?

Dann kannst du Pubertäts-Blocker nehmen.

Pubertäts-Blocker sind besondere Medikamente.
Das Wort Blocker heißt: etwas stoppen.
Diese Medikamente sorgen dafür,
dass du nicht in die Pubertät kommst.

...

Und du kannst in Ruhe überlegen:
Welcher Körper passt zu mir?

Jeder Jugendliche auf Pubertätsblocker könne in Ruhe überlegen: „Welcher Körper passt zu mir?“ Es fehlten jegliche Hinweise, dass diese Medikamente verschreibungspflichtig sind oder Informationen, dass PB zur Blockierung der natürlichen Pubertät off-label verabreicht werden (d. h. ohne Zulassung und entsprechende Wirksamkeitsstudien). Zudem kein Wort zu den bekannten Nebenwirkungen, wie z. B. Depressionen. Wenn nach den PB zu gegengeschlechtlichen Hormonen gewechselt wird - was zu nahezu 100 % passiert (s. Bericht aus den NL, 2022) -, drohen z. B. Anorgasmie, Kinderlosigkeit, Osteoporose. 

BILD hat diesen Skandal nun endlich in die Öffentlichkeit gebracht

Während es am 12.10.2022 nach einer Offline-Stellung und Notfall-Überarbeitung des Regenbogenportals aussah, erklärt das BMFSFJ die Nicht-Erreichbarkeit mit einer Serverüberlastung. Seit die Seite wieder online ist, sind minimale  Änderungen und Ergänzungen erkennbar. Der Abschnitt zu Pubertätsblockern des Artikels „Jung und trans-geschlechtlich" wurde ergänzt durch „So kannst du deinen Arzt / deine Ärztin fragen, ob dir Pubertätsblocker vielleicht helfen könnten."

Neue Variante von „Jung und trans-geschlechtlich” seit 13.10.2022

Die Ausführungen zu Pubertätsblockern werden auf der besonders fragwürdigen Seite weiterhin eingeleitet mit „Wir haben Tipps für euch." Trotzdem heißt es in der Erklärung des BMFSFJ:

"Die Bundesregierung empfiehlt nicht die Einnahme von Pubertätsblockern."

Erklärung des BMFSFJ vom 13.10.2022

Ansonsten geht es weiter im Stil „Hauptsache EINFACH”:

Wichtig ist: Es soll dir jetzt gut gehen.
Wie du in 10 Jahren leben wirst, ist egal.

Auf einer anderen Seite „Wie bekomme ich Hormone oder eine Operation?” heißt es:

Pubertäts-Blocker bekommt man manchmal auch ohne Therapie. Es kommt auf den Arzt oder die Ärztin an.”

...

„Manchmal bekommt man Hormone auch ohne Therapie. Es kommt auf den Arzt oder die Ärztin an.”

Das Regenbogenportal des BMFSFJ ist seit Mai 2019 online, über die Wayback Machine können einige ältere Stände der Seite angesehen werden: regenbogenportal.de aufrufen, Datum wählen, im Footer-Menu: Seiteninhalt/Leichte Sprache anklicken.

TTSB hat bereits 2021 protestiert

Bereits seit Anfang 2021 haben wir, Transteens-Sorge-berechtigt (TTSB), mehrfach gegen bestimmte Formulierungen/Darstellungen und Versäumnisse des Regenbogen-Portals protestiert, da wir eine unverantwortliche Gefährdung sehen für vulnerable Kinder und Jugendliche, die Probleme in der Pubertät haben.

TTSB-Anfrage-an-BMFSFJ-wg-Regenbogenportal TTSB Logo kompaktvom 05.01.2021

Antwort des BMFSFJ vom 13.01.2021

TTSB-Anfrage-an-BMFSFJ-wg-Regenbogenportal vom 16.04.2021

Der Informations-Flyer „Mädchen? Junge? Ihr transgeschlechtliches Kind" wird seit Jahren im Regenbogenportal für Eltern unter Materialen/Sachinformation bereitgestellt. Im Abschnitt „Medizinische Möglichkeiten” dieses Flyers steht:

„Die biologische Pubertät kann durch sogenannte Pubertätsblocker (GnRH-Analoga) angehalten werden, deren Wirkung als umkehrbar gilt.”

Damit wird Eltern eine Sicherheit vermittelt, die faktisch nicht existiert. Selbst das NHS in England bezeichnet Pubertätsblocker seit dem Gerichts-Verfahren von Keira Bell (2020) auf seiner Website nicht mehr als vollständig reversibel. Stattdessen gibt es nun eine Liste möglicher Nebenwirkungen und das Eingeständnis, dass "wenig über die langfristigen Nebenwirkungen von Hormon- oder Pubertätsblockern bei Kindern mit Genderdysphorie bekannt ist." Zudem gäbe es nur sehr wenige Daten über die Auswirkungen auf die Hirnreifung, die sexuelle Gesundheit und die Knochendichte.

Die Fassung bis 2021 dieses Flyers war vom BMFSFJ finanziert und mit einem Grußwort von Ministerin Giffey ausgestattet, 2022 wurde der Flyer überarbeitet und ist jetzt ohne BMFSFJ-Finanzierung und -Grußwort. Beide Fassungen enthalten die fragwürdige Aussage der Reversibilität für PB. Wir finden es skandalös, dass das BMFSFJ in seiner Antwort vom 13.01.2021 versucht, die inhaltliche Verantwortung auf queer.de abzuschieben.

Wir Eltern halten die oberflächliche Darstellung und die Art der einseitigen Beeinflussung von Kindern und Eltern im Rahmen des Regenbogenportals des BMFSFJ für unverantwortlich.

Pubertäre Gender-Probleme, Transsexuelle Entwicklungen und medizinische Transitionen können sehr komplex sein. Aufgrund des Affirmation-Only-Trends liegt die Behandlung von Gender-Dysphorie heute in vielen Ländern auf medizinischen Maßnahmen, die irreversibel sein können. So beginnt die medizinische Transition in fast allen deutschen Gender-Ambulanzen und über die Mitwirkung von niedergelassenen ExpertInnen (PsychiaterInnen, PsychologInnen, EndokrinologInnen standardmäßig mit Pubertätsblockern.

  • PB sind der Einstieg, der Steigbügel für eine medizinische Transition
  • PB stabilisieren in der Regel eine transsexuellen Entwicklung. Ein Ausstieg aus der medizinischen Transition ist für Jugendliche sehr schwierig.
  • Jugendliche, die mit Pubertätsblocker beginnen, steigen zu fast 100 % auf gegengeschlechtliche Hormone um.
  • Jugendliche, die früh mit PB die Pubertät stoppen und dann auf gegengeschlechtliche Hormone umsteigen, sind fast ausnahmslos von Anorgasmie und Infertilität betroffen.
  • Bei Kindern, die sich als Trans-Mädchen verstehen, bleibt es durch PB bei einem Mini-Penis, was eine evtl. Neo-Vagina-Plastik deutlich verkompliziert.
  • Häufige Nebenwirkungen der PB sind: Depressionen, Probleme mit der Knochendichte, evtl. verringerter IQ, etc.
  • Unter Pubertätsblockern werden Körper- und Knochenwachstum gestoppt, die psycho-sexuelle Entwicklung stagniert ebenfalls, die meisten Jugendlichen machen unter PB keine sexuellen Erfahrungen

Das niederländische Protokoll - populär, aber evidenzschwach

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Was außerdem am BMFSFJ-Regenbogenportal problematisch ist

  • Auf der Seite zu Pubertätsblockern heißt es "Du bist noch sehr jung. Und du bist noch nicht in der Pubertät?" Wieso richten sich die Tipps des BMFSFJ zu PB bereits an Kinder, die noch gar nicht in der Pubertät sind? PB werden wegen Genderdysphorie allerfrühestens verordnet, wenn ein Kind das erste Pubertätsstadium (Tanner 2) erreicht hat.
  • Warum gibt es keine Tipps für nicht-medizinische sichere Behandlungs­möglich­keiten von Gender-Problemen?
  • Warum werden Eltern mit alten Geschlechterklischees konfrontiert, die ein Hinweis auf eine evtl. Transgeschlechtlichkeit ihres Kindes sein sollen: „Ihr Mädchen ist ein echter Wildfang, spielt Fußball, klettert auf Bäume und kommt regelmäßig mit aufgeschlagenen Knien nach Hause?“ Glaubten wir Eltern nicht, solche alten Geschlechterklischees überwunden zu haben? Sollte nicht jedes Mädchen und jeder Junge alles machen und sein können, ohne zu einer transsexuellen Entwicklung gedrängt zu werden und ohne dass sie/er den Körper verändern muss?
  • Warum fehlen Hinweise, dass Sorgeberechtigte bei medizinischen Maßnahmen einzubeziehen sind? Stattdessen finden sich im Regenbogenportal seit langer Zeit und immer noch problematische Texte wie:

"Einige Menschen wollen dich beschützen
Manchmal denken Erwachsene auch:
Wir reden einfach nicht darüber.
Dann geht es bestimmt vorbei.
So wollen die Erwachsenen dich beschützen.
Das ist natürlich Quatsch."

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„Kinder sind keine Versuchskaninchen”

sagt Dorothee Bär (MdB) von der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion, PM vom 14.12.2022

"Als CDU-/CSU-Bundestagsfraktion haben wir die Bundesregierung bereits im April dieses Jahres darauf hingewiesen, dass der affirmative Infotext zu Pubertätsblockern für Trans-Kinder irritiert. Eine Antwort auf die schriftliche Frage, auf welcher wissenschaftlich-medizinischen Basis die Tipps für die Kinder und Jugendlichen beruhen, konnte das Familienministerium nicht geben. Pubertätshemmende Präparate sind starke Medikamente. Wir wissen sehr wenig über die Folgen. Und das wenige, was wir wissen, ist mehr als beunruhigend. Führende Mediziner und Universitätskliniken in Deutschland und ganz Europa warnen deshalb eindringlich und haben die Verabreichung gestoppt. Das hat die Bundesfamilienministerin aber nicht interessiert. Aus Unionssicht ist das fahrlässiges und unverantwortliches Regierungshandeln an unseren Kindern. Es ist unfassbar, dass das erst die BILD-Zeitung bringen muss, damit Frau Paus reagiert und die Seiten überarbeiten lässt.“

Hintergrund: „Schon im April hat die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dorothee Bär, eine schriftliche Frage gestellt, die der Parlamentarischen Staatssekretär Sven Lehmann ausweichend beantwortet hat und weder auf die Warnung vor möglichen Nebenwirkungen noch auf die Studienlage dazu eingeht":

Anfrage im Bundestag von D. Bär (MdB) zum Regenbogenportal, April 2022

Auf welcher medizinisch-wissenschaftlichen Grundlage basiert die Empfehlung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) auf seiner Internetseite www.regenbogenportal.de; sog. Pubertätsblocker bei Vorliegen einer Geschlechtsidentitätsstörung bei Jugendlichen einzusetzen, und hält das BMFSFJ den affirmativen Ansatz der medikamentösen Behandlung ohne Warnung vor möglichen Nebenwirkungen oder den Hinweis auf eine begleitende psychotherapeutische Abklärung angesichts der Studienlage (vgl. u. a. Karolinska Universität, Stockholm) für angemessen?