Schweden: Ånger (Bedauern)

In Schweden ist ein neues Buch mit dem Titel Ånger ("Bedauern - Ein Bericht aus dem Bereich Transgender Versorgung") erschienen. Die Buchautorinnen Carolina Jemsby und Karin Mattisson drehten zwischen 2019 und 2021 für das schwedische Fernsehen (SVT) eine Reihe von Investigativ-Dokumentarfilmen, die die offizielle schwedische Politik zum Transgender-Thema beeinflussten, aber auch Schweden in der laufenden Debatte über diese Themen in der gesamten westlichen Welt bekannt machten.

In einer langen Buchrezension schreibt die Schwedin Sofie Berg über die Perspektive, die das Buch vermittelt, aber auch, wie sie selbst die Situation in Schweden aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen sieht.

Das Buch wiederholt vieles, was aus den Dokumentarfilmen bekannt ist, allerdings ausführlicher und teilweise eindrücklicher. Beispielsweise wird ein Experte zitiert, der bei Genderdysphorie gerne die Diagnose „Hormonmangel” feststellt und behauptet, dass Testosteron keine Nebenwirkungen habe.

Man erfährt Näheres zum Fall Leo/Nina, einem Teenager, der vor allem mit der Pubertät haderte und nach 4 Jahren Pubertätsblocker schlimme Knochenschäden mit den entsprechenden Schmerzen davon trug. Es wird u. a. berichtet, dass in diesem Fall die Knochenmineralisierung nach Absetzen der Blocker leider nicht wieder eingesetzt hat.

Eine nicht-ärztliche Mitarbeiterin der Karolinska-Klinik sucht ärztlichen Rat wegen ihrer 14-jährigen Tochter, die zunächst Essstörungen hat und sich nach einem Klinikaufenthalt plötzlich transidentifiziert.

„In a scene that seems like it’s been cut from one of those nothing-here-is-what-it-seems horror flicks, the clinician takes her by the arm and pulls her to the side where no one can hear them. In a low voice, she says: 'Whatever you do, don’t take her to see us. If you do, she is never getting out of here. She’ll be a patient for the rest of her life.'

Sophie Berg fragt sich daraufhin, wie viele Jamie Reeds auf der ganzen Welt sich noch nicht gemeldet haben.

Viele schwedische Kliniker ignorieren aktuell das schwedische Evidenzreview bzw. die darauf basierenden aktualisierten nationalen Leitlinien vom Februar 2022, sie betrachten einfach alle Fälle bei Minderjährigen als Ausnahme. Unklar bleibt die Einflussnahme der Behörden, auch in den weiteren Fällen von Schädigungen Jugendlicher (außer Leo/Nina), die die beiden Journalistinnen in ihren Filmen ans Licht brachten, nachdem sie zuvor im Wesentlichen vertuscht worden waren.

Bitter ist in dem Buch zudem die Schilderung der Rolle des Kinderschutzservices, der Eltern, deren Kinder ihm gemeldet werden, schnell attestiert 'unkooperativ' zu sein und sie außerhalb des Elternhauses unterbringt. Transitionierte, die bereuen und abkehren, haben es in Schweden besonders schwer, sie werden von den Institutionen, die ihnen bei der Transition geholfen haben, ignoriert und es ist kompliziert, rechtlich zu detransitionieren.

Auch wenn die Buchautorinnen versuchen, die Ideologie außen vorzulassen, um nicht als transphob gecancelt zu werden, scheint sie doch an vielen Ecken und Enden unweigerlich durch.

"It is impossible to read this book and not come away with the realization that many people in this field are ideologically motivated by a worldview we are not even supposed to name, much less call into question."

Review (engl.) of Ånger: Ett reportage inifrån transvården, Sofie Berg, 05.02.2024


Schwedische Professorin und Kinderendokrinologin warnt

Jovanna Dahlgren, Professorin (Uni Göteborg) und Ärztin für pädiatrische Endokrinologie, ist der Meinung, Politiker sollten mehr in kinderpsychiatrische Betreuung investieren, die die zugrunde liegende Dysphorie untersucht. Es sei notwendig, gleichzeitig auftretende neuropsychiatrische Behinderungen zu untersuchen und die Identität des Kindes zu stärken, anstatt es in dem Glauben zu bestärken, "im falschen Körper geboren zu sein".

„Als Fachärztin für pädiatrische Endokrinologie habe ich einen tiefen Einblick gewonnen, wie dies geschehen kann: Ein Teenager gerät plötzlich in seiner Identität ins Wanken, wird ermutigt, eine Transgender-Behandlung in Anspruch zu nehmen, quält sich durch die lange Wartezeit auf einen Termin bei einem Kinderpsychiater, beginnt vielleicht seine eigene Reise mit Sexualhormonen oder einer Behandlung zur Verzögerung der Pubertät und unterzieht sich schließlich ab dem Alter von 18 Jahren einer gründlichen Geschlechtsangleichung mit im schlimmsten Fall vielen [Revisions-]Operationen - manchmal mehr als 20, weil die Ergebnisse oft schlecht sind, mit Verwachsungen, Gefühlsverlust und schlechter Funktion.”

Dahlgren weist außerdem darauf hin, dass die Revisionsoperationen, die bei Geschlechtsangleichungen eher die Regel als die Ausnahme sind, extrem hohe Kosten verursachen, und zwar zu einer Zeit, in der bei den Gesundheitsressourcen Prioritäten gesetzt werden müssen.

Sie empfiehlt als Lektüre das Buch „Ånger: Ett reportage inifrån transvården”, s. o.

„Darin wird beschrieben, was wir im Gesundheitswesen nicht wirklich wahrhaben wollten: dass nicht nur einige wenige junge Patienten ihre Geschlechtsangleichung bereuen, sondern dass viele von ihnen Verletzungen erlitten haben, die sie für den Rest ihres Lebens begleiten werden.”

Förslaget som underlättar för unga att byta kön vilar inte på vetenskap, göteborgs posten, 06.04.2024


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