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Deutschland: Ein Hoffnungsschimmer für Genderkritiker?

elena ahle TJFuL4VxDIY unsplash TEXT FÜR AUSLÄNDISCHE LESER von David Allison

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat die Landtagswahlen im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt gewonnen und Deutschland damit in eine politische Krise gestürzt.

Die AfD wurde 2013 inmitten der europäischen Schuldenkrise als eurokritische Partei gegründet. Der Name der Partei ist eine direkte Anspielung auf die Politik von Angela Merkel, die zu Beginn der europäischen Schuldenkrise erklärte, die politischen Positionen ihrer Regierung seien „alternativlos“.

Germany: A Glimmer of Hope for Sex Realists? Von David Allison erstveröffentlicht bei Genspect, 28.9.2026

Unter Merkels Führung verfolgte die CDU/CSU eine Politik der asymmetrische Demobilisierung. Gestützt auf die Überzeugung der CDU/CSU (angesichts der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands), dass sie allein die legitime Vertreterin der konservativen Rechten sei, übernahm Merkels CDU schrittweise politische Elemente ihrer Gegner auf der politisch linken Seite. Diese Strategie erwies sich als erfolgreich und hielt Merkel und die CDU/CSU 16 Jahre lang an der Macht. Während dieser Zeit hielt sie die größte Oppositionspartei, die Sozialdemokratische Partei (SPD), entweder von der Macht fern oder in einer Rolle als Juniorpartner. Ihre Strategie hinterließ jedoch eine bedeutende Lücke auf der rechten Seite des politischen Spektrums.

Angela Merkels anfangs beliebte Politik der offenen Tür während der Flüchtlingskrise 2015 führte zu einem dramatischen Rechtsruck der AfD. In den letzten 10 Jahren hat die Partei nach und nach Wähler angezogen, die das Gefühl haben, dass die CDU konservative Anliegen nicht mehr vertritt. Die Reaktion der CDU bestand, wie die aller anderen etablierten Parteien auch, darin, eine „Firewall“ oder ein Cordon sanitaire gegen die AfD zu errichten.

Diese Firewall hat nicht nur zu einem völligen Zusammenbruch der Kommunikation über die politischen Gräben hinweg geführt, sondern auch tiefe persönliche Feindseligkeiten geschürt.

Als beispielsweise 2019 erstmals AfD-Kandidaten in den Reutlinger Kreistag gewählt wurden, erhielten die Mitglieder der Grünen-Fraktion, der ich damals angehörte, von Parteifunktionären und unserer lokalen Bundestagsabgeordneten die Anweisung, die AfD-Ratsmitglieder weder zu begrüßen noch ihnen die Hand zu geben (wie es in deutschen Wahlgremien üblich ist). AfD-Politiker wurden sowohl politisch isoliert als auch gesellschaftlich geächtet.

Wo steht die AfD heute?

Die AfD scheint sich nach rechts bewegt zu haben, weg von ihren euroskeptisch-konservativen Anfängen. Sie wird unterschiedlich charakterisiert – als wiederauferstandene NSDAP, als rechtsextrem, rechtspopulistisch, nationalkonservativ, ethnonationalistisch, nationalsozialistisch, neoliberal oder einfach nur konservativ –, und es ist schwer zu sagen, was genau die Partei tun würde, sollte sie jemals auf Bundesebene an die Macht kommen. Sie ist zu einer „Stop-the-World-I-want-to-get-off“-Partei geworden, bei der es um Grenzen, Abgrenzungen und Urinstinkte geht.

Die „Firewall“ schließt die Partei von der politischen Teilhabe aus, schützt sie aber auch vor dem, was der deutsche Dichter und Dramatiker Bertolt Brecht einst als die „Mühen der Ebene“ bezeichnete – also den mühsamen Alltag der praktischen Politik. Gerade wegen dieser Abschottung steht es der AfD frei, vollkommen extremistische und wirtschaftlich, finanziell sowie rechtlich unrealistische Forderungen zu stellen. Was auch immer man von der Partei halten mag: Andere rechtsradikale Parteien in Europa zögern, sich mit ihr in Verbindung zu bringen, und werfen der AfD vor, „von ihren radikalsten Elementen in Geiselhaft genommen zu sein“.

Das wahre Wesen der AfD als politische Bewegung bleibt bewusst rätselhaft und darauf ausgelegt, eine möglichst breite Wählerkoalition anzusprechen – von Sozialkonservativen bis hin zu extremen Neonazis. Daher auch ihr strategischer Einsatz des Begriffs „Remigration“. Dies könnte entweder die Abschiebung der 260.000 illegalen Einwanderer bedeuten, die derzeit das Land verlassen müssen, oder die jedes Einzelnen, der nicht „ethnisch deutsch“ ist. Wie ein AfD-Abgeordneter in einem Landesparlament sagte: „Deutschland braucht keine 80 Millionen Einwohner, es kann auch mit 60 Millionen leben.“

Der lange Schatten der nationalsozialistischen Vergangenheit hängt weiterhin über Deutschland und prägt die politische Vorstellungswelt des mächtigsten Landes Europas.

Die AfD und Gender

Die AfD ist unbestreitbar migrationsfeindlich. Und dies – neben Sorgen um die Wirtschaft und den Krieg in der Ukraine – ist das Thema, mit dem sie offenbar die größte Unterstützung bei den Wählern gewinnt. Aber sie vertritt auch konsequente Positionen zu Trans-Themen. Die Partei bringt regelmäßig Anträge im Deutschen Bundestag ein, um das Selbstbestimmungsgesetz von 2024 rückgängig zu machen, mit dem Ziel, den Schutz für Minderjährige, Menschen mit Problemen der psychischen Gesundheit und Frauenräume wiederherzustellen. Die AfD fordert eine evidenzbasierte Politik zur Einschränkung der pädiatrischen Gendermedizin sowie ein „sofortiges Moratorium für Pubertätsblocker und CSH bei Minderjährigen.“

Dennoch haben ihre politischen Rivalen die AfD – zumindest bisher – als Paria-Partei betrachtet. Und genau darin liegt der Haken. Ganz gleich, wie konstruktiv die Initiativen der AfD zur Transgender-Politik auch sein mögen – sie wurden von allen anderen politischen Parteien aus Prinzip abgelehnt. Und so geht der Wahnsinn weiter.

Es würde Hunderte Seiten erfordern, um die unzähligen Ausprägungen des Gender-Wahnsinns in Deutschland zu dokumentieren. Eltern können das eingetragene Geschlecht ihres Kindes bei der Geburt nach Belieben auswählen, doch wer die Genderidentität seines Kindes infrage stellt, riskiert, mit dem Jugendamt in Konflikt zu geraten und seine elterlichen Rechte zu verlieren. Jeder kann einmal im Jahr nach Belieben und ohne Formalitäten „sein Geschlecht ändern“.

Brustamputationen bei Minderjährigen werden online offen beworben und von Politikern als Menschenrecht befürwortet. Jugendliche werden mit Geldstrafen belegt, wenn sie nicht an schulischen LGBTQ+-Workshops teilnehmen, während die schulischen Leistungen auf Rekordtiefs sinken. Frauenräume werden systematisch für Männer geöffnet. Männliche Vergewaltiger werden in der Presse als „sie“ bezeichnet. Kritik von Feministinnen an der Transgender-Politik wird als „antifeministisch“ und „antidemokratisch“ gebrandmarkt und von den Meldestellen staatlich geförderter und finanzierter NGOs als solche registriert.

Das Hinterfragen der Gender-Orthodoxie ist äußerst schwierig. Die Mitte-Rechts CDU/CSU hat all dies beobachtet – manchmal kritisch, gelegentlich begeistert, meist jedoch teilnahmslos –, weil sie befürchtet, als Verbündete der AfD angesehen zu werden.

Die intellektuelle Firewall durchbrechen

„Wer die AfD schwächen will, sollte weniger Energie darauf verwenden, über die Partei zu reden, und sich stattdessen mehr damit beschäftigen, herauszufinden, was ihr Wachstum und ihren Erfolg ermöglicht hat“, schrieb die Historikerin und Journalistin Katja Hoyer vor 6 Monaten. Mit anderen Worten: Es ist höchste Zeit, dass das deutsche politische Establishment über die Themen spricht, die die Menschen spalten.

Der Politikwissenschaftler Christian Stecker hat vorgeschlagen, dass Deutschland mit Traditionen brechen sollte, die in einer Zeit, in der sich politische Parteien vermehren und fragmentieren, nicht mehr zeitgemäß sind. Die politische Firewall, so argumentiert er, sei undemokratisch. Sie hindere beispielsweise die konservative CDU/CSU daran, politische Maßnahmen umzusetzen, für die sie wahrscheinlich eine Mehrheit hätte – einfach nur, weil die AfD diese unterstützen könnte.

Dies könnte beim Thema Transgender der Fall sein. Konkret geht es um das Selbstbestimmungsgesetz von 2024 (SBGG). Das ebenfalls 2024 veröffentlichte Grundsatzprogramm der CDU erkannte an:

„Das biologische Geschlecht ist eine naturwissenschaftliche Tatsache und nicht veränderbar. Deshalb halten wir an der rechtlichen Unterscheidung der beiden biologischen Geschlechter fest.“

Indem die CDU an ihren roten Linien festhält und gleichzeitig im Rahmen einer neuen politischen Konstellation die Unterstützung der AfD bei bestimmten Themen akzeptiert, könnte sie das Selbstbestimmungsgesetz auf verschiedene praktische Weisen reformieren. Um die Meinungsfreiheit und die akademische Freiheit zu schützen, könnte sie das Verbot der Offenlegung des biologischen Geschlechts einer Person (§ 13 SBGG) lockern und Geldstrafen für Journalisten, Wissenschaftler oder Privatpersonen abschaffen, die Tatsachen darlegen. Sie könnte den Kinderschutz und die elterlichen Rechte (§§ 3–5 SBGG) stärken, indem sie die allgemeine Altersgrenze auf 25 Jahre anhebt und jede Änderung der Angaben zum Geschlecht von einer obligatorischen fachärztlichen und psychologischen Beratung abhängig macht.

Sie könnte den Familiengerichten die Befugnis entziehen, die Zustimmung der Erziehungsberechtigten zu ersetzen, und klare Regelungen zugunsten von Frauenhäusern, Haftanstalten, Sportstätten sowie Bereichen einführen, in denen die Privatsphäre der Nutzer geschützt werden muss, insbesondere in Duschen und Umkleideräumen. Dies würde nicht erfordern, dass die CDU ihr Bekenntnis zur „Vielfalt sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identität“ aufgibt, die vom Bundesverfassungsgericht gesetzlich verankert wurde.

Ein solcher Kompromiss wäre aus Sicht der Genderskeptiker zwar nicht ideal. Er würde jedoch einen realisierbaren gesetzgeb­erischen Kompromiss darstellen, der wahrscheinlich die breite öffentliche Meinung widerspiegeln und anerkennen würde, dass Politik bedeutet, Themen im Laufe der Zeit regelmäßig neu zu verhandeln.

Deutschland leidet unter einem Reformstillstand, der durch die Bildung von Anti-AfD-Koalitionen zwischen Parteien verschärft wird, die grundlegend unterschiedliche Überzeugungen hinsichtlich des weiteren Kurses vertreten. Die daraus resultierende politische Orientierungslosigkeit untergräbt das Vertrauen in das politische System und treibt immer mehr Wähler an die politischen Ränder. Es muss eine institutionelle Lösung gefunden werden, die es politischen Vertretern ermöglicht, bei bestimmten Themen von Fall zu Fall abzustimmen, anstatt durch starre Koalitionsvereinbarungen eingeschränkt zu sein, die in erster Linie darauf abzielen, antiliberale Akteure von der Macht auszuschließen.

Ob dies geschehen wird, bleibt abzuwarten. Ich bin nicht optimistisch. Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass sich die Konfrontation zwischen zwei unversöhnlichen Blöcken fortsetzt und sich die politische Krise verschärft. Die Folgen des aktuellen „tektonischen Umbruchs“ in der deutschen Politik für Geschlechtsrealisten sind ungewiss.

David Allison ist ehemaliges Mitglied der deutschen Grünen und Sprecher von Transteens-Sorge-berechtigt (TTSB) – eine Elterninitiative in Deutschland, die sich gegen die unnötige Medikalisierung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen wendet, die sich als genderunsicher fühlen und/oder sich nicht an Geschlechterstereotypen halten.

 

Was tun?

Eltern eines ROGD-Teens stehen immer vor der Herausforderung, sich entscheiden zu müssen, wie dem leidenden Kind bestmöglich geholfen werden soll.

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