Meine Tommy-Phase*)
Es war das Jahr 1981, der Ort lag im Herzen Amerikas. Ich war 4 Jahre alt und beharrte darauf, dass ich ein Junge sei. Laut meiner langmütigen Mutter, die sich durch diese Phase von mir – ebenso wie durch viele weitere, die noch folgen sollten – hindurchtastete, war ich fest davon überzeugt, dass ich kein Mädchen war, sondern ein Junge namens „Tommy“. Ich trug nur ein einziges Outfit, das ich für ein „Jungen“-Outfit hielt, und wurde wütend, wenn mich jemand bei meinem Vornamen nannte, den mir meine Eltern gegeben hatten. Das tat ich zu Hause, in der Kirche, im Kindergarten und gegenüber meinen anderen Familienmitgliedern. Die Human Rights Campaign (USA) erklärt dazu Folgendes:
„Die allgemeine Regel zur Feststellung, ob ein Kind transgender oder nicht-binär ist (im Gegensatz zu gendernonkonform oder gendervariant), lautet: Das Kind muss in Bezug auf seine Transgender-Identität konsequent, beharrlich und beständig sein.“
Ich erfüllte alle 3 Kriterien. Nach der Definition dieser LGBTQIA+-Aktivistenorganisation war ich ein Transgender-Kind. Ich war in dieser Selbstdarstellung in allen Umgebungen und Situationen konsequent. Ich bestand darauf, Tommy genannt zu werden und mit den Pronomen „er“ und „ihm“ angesprochen zu werden. Und ich blieb dabei lange genug, dass meine Eltern nicht nur besorgt waren, sondern auch professionelle Hilfe suchten.
Das zog sich fast ein ganzes Jahr hin. Schließlich brachte mich meine Mutter zu unserem Kinderarzt, weil sie befürchtete, ich hätte mit einem bedeutenden Thema zu kämpfen. Aber da es 1981 war und die Welt noch nicht völlig den Verstand verloren hatte, sagte er ihr, sie solle sich keine Sorgen machen, ich würde eine recht häufige Phase durchlaufen, mein einziges Geschwisterkind und alle meine Cousinen seien Mädchen, und vielleicht dachte ich, das sei meine Chance, etwas Aufmerksamkeit zu bekommen. (Bei meiner Schwester war im Alter von 2 Jahren zudem ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert worden, sodass in unserer Familie, gelinde gesagt, eine ziemliche Notlage herrschte.) Er sagte:
„Sag ihr einfach, dass es in Ordnung ist, wenn sie so tun will, als wäre sie Tommy, und sag: ‚Ich sehe, du tust so, als wärst du Tommy, das ist okay. Papa und ich wissen, dass du ein Mädchen bist, aber es ist in Ordnung, so zu tun, als ob.‘ Sie ist ein kluges Kind und versucht, auf jede erdenkliche Weise etwas Aufmerksamkeit zu bekommen.“
Im Grunde war sein Rat: Mach dir keine Sorgen. Lass es einfach auf dich zukommen, und es wird vorübergehen. Mach keine große Sache daraus.
Das klingt beunruhigend vernünftig. Das Unglaubliche an seinem Rat ist, dass derselbe Kinderarzt, wenn er das heute sagen würde und Trans-Aktivisten davon Wind bekämen, seine Zulassung verlieren könnte.
Meine Mutter erzählt mir, dass innerhalb weniger Monate nach diesem Kinderarztbesuch die ganze Sache einfach … vorbei war. Ich war als Kind nie besonders mädchenhaft, trug kein Rosa und ließ mir die Haare nicht besonders lang wachsen. Sie sagt, ich hätte mir auf dem Heimweg von der Kirche auf dem Rücksitz die Strumpfhose zerrissen und mein Kleid ausgezogen. Ich war von Anfang an extrem sensibel und hatte Bindungsprobleme, Angstzustände und ständige nervöse Bauchschmerzen aufgrund der Krankheit meiner Schwester und der langen Krankenhausaufenthalte meiner Mutter bei ihr. Wir waren alle sehr gestresst und kamen so gut es ging damit zurecht.
Als ich in die Mittelstufe kam, war Tommy schon nicht mehr da, aber angesichts der bevorstehenden Pubertät war der Gedanke an meine erste Periode schlimmer als der Tod. Pubertät war ein verhasstes Wort, und ich verabscheute meinen weiblichen Körper. Die Suche nach einem Trainings-BH war ein Albtraum, der sich nicht in Worte fassen lässt. Sex? Ekelhaft. Kinder? Niemals im Leben. Stillen? Herr, nimm mich jetzt zu dir.
Und doch bin ich hier und schreibe dies als fast 50-jährige Mutter von 2 gesunden Kindern, die ich – glücklich schwanger geworden – zur Welt gebracht und gestillt habe, und mit einem lieben Ehemann, mit dem ich seit 26 Jahren zusammen bin und den ich ohne zu zögern sofort wieder heiraten würde.
Ich danke Gott, dass ich nicht in der heutigen Zeit der „Affirmation“ geboren wurde – einer Zeit der fortschrittliche Lehrer und Schulberater, die stolz die Regenbogenfahne schwenken und mich vielleicht fröhlich „Tommy“ genannt und in meiner „Identität“ bestärkt hätten; einer Zeit, in der Ärzte meinen Eltern vielleicht gesagt hätten, sie sollten sich daran gewöhnen, einen Sohn statt einer Tochter zu haben. Derselbe Kinderarzt im heutigen Mittelwesten der USA hätte meinen Eltern sehr wohlgeraten, mich zu „affirmieren“, mich als Tommy vorzustellen, mich mit männlichen Pronomen anzusprechen und meinen Lehrern mitzuteilen, dass ich ein Junge und kein Mädchen sei.
Ich hätte leicht jemand sein können, der „schon seit meinem 4. Lebensjahr wusste, dass ich ein Junge war“.
Ich bin mir sicher, dass viele Leute an dieser Stelle denken könnten: „Das ist ja schön und gut für sie, aber ich kenne ECHTE Transkinder.“
Nein, das tut ihr nicht. Ihr kennt Kinder, die zu kämpfen haben, oder Kinder, die das Gefühl haben, nicht in die Norm zu passen. Kinder, deren Familien mit unerklärlichem Leid zu kämpfen haben, oder Kinder, die autistisch oder neurodivergent sind und die Welt in starren Absolutheiten sehen. Kinder, die missbraucht oder vernachlässigt wurden oder Online-Pornografie und Gewalt ausgesetzt waren, bevor ihr Gehirn das verarbeiten konnte, oder Kinder, die beschlossen haben, dass ein „Geschlechtswechsel“ die Scham über ihre gleichgeschlechtliche Anziehung mindern wird.
Ihr kennt Kinder, denen die Lüge eingetrichtert wurde, dass es einen Weg gibt, sich von dem, was sie als die ihrem Geburtsgeschlecht innewohnenden Erwartungen wahrnehmen, zu befreien.
Hätten alle Erwachsenen in meinem Leben meine Selbstwahrnehmung im Alter von 4 Jahren akzeptiert und gefeiert, hätte es für Tommy keinen Ausweg gegeben. Wie kann ein Kind, egal in welchem Alter, sagen:
„Weißt du, Mama, ich glaube, ich habe mich geirrt. Ihr könnt jetzt alle aufhören, so zu tun, als ob“?
Möglich, aber unwahrscheinlich. Wäre dies heutzutage geschehen, wären viele der Erwachsenen und Lehrer in meinem Leben wahrscheinlich ideologisch vereinnahmt (oder einfach durch die Drohung des Jugendamts und/oder von „Cancel Culture“ eingeschüchtert), zumal ich eine recht große öffentliche Schule in der Nähe einer bedeutenden Universitätsstadt besuchte. Und ich hätte angenommen, dass meine Gefühle der Unsicherheit falsch waren. Es wäre schwer gewesen, meinen Sonderstatus als Tommy aufzugeben.
Denn Erwachsene haben doch recht, oder? Sie sagen mir alle, ich sei ein Junge, also muss ich ein Junge sein.
Mir hätte die Möglichkeit genommen werden können, normal aufzuwachsen, und all die schmerzhaften Lektionen, die ich gelernt habe, während ich mich durch das Unbehagen und die Ängste der Kindheit und Jugend gekämpft habe. Meine Fertilität hätte mir geraubt werden können, meine Gehirnentwicklung durch Pubertätsblocker gehemmt (und nein, sie sind NICHT reversibel), meine Stimme und mein Körper durch Testosteron zerstört und möglicherweise durch eine Operation verstümmelt. Hätte ich studieren können, wenn ich „T“ genommen und mich mit meiner Genderidentität gequält hätte? Hätte ich die Energie gehabt, ein Aufbaustudium zu absolvieren, um den Abschluss zu machen, den ich mir so sehr gewünscht habe, und später den Beruf auszuüben, den ich liebe? Hätte ich meinen Mann kennengelernt? Und wenn ich ihn kennengelernt hätte, hätte er sich für jemanden wie mich interessiert?
Die Antwort auf all diese Fragen ist ein eindeutiges „Nein“.
Und doch ist es beängstigend: Wären mir all die vorgeschlagenen Lösungen für „Genderdysphorie“ (Pubertätsblocker, Binder, Operationen, Testosteron) als in Notlage befindliche 12-Jährige angeboten worden, hätte mich die magische Möglichkeit einer „Freikarte aus der Weiblichkeit“ hypnotisiert.
Der Gedanke, der mich nachts wach hält, wenn ich über den „Transgender-Gedankenvirus“ nachdenke und darüber, wie knapp der kleine Tommy dem Schlimmen entgangen ist, ist: Wäre ich in den letzten etwa 20 Jahren mit Eltern, die mir Bestätigung geben, geboren worden, hätte ich meine Kinder vielleicht nie bekommen. Meine kostbaren Babys, an denen ich bis zu meinem fast 30. Lebensjahr nicht einmal Interesse hatte, sie überhaupt kennenzulernen, die aber ein wesentlicher Bestandteil von allem sind, was ich jetzt bin – von jedem Gedanken, jedem Atemzug und jeder Handlung, die ich vollziehe – und es bis zu meinem Tod bleiben werden. Erst als ich diese beiden wundersamen Wesen mit meinem eigenen Körper empfing, austrug, zur Welt brachte und ernährte, wusste ich das tatsächlich zu schätzen.
Dreißig Jahre. So lange habe ich gebraucht, um meinen Körper und seine Fähigkeiten zu schätzen und zu begreifen, was für ein verdammtes Wunder es ist, eine Frau zu sein. Erst nach dreißig Jahren konnte ich mit absoluter Ehrfurcht auf das blicken, was mein Körper geleistet hatte, und sagen: „Mein Gott. Dafür war das alles also gut.“
Ich gehörte zu den Glücklichen, ebenso wie unzählige namenlose Mädchen und Jungen meiner Altersgruppe (und aller Altersgruppen bis auf die letzten 3 Sekunden der Menschheitsgeschichte), damals in den dunklen Zeiten der Carter-Ära, in der Transphobie und primitiver biologischer Determinismus grassierten, mit ihrem bigotten Beharren darauf, nur das anzuerkennen, was wir alle mit eigenen Augen sehen können. Ich durfte diese Phase durchleben, während die Erwachsenen klar und deutlich festhielten, was real war und was nicht, und siehe da, ich kam unbeschadet darüber hinweg. Eigentlich habe ich keine Erinnerung an diese Zeit in meinem Leben, und abgesehen von dem, was mir erzählt wurde, und ein paar Bildern in Familienfotoalben, auf denen ein offensichtlich weibliches 4-jähriges Kind in Jeans und Turnschuhen zu sehen ist, das versucht, „wie ein Junge“ zu sitzen, gibt es keinen Beweis dafür, dass das jemals passiert ist. „Deine Tommy-Ära“ ist ein Running Gag in der Familie. Das Thema kommt manchmal zur Sprache, aber selten. Für meine Eltern ist es eine ferne Erinnerung und eine, die ich nicht habe.
Aber wir schreiben das Jahr 2026 und nicht 1981. Wie viele „Tommys“ gibt es gerade da draußen, die eine schmerzhafte Phase in ihrem Leben durchmachen? Wie viele sensible, ängstliche, frühreife, kreative Kinder, die vom Leben auf unfaire Weise gebeutelt werden, glauben, es würde sich so viel besser anfühlen, ein Junge oder ein Mädchen zu sein. Doch statt Ärzte, die besorgten Eltern raten, liebevoll „einfach abzuwarten“ und klare, realitätsbezogene Grenzen zu setzen, wird ihnen ihre Zukunft von genau den Menschen geraubt, die sie eigentlich beschützen sollten?
Anstatt diese Unbehaglichkeit durchleben zu dürfen und sich mit der Realität so auseinanderzusetzen, wie sie ist – während sich die Milliarden von Neuronen in ihrem Gehirn über Jahre hinweg in einem Prozess neu vernetzen, den wir kaum verstehen können, während aus einem kindlichen Gehirn ein erwachsenes Gehirn wird –, werden sie mit Botschaften von Trans-Influencern, Lehrern, Ärzten, Aktivisten, Sozialarbeitern, Therapeuten, Freunden, Schauspieler und Politiker (und leider manchmal auch von Eltern, Verwandten und kirchlichen MitarbeiterInnen) mit Botschaften überschüttet, die ihnen sagen:
Ja – ja, du wurdest im falschen Körper geboren. Ja, wir alle sehen, wie unwohl du dich fühlst. Wir verstehen dich, wir sehen dich. Wir glauben dir. Wir geben dir Bestätigung. Und wir haben die Lösung.
*) Mit freundlicher Genehmigung von PITT, Erstveröffentlichung unter dem Titel „The Tale of Tommy“ am 12.08.2026









