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Offener Brief einer betroffenen Mutter an Jens Spahn

wikimediacommons 20161206 Jens Spahn Olaf Kosinsky BT0A5776Bild: wikimediacommons, O. KosinskyGuten Tag Herr Spahn,

inzwischen sind ein paar Wochen vergangen, seit Sie Ihr Amt als Vorsitzender der CDU/CSU Bundestags­fraktion niedergelegt haben. Vorausgegangen war eine heftige Debatte darüber, dass Sie als jemand, der sich jahrelang politisch gegen die Legalisierung von Leihmutterschaft eingesetzt hatte, nun selbst ein Baby über eine Leihmutter hat austragen lassen.

Mir geht es nur am Rande um Leihmutterschaft und auch das Thema Doppelmoral will ich außen vor lassen. Mir geht es darum, dass Sie selbst die Möglichkeit hatten, eine Lebensentscheidung im fortgeschrittenen Erwach­senen­alter anders zu treffen als Jahre zuvor. Ihr Kinderwunsch kam später, Sie konnten ihn jetzt realisieren.

Mein Kind und andere junge Menschen haben nicht mehr die Möglichkeit Entscheidungen fürs Leben aus einer reiferen Sicht anders zu treffen. Sie haben als Bundesgesundheitsminister das Gesetz zum Schutz vor Konversions­behandlungen (KonvBehSchG 2020) bezüglich der Geschlechtsidentität zu verantworten und damit vielen genderverwirrten Kindern und Jugendlichen die Chance einer neutralen Therapie für eine offene Zukunft1 genommen.

Ja, es fühlt sich anders an, wenn man selbst von etwas betroffen ist, das andere sich schwer vorstellen können, weil es für sie abstrakt und theoretisch ist. Ein unerfüllbarer Kinderwunsch kann mit viel Leid einhergehen, das erfährt man eben erst dann, wenn er da ist.

Wenn das eigene Kind sich transidentifiziert, kann das auch mit viel Leid einhergehen. Leid, das nur nachvollziehen kann, wer es selbst erlebt. Keiner sonst kann verstehen, was es für die Familie bedeutet, wenn die Tochter oder der Sohn, die Schwester/der Bruder, das Enkelkind, die Nichte oder der Neffe plötzlich glauben, sie seien „trans” oder „nonbinär”. Wir sollen sie mit neuem Namen ansprechen und andere Pronomen verwenden, wenn wir über sie sprechen. Wir sollen plötzlich unsere Töchter als Söhne bezeichnen und umgekehrt. Und das, obwohl wir wissen, dass sie eigentlich ganz andere Probleme haben. Denn „Trans” ist nicht angeboren. “Trans“ ist noch nicht einmal eine Diagnose, „Trans” ist ein Symptom, eine Identifikationsschablone bzw. eine maladaptive Bewältigungsstrategie.

Unsere Kinder haben oft bereits andere Diagnosen, wie Angst- oder Zwangsstörungen, Depressionen, Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS, Anorexie. Manche sind offensichtlich traumatisiert durch den Verlust von Elternteilen, Geschwistern oder Freunden, manchmal auch durch Missbrauch. Oftmals sind unsere Töchter nicht die erste „trans” oder „nonbinäre” Schülerin in der Klasse oder der Fußballmannschaft. Unsere Kinder werden im Internet gegroomt, und die Verheißung einer neuen Identität ist einfach zu verlockend, hoffen sie so doch auf einen Neustart ohne ihre bisherigen Probleme. Auffällig viele sind homosexuell, können ihre Sexualität aber nicht akzeptieren bzw. leiden unter Mobbing aufgrund ihrer Gender-Nonkonformität.

Ginge es hier nur um harmlose Veränderungen, wie das Wechseln zu einer stereotypischen Frisur und Klamotten des Gegengeschlechts, dann könnte man als Eltern entspannt damit umgehen. Aber soziale Transition ist kein neutraler Akt, sie verfestigt die neue „Identität” bei unseren Kindern und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass später auch der Körper verändert wird: Es folgen Hormonbehandlungen und Operationen, deren Ergebnisse irreversibel sind und oft in Infertilität münden. Wie können wir Eltern das einfach so zulassen, sind wir doch für die körperliche Unversehrtheit unserer Kinder von Anfang an verantwortlich? Mütter tragen diese Verantwortung bereits vor und in der Schwangerschaft. Es gibt, wie Sie aus den Leihmutter-Vertragsklauseln wissen, viel zu beachten, damit der Fetus bzw. Embryo nicht gefährdet und im Mutterleib optimal versorgt wird.

Was hat das alles mit Ihnen zu tun?

Nun, Sie waren als Gesundheitsminister maßgeblich verantwortlich, dass ein Gesetz Ihres Ministeriums beschlossen wurde, das es Therapeuten erschwert – wenn nichts sogar verunmöglicht – unseren Kindern angemessen zu helfen. Das „Gesetz zum Schutz vor Konversionsbehandlungen” (KonvBehSchG 2020) soll verhindern, dass homo- und bisexuelle Jugendliche belastenden und wirkungslosen Behandlungen ausgesetzt werden, um sie heterosexuell zu machen. Leider hat Ihr Ministerium schließlich noch die „geschlechtliche Identität", die nicht zu den sexuellen Orientierungen gehört, inkludiert. Genderverwirrte Minderjährige dürfen nur noch affirmativ behandelt, also im Transitionswunsch bestätigt werden. Ein Ausloten der psychischen Ursachen der Genderverwirrung und nichtinvasive Behandlungsoptionen sind nun kaum noch möglich. Absurd ist dabei, dass sehr viele der Jugendlichen, die sich als „trans” identifizieren, wie bereits erwähnt, homosexuell sind.2 Noch absurder ist folgender Satz im Gesetz:

„Eine Konversionsbehandlung liegt nicht vor bei operativen medizinischen Eingriffen oder Hormonbehandlungen, die darauf gerichtet sind, die selbst empfundene geschlechtliche Identität einer Person zum Ausdruck zu bringen oder dem Wunsch einer Person nach einem eher männlichen oder eher weiblichen körperlichen Erscheinungsbild zu entsprechen.”

Konversion wird demnach also vollkommen einseitig geregelt, Konversion durch drastische medizinische Maßnahmen mit der Zielsetzung dem Phänotyp eines anderen Geschlechts zu entsprechen, ist dagegen explizit erlaubt.

Herr Spahn, Sie haben einmal in einem Interview gesagt: „Ich bin schwul und nicht queer”. „Du bist schwul/lesbisch und nicht trans” sagen wir Eltern verzweifelt zu unseren homosexuellen Kindern, aber der affirmative Therapeut in der Genderklinik hat ihre „innere Genderidentität” und ihr „eigentliches authentisches Ich”, das angeblich nicht mit dem „bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht” übereinstimmt, längst bestätigt. Von nun an sind wir die bösen Eltern, die ihnen an­geb­lich die Existenz absprechen und denen nicht vertraut werden kann. Wäre es nicht vernünftiger, Menschen dabei zu unterstützen, sich selbst zu akzeptieren, als gesunde Körper zu verändern, um psychischen Notlagen entgegenzuwirken?

Aufgrund der mainstreamartigen Verbreitung des identitätsorientierten Ansatzes, kommt es inzwischen sogar vor, dass Jugendliche in die Obhut des Jugendamtes genommen werden, sollten die Eltern sich weigern, ihr „genderfluides” oder „nonbinäres” Kind mit „Nex”, „Knox” oder „Neo” anzusprechen und „they/them”-Pronomen zu verwenden (s. Stichwort fehlender Co-Konsens / Kindeswohl in AWMF-Leitlinie 3.2.3 und VII.K113). Ihnen drohen obendrein Gerichtsprozesse, wenn sie medizinische Maßnahmen bei ihren genderinkongruenten Teenagern infrage stellen.4

Spät haben Sie sich entschieden Vater zu werden, manchmal braucht es Lebenserfahrung oder einfach Zeit und einen Partner, den man liebt, damit sich ein Kinderwunsch entwickelt. Unsere Kinder haben oft keine Möglichkeit mehr, ein Kind zu zeugen oder auszutragen, die Hormone haben ihre Keimdrüsen atrophiert – insbesondere, wenn vor den gegengeschlechtlichen Hormonen Pubertätsblocker im Spiel waren (s. Mayo-Klinik-Studie zur Hodenatrophie5 und die in der S2-Leitlinie3 S. 244, 248 und VIII.K1 genannte „gezielte reproduktionsmedizinische Beratung“).

Aber auch für die, die erst später medizinisch „transitionieren”, gilt: Sollten die gegengeschlechtlichen Hormone nicht bereits dafür gesorgt haben, dass sie unfruchtbar sind, dann sind sie es spätestens, wenn man ihnen die gesunden primären Geschlechtsorgane wegoperiert. So manch eine Koryphäe für Brustamputationen bietet selbst 18-jährigen transidenten Mädchen an, nicht nur die Brust, sondern gleichzeitig auch Gebärmutter und Eierstöcke in einer einzigen euphemistisch als All-in-One-Chirurgie6 bezeichneten Mega-OP zu entfernen7.

Sie sehen also, wenn unsere Töchter und Söhne selbst einmal Kinder haben möchten, dann bleibt ihnen nur Adoption, Samenspende, Eizellspende und/oder eine Leihmutter8. Genetische Eltern – so wie Ihr Ehemann – können sie oft nicht mehr werden.

Ob unsere Töchter und Söhne bei der Belastung, die ihre medizinische „Transition” mit sich bringt, in der Lage sein werden, die nötige Geldsumme für eine Leihmutter im Ausland zusammenzubekommen, darf stark bezweifelt werden. Aber vielleicht zahlt das in Zukunft ja die Krankenkasse (sprich die Solidargemeinschaft), die bereits zuvor ihre Sterilisation bezahlt hat?

Wie stehe ich als Mutter zur Leihmutterschaft? Ich lebe einen Drahtseilakt, der mich Tag und Nacht beschäftigt, da kann ich mir um die Ethik der Inanspruchnahme einer Leihmutter im Ausland nicht auch noch Gedanken machen.

Ich hätte meinem Kind gerne alle medizinischen Eingriffe, die es vermutlich steril zurücklassen werden, von vornherein erspart. Ich halte es für vollkommen unethisch, an vulnerablen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen solche medizinischen Behandlungen durchzuführen, zumal in Deutschland ein strenges Sterilisationsverbot für Minderjährige gilt (§ 1631c BGB9) und meines Erachtens für unter 25-Jährige sinnvoll wäre.

Ich und andere Eltern müssen dabei zuschauen, wie es unseren Kindern immer schlechter geht, bei all den fürchterlichen Nebenwirkungen, die gegengeschlechtliche Hormone und Operationen im Off-Label-Use nun mal mit sich bringen, ist das nicht überraschend10. Wir müssen versuchen, sie einerseits von weiteren geschlechts-ablehnenden Eingriffen abzuhalten, die sie definitiv noch kränker machen und andererseits alles daransetzen, dass sie trotzdem weiterhin mit uns in Kontakt bleiben.

„Der kleine Mann” ist Ihr ganzes Glück, haben Sie gesagt, Herr Spahn. Ich wünsche Ihnen ehrlich, dass Ihr Glück bestehen bleibt. Den Albtraum, den unsere Familie durchlebt, den wünscht man wirklich niemandem. Aber auch Ihre kleine Familie ist nicht gefeit vor Trennung, Krankheit und schlimmeren Ereignissen, die Ihren Sohn traumatisieren können und ihn so verzweifelt zurücklassen, dass er glaubt, eine neue Identität sei der einzige Weg heraus aus seinen Problemen. Sobald er das Wort „trans” in den Mund nimmt, versichern ihm dann seine Therapeuten, dass Heilung nur durch irreversible Veränderungen seines eigentlich gesunden Körpers mithilfe von Hormonen und Skalpell möglich ist11. Eine Psychotherapie, die ihn zum Hinterfragen seiner Gedanken führen könnte, steht nicht mehr zur Debatte.

Wenn „der kleine Mann” vielleicht irgendwann kein Mann mehr sein will, wenn Sie also als Vater selbst betroffen sind, dann ändern Sie vielleicht Ihre Meinung und suchen nach Therapeuten, die Ihrem Sohn eine offene Therapie anbieten. Schließlich kennen Sie ihn und seine Probleme am besten.

Hoffentlich werden Sie im Ausland fündig, denn wenn sich in Deutschland nicht grundsätzlich etwas ändert, werden Sie hier wahrscheinlich niemanden finden, der Ihrem Kind wirklich hilft. Schuld daran ist unter anderem ein Gesetz, das unter Ihrer Führung als Gesundheitsminister beschlossen wurde.

                             

Referenzen

1    Puberty Suppression for Pediatric Gender Dysphoria and the Child’s Right to an Open Future, S. Jorgensen u. a., 02.04.2024

2    Niederländisches-Protokoll: 89 % der Probanden waren gleichgeschlechtlich orientiert, vgl. Cass-Review (2.10) und Achim Wüsthoff zur Homosexualität

3    S2k-Leitlinie Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie im Kindes- und Jugendalter – Diagnostik und Behandlung, AWMF, 30.09.2024

4    Sorgerechtsentzug bei medizinischen Transitionsbegehren Minderjähriger, J. Jacob, 2026

5    Puberty Blocker and Aging Impact on Testicular Cell States and Function, Murugesh u. a., 27.03.2024

6    MEO Clinic Berlin: meoclinic.de/fachgebiete/transgender-chirurgie/geschlechtsanpassung-von-frau-zu-mann

7    Risiken von chirurgischen Transitionseingriffen s. Körperwelten, M. Lenzen-Schulte, 2024)

8    FULL WPATH-Files and Report, Mia Hughes, 2024, s. S. 192f CLIP 9 Transskript with Dan Metzger, pädiatrischer Endokrinologe:

Dan Metzger: I was just gonna say, you know, like, like it's always a good theory that you talk about fertility preservation with a 14 year old, but I know I'm talking to a blank wall. And the same would happen for a cisgender kid, right? They'd be like, Ew, kids, babies, gross. Or the usual SPAC answer is I'm going to adopt. I'm just going to adopt. And then you ask them, well, what does that involve? Like, how much does it cost? Oh, I thought you just like went to the orphanage and they gave you a baby.

No, it's not quite like that. But I was just trying to find it, but I can't quickly locate it because I only have is like a picture of a slide, but apparently last week at the Pediatric Endocrine Society, some of the Dutch researchers started, gave some data about young adults who had transitioned and reproductive regret, like regret, and it's there.

And I don't think any of that surprises us. I don't remember any of the numbers or anything. I just, again, I have a picture of a slide. But hopefully this is something that will get published in the next while. But, you know, think now that I follow a lot of kids into their mid twenties, I'm always like, 'Oh, the dog isn't doing it for you, right?'

Yeah, they're like, no, I just found this, you know, wonderful partner and now we're kids and da da da. So I think, you know, it doesn't surprise me, but I don't know still what todo for the 14 year olds. The parents have it on their minds, but the 14 year olds, you just... It's like talking with diabetic complications with a 14 year old. They don't care. They're not going to die. They're, they're going to live forever. Right? So I think, I think when we're doing informed consent, I know that that's still a big lacuna of, of that we're just, we do it. We try to talk about it, but most of the kids are nowhere in any kind of a brain space to really, really, really talk about it in a serious way. I, that's always bothered me, but you know, we still want the kids to. Be happy, happier in the moment, right?“  

9    Transaffirmative medizinische Maßnahmen bei Minderjährigen als Verstoß gegen § 1631c BGB? L. Wörner, A. Windsberger, V. Roessner, 2025

10   Psychiatric Morbidity Among Adolescents and Young Adults Who Contacted Specialised Gender Identity Services in Finland in 1996–2019: A Register Study, S.-M. Ruuska, R. Kaltiala, u. a., 04.04.2026

11   Hierzu ist anzumerken, dass die offiziellen deutschen Behandlungsempfehlungen nicht durch die neueren Evidenz-Reviews gedeckt sind, d. h. ihnen fehlt eine solide wissenschaftliche Grundlage, stattdessen orientieren sich die Empfehlungen an den problematischen WPATH SoC8 (2022). Wahrscheinlich sind die drastischen medizinischen Maßnahmen bei jungen Menschen, die genderinkongruent sind, sogar unnötig. Zumindest werden in anderen Ländern mittlerweile deutlich weniger invasive Behandlungen empfohlen. Folgende Studien zeigen zudem, dass die Mehrheit der Teens, die den Wunsch äußerten, ein anderes Gender/Geschlecht zu sein, diesen Wunsch im frühen Erwachsenenalter nicht mehr verfolgt:

 

Was tun?

Eltern eines ROGD-Teens stehen immer vor der Herausforderung, sich entscheiden zu müssen, wie dem leidenden Kind bestmöglich geholfen werden soll.

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