Pubertätsblocker - Das niederländische Protokoll

Beginn in den Niederlanden

In den Niederlanden wurde erstmals in den 90er Jahren mit Pubertätsblockern experimentiert, Die Experten dort waren der Auffassung, dass Transsexualität im Gehirn des Menschen verankert ist. Da das Gehirn nicht verändert werden konnte, wollten sie den Körper anpassen.

Puberty blockers for gender dysphoria: The Dutch protocol, in diesem Video-Vortrag skizziert Prof. M. Biggs (Oxford) die Ursprünge der Pubertätsunterdrückung in den Niederlanden

Das sog. Dutch-Protokoll

In den 90er Jahren wurde das sog. Dutch-Protocol entwickelt, nach dem 12jährige für Pubertätsblocker in Frage kamen, 16jährige für Cross-Sex-Hormone und 18jährige für körpermodifizierende Operationen. Die Kriterien für die Behandlung bei Jugendlichen waren in den Niederlanden:

  • die Genderdysphorie sollte bereits in der frühen Kindheit begonnen haben
  • die Person sollte psychologisch stabil sein und nicht unter anderen psychischen Problemen leiden
  • die Person hat die Unterstützung und Zustimmung der Familie

Übernahme des Dutch-Protokolls weltweit

Das sog. niederländische Protokoll wurde 2006 im European Journal of Endocrinology veröffentlicht. Die Behandlung mit GnRHa wurde in vielen anderen Ländern übernommen: USA ab ca. 2007, England von 2010 bis 2011 ab 16 Jahren, ab ca. 2011 ab 12 Jahren, in Deutschland - in einzelnen Fällen ab 2005 - standardmäßig ca. seit 2010). Allerdings werden die Pubertätsblocker seither meistens eingesetzt ohne Berücksichtigung aller im niederländischen Protokoll genannten Kriterien und Altersgrenzen. Gerade die amerikanischen klinischen Psychologen wie J. Olson-Kennedy, D. Ehrensaft haben zügig die Schwellenwerte so weit gesenkt, dass sie fast nicht mehr existieren. "Affirmative Therapie" geht mittlerweile in vielen Ländern in die Richtung, dass es nur noch sehr wenig oder gar kein "Gatekeeping" mehr gibt, alle Beteiligten sollen einfach die Selbstdiagnose (auch von Minderjährigen) akzeptieren und "versorgen".

In den Niederlanden fand eine einzige Proof-of-Concept-Studie statt, die die Studienteilnehmer nach der Pubertätsblockade und bis 1,5 Jahre nach der Operation untersuchte, als die StudienteilnehmerInnen ca. 21 Jahre alt waren. Von einem einzigen FzM-Fall gibt es eine Beschreibung im Alter von 33 Jahren. Er bereute die Transition nicht.

"he reported struggling with significant shame related to the appearance of his genitals and to his inability to sexually function; had problems maintaining long-term relationships; and experienced depressive symptoms (Cohen-Kettenis, u.a., 2011). Notably, these problems had not yet emerged when the same patient was assessed at the age of 20."

Die Gültigkeit für ROGD-Jugendliche ist sehr zweifelhaft

Das Niederländische Protokoll wird weltweit stets als Referenz für das gender-affirmative Versorgungsmodell herangezogen, wenn es um die Sicherheit und Wirksamkeit der Maßnahmen und Eingriffe geht.

Die leitende Prüfärztin des niederländischen Protokolls, A. deVries, hat die medizinische Fachwelt 2020 in einem in Pediatrics veröffentlichten Kommentar darauf hingewiesen, dass die positiven Ergebnisse früher medizinischer Interventionen in den Niederlanden nicht automatisch für ROGD-Jugendliche gelten, weil diese Kohorte zum einen nicht an den damaligen Evaluierungsstudien (mit bspw. überwiegend biologischen ♂) teilgenommen hat, zum anderen einige Besonderheiten aufweist und weil oft nicht alle Kriterien (z.B. Altersmindestgrenzen) des Dutch-Protokolls eingehalten werden. 

Das Niederländische Protokoll schloss folgende Fälle explizit aus:

  • Jugendliche, die sich vor der Pubertät nicht als cross-gender identifizierten
  • Jugendliche, die erhebliche psychische Probleme haben sowie
  • Jugendliche mit non-binären Identitäten

Auch ist es zunehmend üblich geworden, Kinder vor der Pubertät sozial zu transitionieren, wovon das niederländische Protokoll seinerzeit ausdrücklich abriet.

In der Niederländischen Studie lag das durchschnittliche Alter für den Beginn

  • mit Pubertätsblockern bei ca. 15 Jahren. Mittlerweile wird die Altersgrenze im Tanner-II-Stadium gesehen, das ab 8-9 Jahren beginnen kann und im Mittel bei 10,0 Jahren liegt.
  • mit Cross-Sex-Hormonen bei fast 17 Jahren, Derzeit werden CSH üblicherweise 14-jährigen verschrieben (s. auch WPATH-SoC8), manchmal sogar bereits früher.

"The fact that children are transitioned before their identity is tested against the biological reality and before natural resolution of gender dysphoria has had a chance to occur is a major deviation from the original Dutch protocol. (Levine, 2022)"

Bemerkenswert

Weitere interessante Auffälligkeiten sind:

"In England for example the youngest so far is 10 years old. One more thing about the Dutch protocol is that Ferring pharmaceuticals was remarkably generous with financial support and that of course is the company that manufactures tryptophan." M. Biggs

Während sich vor der Behandlung mit PB die Mehrzahl der Jugendlichen in der Pubertät mit ihrem biologischen Geschlecht arrangierten (Desistence) und beispielsweise homosexuell wurden, gehen fast alle seither mit PB behandelten Jugendlichen zu Cross-Sex-Hormonen über und starten damit i.d.R. ihre transsexuelle Entwicklung.