Buchstabensalat LGB&TQ+ - Was ist was?

dreamstime xs 187534544JuanMoyano Es ist leicht, LGB mit T zu verwechseln – aber es gibt grundlegende Unterschiede. Es wird oft angenommen, dass Trans-Sein dem Schwul-Sein irgendwie sehr ähnlich ist, allerdings ist die Wahrheit ein wenig komplexer. Der nachfolgende Beitrag hilft zu verstehen, was Genderidentität von Sexualität unterscheidet – und warum dieses Verständnis wichtig ist!

No: Trans is not 'the new gay'! 14.05.2022

Die Unterschiede von Genderidentität und Sexualität sind für alle von Bedeutung, die mit Menschen zu tun haben, die ihr Geschlecht/ihr Gender hinterfragen, ggf. eine Transition anstreben oder sich auch solche, die wieder detransitionieren. Mit Hilfe von neun Punkte wird erklärt, warum es wichtig ist, Gender und Sexualität als getrennte Begriffe zu behandeln.

Hier die deutsche Übersetzung:

Warum „Trans″ nicht das neue „Homosexuell” ist

von Angus Fox. 14.05.2022

Viele glauben, dass trans und homosexuell irgendwie sehr ähnliche Begriffe sind. Aber die Wahrheit ist wesentlich komplexer - und hier soll gezeigt werden, warum.

Als schwuler Mann bin ich mit einem bestimmten Bild von Homosexuellen aufgewachsen. Manchmal war dieses Bild ziemlich verzerrt: Die „Talking Heads“ im Fernsehen waren eher schwule Männer als lesbische Frauen; außerdem waren sie eher jung und urban. Diejenigen, die die Schwulen und Lesben nach außen repräsentierten, waren oft gar nicht so weltoffen, wie man vermutet hätte: Eine pensionierte Lesbe aus Devon, Nord-Ontario oder Kansas schaffte es seltener vor die Kamera als beispielsweise ein junger schwuler Mann aus London, Toronto oder San Francisco.

Unabhängig davon, ob der Begriff "LGBT" verwendet wurde oder nicht, ging man in der Regel (wenn auch nicht immer) davon aus, dass wir mit Transpersonen gemeinsame Sache machen, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Auch wenn es nicht offen ausgesprochen wurde, waren wir alle sexuelle Minderheiten, und eine Zeit lang war das für die meisten von uns unproblematisch. Aber das ist inzwischen immer mehr umstritten. Mit der steigenden Zahl an Personen, die sich als trans identifizieren, sehen viele LGB-Leute die Notwendigkeit einer eigenen Bewegung für gleichgeschlechtlich orientierte Menschen.

Das Ergebnis? Wir alle machen uns zunehmend Gedanken darüber, was es bedeutet, homosexuell zu sein, und was es bedeutet, trans zu sein. Und das sollte näher betrachtet werden.

Normalerweise nehmen wir die inneren Empfindungen unserer Mitmenschen als gegeben hin. Wenn jemand sagt, dass er hungrig ist, werden wir ihm wahrscheinlich glauben. Dasselbe gilt, wenn er sagt, dass er homosexuell oder trans ist. Wir glauben unseren Mitmenschen, ohne sie zu hinterfragen, denn wir gehen davon aus, dass sie uns nicht grundlos etwas verheimlichen oder uns sogar anlügen würden.

Deshalb glauben viele Menschen wahrscheinlich auch, dass Sexualität und Gender-Dysphorie im Grunde das Gleiche ist. Bei beiden handelt es sich offenbar um im Inneren wahrgenommene Eigenschaften, also um Eigenschaften, von denen nur die Betroffenen selbst wissen können. „Schließlich", so könnte man meinen, "könnten sich all diese LGBT-Organisationen irren, wenn sie neben LGB ´zusätzlich noch das T mit aufnehmen? Da muss doch etwas dran sein.“ Und niemand will, dass sich die Fehler der Vergangenheit wiederholen, als Parlamente, Schulen, religiöse Gemeinden und medizinische Einrichtungen es gemeinsam versäumt haben, Homosexuellen grundlegende Menschenrechte zu gewähren.

Aber, dass „trans“ so etwas wie „homosexuell“ ist, ist eine sehr vereinfachende Sichtweise. Es gibt viele Unterschiede zwischen Genderinkongruenz und Sexualität - und diese Unterschiede sind entscheidend für diejenigen von uns, die mit Eltern von genderunsicheren Kindern, mit Detransitionierten und mit Menschen arbeiten, die transitioniert sind, aber im Nachhinein die Behandlung die sie bekommen haben, kritisch oder sogar negativ beurteilen. Diese beiden recht unterschiedlichen Konzepte in einen Topf zu werfen, kann irreführend sein und in der Tat unvorhersehbare Folgen haben.

Um eine genauere Auseinandersetzung mit dem Thema „Trans“ zu ermöglichen, bietet Ihnen Genspect eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Erklärungen dazu, warum es wichtig ist, Genderinkongruenz und Sexualität als getrennte Begriffe zu behandeln. Lesen Sie die Punkte in Ruhe durch oder klicken Sie auf die Thesen, die Sie interessieren:

Diese Aufzählung mag nicht vollständig sein, aber sie zeigt, wie viel übersehen wird, wenn Gender-Dysphorie und Sexualität als ein und dasselbe betrachtet werden, wie es in der heutigen sharon mccutcheon JngP0kqu6JQ unsplashZeit so häufig geschieht. Für Detransitionierte ist das keine Kleinigkeit: Eine Studie ergab, dass fast ein Viertel der Detransitionierten der Meinung war, dass Homophobie oder Schwierigkeiten, sich selbst als lesbisch, schwul oder bisexuell zu akzeptieren, mitausschlaggebend für die Transition waren. Eine weitere Studie unter Detransitionierten und Desistern ergab, dass mehr als die Hälfte ein psychologisches Bedürfnis äußerte, zu lernen, mit verinnerlichter Homophobie umzugehen. Die Verschmelzung von Gender-Dysphorie und Sexualität kann gefährlich sein und verletzliche junge Menschen dazu bringen, Entscheidungen zu treffen, die sie später vielleicht bereuen werden.

Also nein, trans ist nicht das neue homosexuell. LGB-Menschen verdienen Respekt, Transpersonen auch. Die Grenzen zwischen diesen verschiedenen Konzepten zu verwischen, mag zwar die einfachste Option sein, ist aber nicht unbedingt der richtige Weg, um diesen Respekt zu zeigen. Ganz im Gegenteil.

--- Ende des Artikels von Angus Fox. ---

Aber

Es gibt Menschen, die mit ihrer Homosexualität hadern bzw. sie verdrängen. Einige dieser Menschen versuchen diesen Konflikt zu lösen, indem sie sich als trans-ident definieren und ggf. transitionieren.

You don't have to Become a Woman to like youself, Joseph Burgo, 16.08.2022

Studie 1

In einer 20-jährigen Nachuntersuchung von Kindern wurde festgestellt, dass die Homosexualität im Erwachsenenalter bei Teilnehmern mit einer Vorgeschichte von Gender-Varianz 8- bis 15-mal so hoch war.

Gender Variance in Childhood and Sexual Orientation in Adulthood: A Prospective Study. J Sex Med 10 (11): 2723-2733. Steensma, T.D., u. a. (2013).

Studie 2

Eine Studie mit 100 Detransitionierten ergab, dass Homophobie oder Schwierigkeiten, sich selbst als lesbisch, schwul oder bisexuell zu akzeptieren, von 23,0 % als Grund für die Transition und die anschließende Detransition angegeben wurde.

Individuals Treated for Gender Dysphoria with Medical and/or Surgical Transition Who Subsequently Detransitioned: A Survey of 100 Detransitioners. Littman, L. (2021), Arch Sex Behav. 

Studie 3

In einer weiteren Studie mit Detransitionierten und Desistern - die meisten von ihnen waren Detransitionierte, die sich einer medizinischen Transition unterzogen hatten - äußerten 52 % ein psychologisches Bedürfnis, den Umgang mit verinnerlichter Homophobie zu lernen.

Detransition-Related Needs and Support: A Cross-Sectional Online Survey, Journal of Homosexuality. Vandenbussche, E. (2021)

Und

Dennis Noël Kavanagh schrieb im August 2022:

'There was a dark joke among staff, soon there will be no gay people left' ...
So began a Times article on the case of Sonia Appleby, the head of safeguarding at the Tavistock who raised a successful whistle-blowers claim that homophobia was being ignored as a safety concern. With the news that the Tavistock house of horrors is now to close, there is now a dark joke among us gays because soon there will be no Tavistock left.