Soziale Transition - Abkoppeln von der Realität?

young girl active on soccer fieldKinder-Transition

A childhood is not reversible - dieser eindrückliche Beitrag eines anonymen Psychologen auf transgendertrend.com ist eine unbedingte Leseempfehlung. Er beschreibt die soziale Transition von Kindern lange vor der Pubertät durch deren Eltern, die annehmen, dass "du bist trans" der richtige Umgang mit der Non-Konformität ihres Kindes ist und zudem reversibel. Manche Familien gehen sogar so weit, dass sie die soziale Transition ihres Kindes für Bekannte und Mitschüler­Innen in Schule und Freizeitbereichen geheim halten wollen und außerdem die rechtliche Transition erwirken.

Wenn diese früh sozial transitionierten Kinder dann die Pubertät erreichen, kommt bei ihnen Genderdysphorie und bei den Eltern oft Panik auf, der Weg zur medizinischen Transition ist vorgezeichnet.

Der Autor beschreibt auch die Alternative: Eltern können ihr gender-non-konformes Kind in seiner Non-Konformität unterstützen, damit es bleiben kann, wie es ist und sich nicht partiell von der Realität abkoppeln muss.

Over the half of her patients now identiy as transgender, dailymail, 08.05.2022

Soziale Transition ist keine neutrale Maßnahme

Weil die soziale Transition keine medizinische Behandlung ist und theoretisch reversibel, wird sie häufig verharmlosend als „Ausprobieren” bagatellisiert. In einer Forschungsstudie von Dr. Steensma aus dem Jahr 2013 erwies sich der psychologische Einfluss der sozialen Transition in der Kindheit als stärkste Vorhersagevariable für das Fortbestehen einer Genderdysphorie bei Jugendlichen.

Unquestioning affirmation of a child’s belief is not a neutral act of kindness, but an active intervention that shapes and changes a child’s understanding and development. Affirmation by trusted adults forms or reinforces a child’s perception of reality. Living, and being affirmed daily, as the opposite sex will affect and change the child’s developing sense of self, which risks creating a self-fulfilling prophecy of outcome., Transgendertrend, 2021

Schulen und andere Bildungs- und Erziehungseinrichtungen haben insbesondere die Aufgabe, einen toleranten und fürsorglichen Umgang mit allen Beteiligten zu fördern. Niemand darf gemobbt oder angefeindet werden. Allerdings ist es auch nicht ihre Aufgabe, die Identitätsbildung zu steuern. Die Bestätigung einer Self-ID durch selbstgewählte Namen und Pronomen sowie anderer gut gemeinter Support sind keine neutrale Maßnahmen.

Social transition is sometimes described as something that has few, if any, longterm consequences, and therefore can be recommended with minimal concerns, even for young children. However, in some significant percentage of cases, social transition leads to medical transition. It appears likely that being conditioned to believe you are the opposite sex creates ever-greater pressure to continue to present in this way, especially in young children. Once one has made the investment of coming out to friends and family, having teachers refer to you by a new name and pronoun, will it really be so easy to change back? Pediatric transition doctors in the Netherlands who first pioneered the use of puberty blockers in dysphoric children caution against social transition before puberty precisely because of high desistance rates and the likelihood that social transition will encourage persistence (de Vries & Cohen-Kettenis, 2012)“. Lisa Marchiano, 2017

Eine soziale Transition, die so früh und so weitreichend von den Eltern unterstützt wird, wie oben beschrieben, macht eine Wiederidentifikation mit dem ursprünglichen Geschlecht zu einer sehr unrealistischen Option, da beispielsweise viele Menschen in ihrer Umgebung das ursprüngliche Geschlecht des Kindes gar nicht kennen.

Hilary Cass, Kinderärztin und Vorsitzende des Independent Review of Gender Identity Services for Children and Young People in England schreibt 2022:

Social transition – this may not be thought of as an intervention or treatment, because it is not something that happens within health services. However, it is important to view it as an active intervention because it may have significant effects on the child or young person in terms of their psychological functioning.*) There are different views on the benefits versus the harms of early social transition. Whatever position one takes, it is important to acknowledge that it is not a neutral act, and better information is needed about outcomes. (Cass-Review, 2022, S. 62)

*) Sievert EDC, Fahrenkrug u.a. (2020). Not social transition status, but peer relations and family functioning predict psychological functioning in a German clinical sample of children with Gender Dysphoria.
Ehrensaft D, u.a. (2018). Prepubertal social gender transitions: What we know; what we can learn—A view from a gender affirmative lens.

“In the UK, we’re seeing much younger people socially transitioning. But sometimes it then becomes almost impossible for them to think about the reality of their physical body. They are living totally the gender they feel they are, but of course their body doesn’t match that, and it becomes something that can’t be talked about or thought about. Clearly, it then becomes quite difficult in terms of keeping their options open and ensuring fully informed consent for any appropriate physical interventions.” (The Times, 29.08.2015)

Wie Schulen gendernonkonforme Jugendliche besser unterstützen können

  1. Lehrende und Erziehende sollten nicht gendernonkonform und trans verwechseln.
  1. Lehrende und Erziehende sollten nicht nach präferierten Pronomen fragen.
    Vulnerable, gendernonkonforme Kinder und schwule Teenager werden dadurch verunsichert, sie können durch Pronomen-Rituale Schaden nehmen, indem sie sich auf unnötige und ungesunde Weise mit ihrer Identität beschäftigen. Vielleicht haben sie vorher nie darüber nachgedacht, weil es einfach eine Selbstverständlichkeit war. Aber wenn diese Frage immer wieder gestellt wird, kann ein neurodiverses Kind darauf fixiert sein, die Antwort zu finden. Es wird wahrscheinlich im Internet googlen: „Woher weiß ich, welches Gender/Geschlecht ich habe?" In den meisten Fällen wird das Internet antworten: „Wenn du diese Frage stellst, dann bist du trans." Wenn das Kind dann bekannt gibt, dass es trans ist, wird es häufig mit Lob und Bestätigung überschüttet, etwas, wonach es sich möglicherweise gesehnt hat.
    Damit wird eine Identität gefestigt, die eher das Ergebnis zwanghaften Denkens als einer tatsächlichen Genderdysphorie war. Aus dieser Sicht sieht es weniger so aus, als würden wir Kinder mit Gender-Problemen unterstützen, sondern eher so, als würden wir sie selbst erzeugen, indem wir nach bevorzugten Pronomen fragen.
  1. In fast jeder Situation ist es am besten, wenn Schulen und Eltern zusammenarbeiten. So wie die Erlaubnis der Eltern für Ausflüge, außerschulische Programme und die Teilnahme am Sport benötigt wird, sollte auch die Zustimmung für etwas so Relevantes wie die soziale Transition selbstverständlich eingeholt werden. Wenn Eltern die Transition nicht für eine gute Lösung für ihr Kind halten, bedeutet das keineswegs, dass Eltern unfähig, uninformiert oder inkompetent sind. Die soziale Transition ist eine Intervention, die eine ausdrückliche Einwilligung nach Aufklärung erfordert.

Es wäre angemessen und zeitgemäß, wenn Erziehende und Lehrende SchülerInnen in Bezug auf ihren Körper Denkweisen wie diese vermitteln würden:

“Feelings aren’t facts. Feeling your body is wrong, doesn’t make your body wrong. Allow these feelings to come and go without judging yourself.”

How Schools Can Better Support Gender Non-Conforming Kids, PITT, 28.08.2022


Soziale Transition in der Kindheit

Eine neue Studie verleiht Bedenken Glaubwürdigkeit, dass ein sozialer Geschlechtswechsel in der Kindheit zu einer Beständigkeit der Geschlechtsdysphorie führen kann.

Early Social Gender Transition in Children is Associated with High Rates of Transgender Identity in Early Adolescence, SEGM, 06.05.2022


Soziale Transition bei ROGD-Teens

Für Eltern von ROGD-Teens, die als Kinder nicht gender-auffällig waren, stellt sich die Situation etwas anders dar, weil es hier die Jugendlichen selbst sind, die - oft unterstützt durch LehrerInnen oder Fachleute -, die soziale Transition anstreben und glauben, dass sie reversibel wäre. In einem weiteren Beitrag auf transgendertrend wird das ganze Szenario der „Sozialen Transition” in der Adoleszenz beschrieben.

The more young people I meet, the less I think it’s low risk. The ‘fully reversible’ story is missing any psychological angle at all. Trying to be perceived as one sex, whilst developing the body of another, is never going to be a trivial thing to do. We can’t reverse the experiences of adolescence.

When a teenager says they’re transgender, 21.03.2022


Soziale Transition korreliert mit dem Fortbestehen der Transgender-Identität

Wären es allein die Änderungen von Namen, Pronomen, Kleidung und Toilettennutzung etc., dann wäre es nicht das Problem, das viele Eltern beschäftigt. Das große Problem besteht darin, dass die Soziale Transition nachweislich mit dem Fortbestehen der Transgender-Identität korreliert und damit ein „Steigbügel” für die medizinische Transition ist.

Pädiatrische Transitionsärzte in den Niederlanden, die die Pioniere bei der Anwendung von Pubertätsblockern bei dysphorischen Kindern waren, beobachten, dass die Soziale Transition mit einer Zunahme der Beharrlichkeit junger Menschen in Bezug auf die Genderidentität korreliert (Studie). Dies veranlasste sie zu Warnungen vor der Sozialen Transition.

Ein anderer Artikel stellt fest, dass die Genderdysphorie bis ins Jugendalter andauert, wenn eine Soziale Transition stattgefunden hat, und behauptet daher, die Soziale Transition ist eine „psychosoziale Intervention, [die] als iatrogen charakterisiert werden könnte“ – ein medizinisches Problem, das durch die Behandlung selbst verursacht wird.

Zudem gibt es gibt Hinweise, dass die Soziale Transition des Kindes bei biologischen Jungen stärker mit der Persistenz von Genderdysphorie korreliert ist als bei Mädchen.