Detrans - Typologie und Behandlungsleitlinien

fire salamander 3409009 Sonja Rieck pixabay Pablo Expósito-Campos, ein spanischer Psychiater, hat für die Gender-Detransition eine Typologie vorgeschlagen, die sich auf die Beendigung oder Fortführung einer Transgender-Identität bezieht.

Detransition - Prozess der Wiederidentifikation mit dem ursprünglichen Geschlecht, nachdem eine Person gesellschaftlich, rechtlich oder medizinisch transitioniert ist.

  1. Kern- oder Primär-Detransitionierte: Eine transitionierte Person hört auf, sich als transgender zu identifizieren, nachdem sie zu dem Schluss gekommen ist, dass das Transgender-Sein nicht der Grund für ihr/sein Leid und ihr/sein körperliches Unbehagen ist. Diese Entscheidung bedeutet in der Regel, dass der Transitionsprozess gestoppt und - wo möglich - rückgängig gemacht wird, z. B. indem die Hormoneinnahme eingestellt wird und der Name und die Pronomen von vor der Transition wieder angenommen werden.
  2. Sekundär-Detransitionierte: Eine Person beendet die Transition aufgrund gesundheitlicher Bedenken, mangelnder gesellschaftlicher/familiärer Unterstützung oder Unzufriedenheit mit dem Ergebnis, med. Komplikationen, Schwierigkeiten im Berufsleben und/oder vielen weiteren Gründe. Sie hört aber nicht auf, sich als transgender zu identifizieren. Diese Person hätte sich nicht dazu entschlossen, die Transition zu beenden, wenn die Umstände anders gewesen wären. Die Transition wird aus Gründen eingestellt, die sich der Kontrolle der transitionierten Person entziehen, aber nicht, weil sie sich nicht als transgender identifiziert.

Die steigende Zahl der Detransitionierten, die öffentlich über ihre Erfahrungen berichten, spricht für die Notwendigkeit der Entwicklung und Umsetzung spezieller Leitlinien für Kliniker. Bisher fehlen Leitlinien, wie Detransitionierten geholfen werden kann.

Aus der Diskussion des Themenfeldes Detransition ergibt die Frage nach den Möglichkeiten, das Phänomen Detransition zu verhindern. Die Gesundheitsdienstleister müssten praktisch sicherstellen, dass die Patientenentscheidungen immer wohlüberlegt, gut informiert und langfristig vorteilhaft sind. Probleme, Bedenken oder Faktoren, die die Vorteile einer Transition gefährden, müssten erkannt und daraufhin untersucht werden, in welchem Zusammenhang sie mit der Genderdysphorie stehen.

Zudem wäre jeder einzelnen Person mit Genderdysphorie stets verschiedene Alternativen anzubieten, um ihre Genderdysphorie anzugehen, anstatt - wie derzeit üblich - nur einen einzigen therapeutischen Ansatz, die Gender-Affirmativen-Therapie  (GAT mit ihren biomed. Intervetionen) zu fördern.

A Typology of Gender Detransition and Its Implications for Healthcare Providers, 10.01.2021